Mick Herron, Bad Actors, Diogenes Verlag
„Bad actors“ ist der achte Band der Slow
Horses – Reihe von Mick Herron und angesichts der (erfolgreichen) Verfilmung
der Serie sah sich der Autor sogar genötigt, im Nachwort darauf hinzuweisen,
dass der Buchtitel in keinster Weise Bezug auf die Serie nähme. In diesem Band
tritt der sonst durchaus präsente und wortgewaltige Protagonist Jackson Lamb
erstaunlicherweise in den Hintergrund und einige der Agenten aus Slough House
dürfen ihr Unvermögen in einem ungeplanten Einsatz beweisen. Hinzu kommt ein Neuzugang
in Slough House, Ash, die aber außer einem kleinen internen Stellungskampf mit
Computergenie Rodney und einem Spice-Battle mit Lamb noch keine nennenswerte
Bedeutung erlangt hat. Nachdem gegen Ende des Buches aber der Hinweis erfolgt,
dass River Cartwright zurückkehren dürfte, wird für Ash möglicherweise im in
englischer Sprache bereits erschienenen neunten Band hinreichend Gelegenheit
geboten werden, sich in der Welt der Agenten-Versager zu beweisen.
Im hier vorliegenden achten Band wird eine
wissenschaftliche Mitarbeiterin des Premierministers, die als
„Superforecasterin“ gilt, vermisst. Dass die junge Dame, angeblich
Schweizerische Staatsangehörige, aber womöglich einen ganz anderen Hintergrund
mitbringt, kommt im Lauf der Geschichte Stück für Stück zum Vorschein. Parallel
will der neue starke Mann hinter dem Premierminister die interne Macht bei sich
bündeln und da ist die selbstbewusste Leiterin des Inlandsgeheimdienstes Diana
Taverner natürlich im Weg. Parallel erscheint unerkannt der Leiter des
russischen Geheimdienstes auf der Bildfläche und zieht ebenfalls seine Strippen
unter den Beteiligten. Die Slow Horses mischen irgendwie überall mit und sorgen
wie üblich für unkoordinierte Action, sei es beim Rettungsversuch der
Wissenschaftlerin, sei es beim Rettungsversuch von Diana Taverner oder sei es
beim Überfall auf ein Sanatorium, wo Unglücksmagnet Shirley Dander endlich
einmal einen großen und natürlich blutigen Auftritt hat. In Nebenrollen dürfen
auch der frühere MI5-Chef Claude Whelan und eine Truppe von Fußballhooligans
auftreten und aufeinandertreffen, um Chaos und Keilerei zu vervollständigen.
In diesem Band werden die Charaktere wenig
weiterentwickelt, weder für sich gesehen noch in ihren Beziehungen
untereinander. Lamb bleibt erstaunlich zurückhaltend, Taverner gibt das Biest
wie immer, die klandestinen Strippenzieher tun auch ihren üblichen Job und nach
dem großen Krawallshowdown im Sanatorium plätschert die Geschichte zu einem
erstaunlich müden Ende. Viele Szenenwechsel erfordern permanente
Aufmerksamkeit, da auch die zeitliche Abfolge immer mal wieder zurückspringt.
Im Vergleich mit den bisherigen Bänden
gehört dieses Buch sicherlich zu den schlechteren der Reihe, sowohl inhaltlich
als auch sprachlich. Der Plot ist schwer zu greifen, eine Lektüre ohne Kenntnis
der vorherigen Bände ist nicht ganz einfach und die sonst so brillanten Dialoge
von Lamb mit beliebigen anderen Personen fehlen als Würze auch.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 10.12.2025
- Seitenanzahl: 464
- ISBN/Artikelnummer: 978-3257301144
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/mick-herron/bad-actors-9783257301144.html




