Sonntag, 9. November 2025

Helen Scales, Ozeanopedia – Die Welt der Meerestiere

Helen Scales, Ozeanopedia – Die Welt der Meerestiere, Laurence King Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Nach Mythopedia und Dinopedia ist Ozeanopedia der dritte auf Deutsch erschienene Band einer kleinen Enzyklopädie für Kinder, der in überbordender Buntheit äußerst aufmerksamkeitsheischend in die Buchregale kommt. Der Titel in glänzender Prägeoptik und in großem Format lädt das Werk zu verweilendem Staunen ein. Nahezu alle im Buch vorgestellten Meeresbewohner tummeln sich auf dem Titelbild und wecken Neugier auf den Inhalt.

Das Kompendium umfasst fünf Kapitel, in denen ausgewählte Tierarten der eisigen Meere, der offenen Meere, der kühlen Küsten, der Tiefsee und der tropischen Küsten vorgestellt werden. Die Auswahl ist natürlich willkürlich und versucht eine möglichst hohe Bandbreite an unterschiedlichen Arten zu porträtieren. Von den größten, wie Finnwalen und Walhaien, bis zu den kleinsten Meeresbewohnern, wie Zwerg-Seepferdchen und Antarktischer Krill, wird jeweils auf einer Doppelseite je eine Tierart kurz vorgestellt. Die Texte werden um die lateinischen Namen ergänzt und bringen in aller Kürze ein paar Einordnungen und lustige oder beeindruckende Fakten des jeweiligen Tieres kurzweilig dar. Ein Glossar rundet das Werk ab.

Das Herausragendste an dieser Reihe sind selbstverständlich die Illustrationen. Doppelseitige Darstellungen, äußerst künstlerisch farbenfroh gestaltet, zeigen die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung, teils ergänzt um andere Flora und Fauna im Lebensraum. Die Bilder sind wunderschön anzuschauen, detailreich und liebevoll gemalt. Endlich ein Buch, das auf Kitsch und kindische Verfremdung verzichtet, sondern schon Kindern die Schönheit der Natur lebensecht vor Augen führen möchte.

Ergänzt werden die Tierportraits noch um einige Wissensseiten am Ende der Kapitel, wie zum Beispiel „Wie man nicht friert“ oder „Wie man platt wird“. Auf diesen etwas textlastigeren Doppelseiten wird versucht, in komprimierter Form Wissen zu vermitteln. Sehr schön sind auch die Seiten, auf denen die Zusammenhänge und Bezüge der Meeresbewohner untereinander aufgezeigt werden, um den komplexen Kreislauf und somit die Fragilität des Meeressystems darzustellen, wie zum Beispiel auf S. 30 „Unser planktonbetriebener Planet“. Die Autorin versäumt es nicht, ganz am Ende des Buches auf die Gefahr hinzuweisen, die den Weltmeeren durch Überfischung, Klimawandel und Vermüllung droht. Entgegen anderer Werke, in denen Kindern mit drastischen Schilderungen Angst gemacht wird, schafft es die Autorin, die Gefahren zu benennen, aber auch eine positive Nachricht zu vermitteln: Sie weist daraufhin, was die Menschheit tun könnte, um aus der Abwärtsspirale zu kommen. Es ist die Hoffnung der Autorin, dass das Wissen um die Schönheit der Weltmeere die kommende Generation davor bewahren wird, die Wasserwelt leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Um möglichst viel aus einem Buch zu lernen, hätte jeder vorgestellte Meeresbewohner in pädagogischer Erweiterung der Wissensvermittlung in einer kleinen Grafik auf der Weltkugel lokalisiert werden können, um den geografischen Bezug zu den verschiedenen Ozeanen auf der Erdkugel herzustellen.

Insgesamt ist das Buch ein Schmuckstück in jedem Bücherregal, das sowohl zum Vorlesen als auch zum eigenständigen Blättern einlädt.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 29.09.2025
  • Seitenanzahl: 96
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 9783962444907

Link zum Buch:

https://www.laurencekingverlag.de/products/ozeanopedia?_pos=13&_sid=dec1fbd5e&_ss=r