Sonntag, 15. März 2026

Mick Herron, Bad Actors

Mick Herron, Bad Actors, Diogenes Verlag

„Bad actors“ ist der achte Band der Slow Horses – Reihe von Mick Herron und angesichts der (erfolgreichen) Verfilmung der Serie sah sich der Autor sogar genötigt, im Nachwort darauf hinzuweisen, dass der Buchtitel in keinster Weise Bezug auf die Serie nähme. In diesem Band tritt der sonst durchaus präsente und wortgewaltige Protagonist Jackson Lamb erstaunlicherweise in den Hintergrund und einige der Agenten aus Slough House dürfen ihr Unvermögen in einem ungeplanten Einsatz beweisen. Hinzu kommt ein Neuzugang in Slough House, Ash, die aber außer einem kleinen internen Stellungskampf mit Computergenie Rodney und einem Spice-Battle mit Lamb noch keine nennenswerte Bedeutung erlangt hat. Nachdem gegen Ende des Buches aber der Hinweis erfolgt, dass River Cartwright zurückkehren dürfte, wird für Ash möglicherweise im in englischer Sprache bereits erschienenen neunten Band hinreichend Gelegenheit geboten werden, sich in der Welt der Agenten-Versager zu beweisen.

Im hier vorliegenden achten Band wird eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Premierministers, die als „Superforecasterin“ gilt, vermisst. Dass die junge Dame, angeblich Schweizerische Staatsangehörige, aber womöglich einen ganz anderen Hintergrund mitbringt, kommt im Lauf der Geschichte Stück für Stück zum Vorschein. Parallel will der neue starke Mann hinter dem Premierminister die interne Macht bei sich bündeln und da ist die selbstbewusste Leiterin des Inlandsgeheimdienstes Diana Taverner natürlich im Weg. Parallel erscheint unerkannt der Leiter des russischen Geheimdienstes auf der Bildfläche und zieht ebenfalls seine Strippen unter den Beteiligten. Die Slow Horses mischen irgendwie überall mit und sorgen wie üblich für unkoordinierte Action, sei es beim Rettungsversuch der Wissenschaftlerin, sei es beim Rettungsversuch von Diana Taverner oder sei es beim Überfall auf ein Sanatorium, wo Unglücksmagnet Shirley Dander endlich einmal einen großen und natürlich blutigen Auftritt hat. In Nebenrollen dürfen auch der frühere MI5-Chef Claude Whelan und eine Truppe von Fußballhooligans auftreten und aufeinandertreffen, um Chaos und Keilerei zu vervollständigen.

In diesem Band werden die Charaktere wenig weiterentwickelt, weder für sich gesehen noch in ihren Beziehungen untereinander. Lamb bleibt erstaunlich zurückhaltend, Taverner gibt das Biest wie immer, die klandestinen Strippenzieher tun auch ihren üblichen Job und nach dem großen Krawallshowdown im Sanatorium plätschert die Geschichte zu einem erstaunlich müden Ende. Viele Szenenwechsel erfordern permanente Aufmerksamkeit, da auch die zeitliche Abfolge immer mal wieder zurückspringt.

Im Vergleich mit den bisherigen Bänden gehört dieses Buch sicherlich zu den schlechteren der Reihe, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Der Plot ist schwer zu greifen, eine Lektüre ohne Kenntnis der vorherigen Bände ist nicht ganz einfach und die sonst so brillanten Dialoge von Lamb mit beliebigen anderen Personen fehlen als Würze auch.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 10.12.2025
  • Seitenanzahl: 464
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3257301144

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/mick-herron/bad-actors-9783257301144.html