Anders Sparring, Familie von Stibitz - Der Riesenlolli-Raub, Hanser Verlag
Im Hanser Verlag
wurde eine schwedische Kinderbuchreihe, die im Original schon 2017 erschienen
ist, nunmehr in deutscher Übersetzung auf den Markt gebracht: die Familie von
Stibitz. Diese besteht aus Vater Ede, Mutter Fia, Tochter Ella, die eigentlich
Kriminella heißt, und Sohn Ture. Dazu gesellt sich der Hund Schnüffler. Die
Familie von Stibitz lebt recht verborgen und hat stets etwas zu verbergen, denn
es wird nicht gekauft, sondern geklaut. Und das gewissermaßen direkt unter den
Augen des argwöhnischen Nachbarn Paul Eisig, der auch noch in Diensten der
Polizei ist.
Zeitgleich sind
nun der erste Band, „Der Riesenlolli-Raub“, und der zweite Band, „Die
Ganoven-Omi“, erschienen. Die Reihe ist klar auf frühe Leser gemünzt. Sowohl
der Umfang der Geschichte, die Satzstruktur und Wortwahl, aber auch die Melange
aus Problemaufrissen und Lösungsansätzen mit moderat überraschenden Wendungen
sind schön auf den Wissens- und Erwartungshorizont junger Grundschülerinnen und
Grundschüler abgestimmt. Mit einem leichten Spannungsbogen wird die Lektüre
gern immer wieder ein bisschen hinausgezogen, sodass auch Kinder gut mit der
Konzentration dabei bleiben können. Zum Vorlesen eignet sich das Buch natürlich
ebenso. Die Illustrationen unterstützen die Geschichte dabei effektiv.
Worum geht es in
Band eins? Zunächst einmal wird die Familie vorgestellt: allesamt geschickte
Diebe. Alle? Nein: Ture hat überhaupt keine Lust auf die illegalen Tätigkeiten
der anderen Familienmitglieder. Und nun steht auch noch sein Geburtstag bevor.
Doch das, was er sich am meisten wünscht, ist gar nicht so einfach zu stehlen.
Was nun? Die Lösungsversuche der Familie sind amüsant, aber man hat auch arg
Mitleid mit Ture, dem an seinem Geburtstag dann erst einmal so gar nicht nach
Feiern zumute ist. Doch da kommt unerwartet Paul Eisig ins Spiel und gibt dem
Ganzen eine neue Wendung.
Wer sich ein
wenig mit Kinderbüchern beschäftigt, wird ein oder zwei Dejavus haben. Zum
einen ist das Thema „Dieb sein“ durchaus populär, vgl. zuletzt „Ich bin ein
Dieb“ von Abigail Rayner und Molly Ruttan (Nord-Süd-Verlag). Zum anderen ist
die Idee „diebische Familie mit einem ehrbaren Kind als Kontrapart“ auch nicht
so neu, vgl. „Allein unter Dieben - Meine verrückte Verbrecherfamilie und ich“
von Frank Schmeißer, Fischer Sauerländer. Das ist an sich nicht schlimm,
Literatur lebt von Kopie und Weiterentwicklung. Aber mit diesem Vorwissen muss
man über die doch arg enthusiastische Beschreibung der beiden Autoren am Ende des
Buches ein wenig schmunzeln.
Ungeachtet
dessen: das Buch ist prima geeignet für junge Grundschulkinder, es bietet eine
überschaubare, aber spannende Geschichte, viel Wortwitz und etliche Anstöße für
Gespräche mit den Eltern.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 17.02.2020
- Seitenanzahl: 64
- Altersempfehlung: Ab 7 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-26621-6
Link zum Buch:
