Alexander Steffensmeier, Ein Platz nur für Lieselotte, Sauerländer Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Bei einem neuen
Lieselotte-Buch darf man immer gespannt sein, welche Abenteuer sie diesmal
erlebt – und welches kindertypische Thema der Autor diesmal verarbeitet. Im
Hinblick auf Abenteuer ist es diesmal eher weniger an Action, die Lieselotte
und ihre Freunde auf dem Bauernhof erleben. Dafür haben sie einiges zu tun, was
das Miteinander angeht. Das wird den vorlesenden Eltern sicherlich mehr als ein
Schmunzeln entlocken. Ob die kindlichen Leser und Betrachter sich aber mit der
Geschichte genauso identifizieren können, muss ich offen lassen, denn die
Erkenntnis, das Verhalten der Tiere mit dem eigenen Verhalten abzugleichen,
dürfte eine Transferleistung sein, die eher Vorschulkinder abrufen können,
nicht aber Drei- oder Vierjährige, für die die Lieselottebücher ja auch
konzipiert sind.
Worum geht es?
Die Tiere des Hofes streiten sich um ein neues Spielzeug, jeder will es haben
und das möglichst lange. Die Bäuerin ist von dem Streit genervt und kassiert
das Spielzeug ein. Die Tiere behelfen sich mit einem Gemeinschaftsspiel und
spielen verstecken. Lieselotte findet nach und nach alle Tiere bis auf die
Ziege und das Pony, die sich außerhalb auf der Wiese versteckt haben.
Lieselotte entdeckt jedoch etwas ganz anderes und viel Besseres: einen großen
Holunderbusch, der so wächst, dass man mittendrin eine gemütliche Höhle hat.
Die will Lieselotte für sich und sucht schon Einrichtungsgegenstände zusammen,
aber dann muss sie feststellen, dass Pony und Ziege den Busch auch entdeckt haben
und für sich reklamieren. Lieselotte zieht erst einmal sauer ab, aber als sie
Pony und Ziege dann im Bauernhof wiedersieht beginnt ein Wettrennen um den
vermeintlich leeren Busch. Doch den haben inzwischen die Hühner besetzt. Pony
und Ziege und Lieselotte sind verdattert und schmieden einen Plan: die Hühner
müssen da raus. Also basteln sie gemeinsam eine Hühnervertreibemaschine mit
lauter Musik, doch auf dem Weg zum Busch stolpern sie und der gemeine Plan
scheitert. Zum Glück. Denn in dem ganzen Chaos, das nun vor dem Holunderbusch
angerichtet ist, finden alle Tiere zu einem gemeinsamen Spiel zusammen und die
Bäuerin freut sich aus der Ferne über ihre braven Tiere.
Der Streit um
Spielzeug, sei es konkret oder abstrakt in Form einer auserdachten Wunschhöhle,
ist ein Alltagsthema im Kindergarten (und auch später). Genauso aber finden
Kinder trotz des Streits immer wieder in unterschiedlichen Koalitionen zusammen
und manchmal am Ende sogar zu einem großen gemeinsamen Spiel. Solche
Schlüsselszenen des Kindergartenalltags fängt Alexander Steffensmeier treffend
ein und untermalt die Geschichte wie immer mit detailreichen Illustrationen. Im
Gegensatz zu sonstigen Lieselotte-Büchern erachte ich diesmal aber wie oben
schon angedeutet die Rezeption für die jüngeren Leserinnen und Leser für
anspruchsvoller, da sie eine Transferleistung auf das eigene Verhalten im
Kindergarten oder ggf. in der Familie erbringen müssen. Im Gegensatz zu anderen
Bänden, wo schon Lieselottes Verhalten an sich lustig ist und die Transferleistung
sich anschließt, ist diesmal das Hin und Her rund um den Busch nicht so
spannend oder lustig, als dass man mit Garantie vom Gefallen der kleineren
Leser ausgehen könnte, zumal sich kleine Testleser entsetzt darüber gezeigt
haben, dass und wie intensiv in dem Buch gestritten wird. Es ist und bleibt
trotzdem ein schönes Kinderbuch, aber es fällt zu den sonstigen Lieselotte-Bänden
in der Konzeption doch ab.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 25.09.2019
- Seitenanzahl: 32
- Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-7373-5653-4
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