Anthony McCarten, Licht, Diogenes Verlag
Anthony McCarten
ist ein fleißiger Autor und es ist nicht das einzige Werk von ihm, das sich mit
einem fiktiven Blick auf reale Zeitgenossen befasst. In diesem Roman geht es
primär um den Erfinder der Glühbirne Thomas Alva Edison. Der Roman thematisiert
seinen scheinbaren Aufstieg vom etwas versponnenen Entwickler neuartiger Ideen
und Gerätschaften zu einem ernst zu nehmenden Mitspieler im Monopoly der
Wirtschaftskonglomerate im US-Amerika im Übergang ins 20. Jahrhundert.
Maßgeblich befeuert wird diese neue Rolle durch J.P. Morgan, der die Rolle des
Investmentbankers schon damals mit Machtstreben, Profitgier und der richtigen
Nase für Gelegenheiten ausfüllt und sich auch mit dem Genie Edisons schmücken
und dabei natürlich milliardenschwere neue Märkte erschließen will. Es geht
dabei nicht nur um die Beleuchtung zahlreicher amerikanischer Haushalte,
sondern auch um deren Versorgung mit Strom. Dessen Entdeckung, Erforschung und
Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen und man kann dabei zusehen, wie
Edison und Tesla, zuerst sein Mitarbeiter, später sein Konkurrent, mit
verschiedenen Ansätzen und Modellen versuchen, der erste und beste im neuen
Markt zu sein. Hinter beiden stehen nunmehr finanzstarke Mäzene, Westinghouse
und eben J.P. Morgan, sodass das Wirken der Wissenschaftler wie ein
Stellvertreterkrieg der beiden Finanzschlachtrosse wirkt. Die Konkurrenz
eskaliert, als Edison mit der von Tesla und Westinghouse befürworteten Methode
den elektrischen Stuhl zu entwickeln versucht und dabei nicht nur hohe Wellen
der Empörung auslöst, sondern auch sich selbst als Erfinder nicht mehr
wiedererkennt. Denn eine Erfindung, die anderen Lebewesen schadet, war nie in
Edisons Sinn. Dazu erkennt er, dass er einfach nicht für die schillernde, aber
substanzlose Wirtschaftswelt geschaffen ist, was sich später in skurrilen
Eskapismen niederschlägt.
Wie nebenbei
erfährt man noch, dass Edisons erste Ehe mit dem Tod seiner Ehefrau endet, er
keine wirkliche Fürsorge für seine Kinder leistet und auch seine zweite Ehe
letzten Endes an seiner einseitigen Vergeistigung und Fokussierung auf seine
Wissenschaft und Erfindungen scheitert. Hinzu kommt das innere Ringen zwischen
Ablehnung der Art, wie J.P. Morgen agiert, und dem doch vorhandenen Wunsch nach
Anerkennung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Auch das klassische
Wissenschaftlergebaren gegen Konkurrenten und die Verunglimpfung derer Ideen
und Strategien ist damals wie heute eine leidige Unsitte und wird gut
eingefangen.
Die Idee, sich
und die Leser in die Vergangenheit zu versetzen, um das Zusammentreffen zweier
spannender Charaktere zu skizzieren, ist gut und böte viel Raum für einen
fesselnden Roman. Leider hat McCarten einen solchen nicht geschaffen, sondern
ein eher langweilig dahinfließendes Buch mit künstlichen Zeitsprüngen,
oberflächlichen Begegnungen und unaufgelösten Konflikten. Ich habe viel länger
als sonst gebraucht, um den Roman zu Ende zu lesen, einfach weil es so
unmotivierend war. Nicht einmal die sprachliche Ausarbeitung war so gestaltet,
dass mir besondere Formulierungen oder Metaphern positiv in Erinnerung
geblieben wären. Insgesamt kann ich den Roman zur Lektüre nicht empfehlen.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 22.02.2017
- Seitenanzahl: 338
- ISBN/Artikelnummer: 978-3257069945
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/anthony-mccarten/licht-9783257244335.html