Helen Scales, Ozeanopedia – Die Welt der Meerestiere, Laurence King Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Nach Mythopedia und Dinopedia ist
Ozeanopedia der dritte auf Deutsch erschienene Band einer kleinen Enzyklopädie
für Kinder, der in überbordender Buntheit äußerst aufmerksamkeitsheischend in
die Buchregale kommt. Der Titel in glänzender Prägeoptik und in großem Format
lädt das Werk zu verweilendem Staunen ein. Nahezu alle im Buch vorgestellten
Meeresbewohner tummeln sich auf dem Titelbild und wecken Neugier auf den
Inhalt.
Das Kompendium umfasst fünf Kapitel, in
denen ausgewählte Tierarten der eisigen Meere, der offenen Meere, der kühlen
Küsten, der Tiefsee und der tropischen Küsten vorgestellt werden. Die Auswahl
ist natürlich willkürlich und versucht eine möglichst hohe Bandbreite an
unterschiedlichen Arten zu porträtieren. Von den größten, wie Finnwalen und
Walhaien, bis zu den kleinsten Meeresbewohnern, wie Zwerg-Seepferdchen und
Antarktischer Krill, wird jeweils auf einer Doppelseite je eine Tierart kurz
vorgestellt. Die Texte werden um die lateinischen Namen ergänzt und bringen in
aller Kürze ein paar Einordnungen und lustige oder beeindruckende Fakten des
jeweiligen Tieres kurzweilig dar. Ein Glossar rundet das Werk ab.
Das Herausragendste an dieser Reihe sind
selbstverständlich die Illustrationen. Doppelseitige Darstellungen, äußerst
künstlerisch farbenfroh gestaltet, zeigen die Tiere in ihrer natürlichen
Umgebung, teils ergänzt um andere Flora und Fauna im Lebensraum. Die Bilder
sind wunderschön anzuschauen, detailreich und liebevoll gemalt. Endlich ein
Buch, das auf Kitsch und kindische Verfremdung verzichtet, sondern schon
Kindern die Schönheit der Natur lebensecht vor Augen führen möchte.
Ergänzt werden die Tierportraits noch um
einige Wissensseiten am Ende der Kapitel, wie zum Beispiel „Wie man nicht
friert“ oder „Wie man platt wird“. Auf diesen etwas textlastigeren Doppelseiten
wird versucht, in komprimierter Form Wissen zu vermitteln. Sehr schön sind auch
die Seiten, auf denen die Zusammenhänge und Bezüge der Meeresbewohner
untereinander aufgezeigt werden, um den komplexen Kreislauf und somit die
Fragilität des Meeressystems darzustellen, wie zum Beispiel auf S. 30 „Unser
planktonbetriebener Planet“. Die Autorin versäumt es nicht, ganz am Ende des
Buches auf die Gefahr hinzuweisen, die den Weltmeeren durch Überfischung,
Klimawandel und Vermüllung droht. Entgegen anderer Werke, in denen Kindern mit
drastischen Schilderungen Angst gemacht wird, schafft es die Autorin, die
Gefahren zu benennen, aber auch eine positive Nachricht zu vermitteln: Sie
weist daraufhin, was die Menschheit tun könnte, um aus der Abwärtsspirale zu
kommen. Es ist die Hoffnung der Autorin, dass das Wissen um die Schönheit der
Weltmeere die kommende Generation davor bewahren wird, die Wasserwelt
leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Um möglichst viel aus einem Buch zu
lernen, hätte jeder vorgestellte Meeresbewohner in pädagogischer Erweiterung
der Wissensvermittlung in einer kleinen Grafik auf der Weltkugel lokalisiert
werden können, um den geografischen Bezug zu den verschiedenen Ozeanen auf der
Erdkugel herzustellen.
Insgesamt ist das Buch ein Schmuckstück in
jedem Bücherregal, das sowohl zum Vorlesen als auch zum eigenständigen Blättern
einlädt.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 29.09.2025
- Seitenanzahl: 96
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 9783962444907
Link zum Buch:
https://www.laurencekingverlag.de/products/ozeanopedia?_pos=13&_sid=dec1fbd5e&_ss=r
