Judith Rossell, Stella Montgomery und die magischen Bilder von Wakestone Hall, Thienemann Esslinger Verlag
Der dritte – und
wahrscheinlich letzte – Band der im viktorianischen Zeitalter angelegten
fantastischen Krimiserie ist der Höhepunkt der Stella-Trilogie. Die Autorin
gibt in diesem Band all ihre Kunst zum Besten und wer die vorherigen zwei Bände
gelesen hat, wird nun nicht enttäuscht. Es handelt sich wieder um ein düsteres,
kaltes, tristes Setting, in dem Erwachsene meist grausam ihre eigenen,
selbstsüchtigen Ziele verfolgen. Kinder dagegen sind entweder gleichgültig oder
den Erwachsenen untertan – bis auf die wenigen Ausnahmen, mit denen Stella
sofort Freundschaft schließt.
Der dritte Band
entführt die jungen Leser in das Internat Wakestone Hall, in das die bösen
Tanten Stella nun gesteckt haben. Schon sie selbst und Stellas Mutter waren
dort, so dass die Tanten die Hoffnung hegen, dass aus Stella dort endlich eine
sittsame und brave Dame gemacht wird. Ganz im Sinne der Tanten ist das Internat
einfach nur fürchterlich: Kalt und grau, mit erbarmungslosen Lehrerinnen,
schrecklichem Essen und einer grausamen Direktorin. Stella freundet sich mit
Ottilie und Amaryllis an und erlebt so ein wenig Menschlichkeit und
Freundschaft in diesem unmenschlichen Umfeld. Wenn eines der Mädchen wegen
eines nichtigen Vergehens zur Direktorin geschickt wird, kehrt es völlig
verändert zurück. Später lüftet sich das Geheimnis, dass die Direktorin die
Persönlichkeiten ihrer Schülerinnen als Scherenschnitte in einem Album
verwahrt, so dass nur die persönlichkeitslose Hülle übrig bleibt. Stella
entdeckt in dem Album die Scherenschnitte ihrer Tanten - so dass deren
Herzlosigkeit ein wenig gerechtfertigt wird – sowie den Platz des
Scherenschnitts ihrer Mutter. Als mit einem Mal Ottilie verschwindet, machen
sich Amaryllis und Stella auf die Suche nach ihr. Ottilie erhält Hilfe von
einem jungen Müllsammler namens Joe und nebenbei bringt die Autorin den
Leserinnen und Lesern bittere Armut anschaulich vor Augen. Kinder, die auf sich
alleine gestellt von weniger als Nichts um ihr Überleben kämpfen müssen, so
dass das grausige Internat wie ein tröstlicher Ort voller Fürsorge erscheint.
Joe bringt Stella zu dem einzigen vertrauenswürdigen Erwachsenen, der ihr den
entscheidenden Rat gibt. Aufgrund dieser Hinweise und der tatkräftigen Hilfe
ihrer Freunde gelingt es Stella, nicht nur Ottilie wiederzufinden, sondern den
grausamen Plan der Direktorin und ihrer Handlanger zu durchkreuzen.
In der
fulminanten Schlussszene, die an Gruseligkeit kaum zu überbieten ist, findet
Stella ihren Vater und löst damit die offenen Fragen der vorherigen Bände über
sein Verschwinden und ihre eigene Herkunft. Es gelingt ihr, nicht nur ihn,
sondern noch viele weitere arme Geschöpfe in einem explosiven Kampf zu retten.
Die tristen,
grauen und sehr genauen Beschreibungen von Armut und Kälte tragen das Buch, das
dadurch eine von Traurigkeit tropfende Grundstimmung hat. Der Kontrast zur
Explosivität der Szenen, in denen Stella und ihre Freunde fliehen, flüchten,
entkommen, siegen, ist dadurch umso stärker und dieser Kontrast ist es, der die
Stärke der Stella-Trilogie ausmacht. Dass mit diesem letzten Band für Stella
nun alle Fragen beantwortet sind, ihre Freunde gerettet und ihr Vater Stella
von den bösen Tanten erlöst, ist so herzerwärmend, wie man es nur brauchen
kann, nach all der Trostlosigkeit der vorherigen Seiten.
Die
Leseempfehlung ab 10 Jahren ist bei der Stella-Trilogie durchaus ernst zu
nehmen, denn etliche der Szenen sorgen aufgrund der darstellerischen Dichte und
Gruseligkeit bei jüngeren Lesern sicher für Albträume. Ältere Leserinnen und
Leser sind aber sicherlich gerade deshalb besonders von dieser Reihe gepackt
und werden das Buch nicht aus der Hand legen können.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 18.07.2019
- Seitenanzahl: 304
- Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-522-18519-6
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