Sonntag, 12. Dezember 2021

Anthony McCarten, Licht

Anthony McCarten, Licht, Diogenes Verlag

Anthony McCarten ist ein fleißiger Autor und es ist nicht das einzige Werk von ihm, das sich mit einem fiktiven Blick auf reale Zeitgenossen befasst. In diesem Roman geht es primär um den Erfinder der Glühbirne Thomas Alva Edison. Der Roman thematisiert seinen scheinbaren Aufstieg vom etwas versponnenen Entwickler neuartiger Ideen und Gerätschaften zu einem ernst zu nehmenden Mitspieler im Monopoly der Wirtschaftskonglomerate im US-Amerika im Übergang ins 20. Jahrhundert. Maßgeblich befeuert wird diese neue Rolle durch J.P. Morgan, der die Rolle des Investmentbankers schon damals mit Machtstreben, Profitgier und der richtigen Nase für Gelegenheiten ausfüllt und sich auch mit dem Genie Edisons schmücken und dabei natürlich milliardenschwere neue Märkte erschließen will. Es geht dabei nicht nur um die Beleuchtung zahlreicher amerikanischer Haushalte, sondern auch um deren Versorgung mit Strom. Dessen Entdeckung, Erforschung und Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen und man kann dabei zusehen, wie Edison und Tesla, zuerst sein Mitarbeiter, später sein Konkurrent, mit verschiedenen Ansätzen und Modellen versuchen, der erste und beste im neuen Markt zu sein. Hinter beiden stehen nunmehr finanzstarke Mäzene, Westinghouse und eben J.P. Morgan, sodass das Wirken der Wissenschaftler wie ein Stellvertreterkrieg der beiden Finanzschlachtrosse wirkt. Die Konkurrenz eskaliert, als Edison mit der von Tesla und Westinghouse befürworteten Methode den elektrischen Stuhl zu entwickeln versucht und dabei nicht nur hohe Wellen der Empörung auslöst, sondern auch sich selbst als Erfinder nicht mehr wiedererkennt. Denn eine Erfindung, die anderen Lebewesen schadet, war nie in Edisons Sinn. Dazu erkennt er, dass er einfach nicht für die schillernde, aber substanzlose Wirtschaftswelt geschaffen ist, was sich später in skurrilen Eskapismen niederschlägt.

Wie nebenbei erfährt man noch, dass Edisons erste Ehe mit dem Tod seiner Ehefrau endet, er keine wirkliche Fürsorge für seine Kinder leistet und auch seine zweite Ehe letzten Endes an seiner einseitigen Vergeistigung und Fokussierung auf seine Wissenschaft und Erfindungen scheitert. Hinzu kommt das innere Ringen zwischen Ablehnung der Art, wie J.P. Morgen agiert, und dem doch vorhandenen Wunsch nach Anerkennung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Auch das klassische Wissenschaftlergebaren gegen Konkurrenten und die Verunglimpfung derer Ideen und Strategien ist damals wie heute eine leidige Unsitte und wird gut eingefangen.

Die Idee, sich und die Leser in die Vergangenheit zu versetzen, um das Zusammentreffen zweier spannender Charaktere zu skizzieren, ist gut und böte viel Raum für einen fesselnden Roman. Leider hat McCarten einen solchen nicht geschaffen, sondern ein eher langweilig dahinfließendes Buch mit künstlichen Zeitsprüngen, oberflächlichen Begegnungen und unaufgelösten Konflikten. Ich habe viel länger als sonst gebraucht, um den Roman zu Ende zu lesen, einfach weil es so unmotivierend war. Nicht einmal die sprachliche Ausarbeitung war so gestaltet, dass mir besondere Formulierungen oder Metaphern positiv in Erinnerung geblieben wären. Insgesamt kann ich den Roman zur Lektüre nicht empfehlen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 22.02.2017
  • Seitenanzahl: 338
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3257069945

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/anthony-mccarten/licht-9783257244335.html