Max Bolliger, Der Bärenberg, BohemVerlag
Das Buch
„Bärenberg“ ist eines von vielen Werken des Kinderbuchautors Max Bolliger,
dessen Bücher auch nach seinem Tod im Jahr 2013 immer wieder und neu entdeckt
werden, teilweise mit neuen Illustratoren. Die Originalfassung des Bärenbergs
stammt aus dem Jahr 1982.
Was auf den
ersten Blick erstaunt, sind die zwar weichen, aber doch düster gehaltenen
Illustrationen, in denen die schwarz gemalten Bären mitunter in der großflächig
präsentierten Natur untergehen. Auch die Kämpfe, die die Bären auf dem Weg zum
ersehnten Berggipfel austragen müssen, kommen recht unspektakulär daher. Aus
der Sicht eines erwachsenen Lesers ist das kein Manko, denn man ist da viel
mehr damit beschäftigt, den Text und die Metaphern dahinter auf sich wirken zu
lassen, aber bei den Kindern, die ich mit dem Buch konfrontiert habe und die
ohnehin von dem Thema irritiert waren, kam die Illustration teilweise nicht so
gut an.
Worum geht es in
der Geschichte? Drei kleine Bären streifen durch die Welt und stehen am Fuß
eines hohen Berges. Sie malen sich aus, wie schön es auf dem Gipfel sein muss
und beschließen den Aufstieg. Sie gelangen an eine Weggabelung und können sich
nicht einigen. So wendet sich der eine nach links, der andere nach rechts, der
dritte bleibt unentschlossen. Er läuft einmal dem einen nach, dreht dann um und
läuft dem anderen nach, dreht angesichts der auch dort bevorstehenden
Schwierigkeiten erneut um und kehrt ganz um. Die anderen beiden jedoch müssen
auf dem Weg zum Gipfel eine harte Prüfung bestehen und treffen sich dann oben
am Berg mit der Erkenntnis wieder, dass beide Wege zum Ziel führten und dass
sie über ihre Leistung und die gemachte Erfahrung sehr glücklich sind. Dem
dritten Bären wiederum wollen sie nunmehr zu dessen eigenen Weg verhelfen.
Die
oberflächlich leicht erkennbaren Thesen der Geschichte sind auch für Kinder
leicht zu erklären: wähle deinen eigenen Weg, wachse an den Herausforderungen,
vertraue auf deine eigenen Kräfte. Viel interessanter ist aber die merkwürdige
Rolle des dritten Bären: nach diesem fragten viele der kleinen Testleser
sofort: ja, was ist denn mit dem dritten Bär? Natürlich muss auch dieser seinen
Weg finden, aber wieso wartet keiner der vorausgehenden Bären auf ihn? Muss man
immer kämpfen, um erfolgreich zu sein? Hätten nicht auch zwei Bären als Team
die im Weg stehenden Wölfe oder Tiger hinreichend eingeschüchtert und es wäre
gar nicht zum Kampf gekommen? Oder auch schon vorher: warum muss man sich
überhaupt aufteilen und kann nicht gemeinsam einen Weg gehen? Man kann also die
Problematik durchaus noch vertiefen, wenden und erweitern, um dann
festzustellen, dass man mit den im Buch angegebenen Lösungsmöglichkeiten nicht
vollständig zufrieden sein muss.
Das Buch ist
nicht schlecht, aber die Komplexität der Handlung, die auf den ersten Blick als
simple Mutmach-Episode wirkt, macht das Ganze für Kinder schwierig zu
verstehen. Vorschulkinder wären grafisch die geeignete Zielgruppe, aber vom
Verständnis her könnten Grundschulkinder besser über die Nuancen der Geschichte
nachdenken. Für die aber dürfte die Aufmachung uninteressant sein.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungsdatum: September 2018
- Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
- Seitenanzahl: 32
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-85581-528-9
Link zum Buch:
https://www.spiegelburg-shop.de/produkt/888528/der-baerenberg/
