Montag, 28. Juni 2021

Holger Haag, Lebensgroß - Wilde Tiere Afrikas

Holger Haag, Lebensgroß – Wilde Tiere Afrikas, Coppenrath Verlag

Nach den erfolgreichen Vorgängern der „Lebensgroß“-Reihe zu den Themen „Dinosaurier“ und „Tiere des Waldes“ legt der Coppenrath-Verlag nun eine Fortsetzung zu den wilden Tieren Afrikas vor. Bildgewaltig wie die Vorgänger reiht sich auch dieses Werk gekonnt in die ausdrucksstarke Liga ein.

Es ist der erklärte Anspruch der Reihe, biologisch korrekte Darstellungen einzelner Körperteile und auch Gesamtportraits zu bieten, die den kleinen Lesern einen Eindruck von der wahren Größe der Lebewesen vermitteln. So nah wie in diesem Buch kann niemand einer Krokodilschnauze oder einer Löwentatze kommen und ihre Facetten untersuchen. Dabei achtet der Illustrator auf kleinste Details, wie Zahnbelag beim Krokodil oder feinste Haare in der Mähne des Löwen. Manches Bild ist detailgetreu wie ein Foto und der Leser fühlt sich von einer treuherzig in die „Kamera“ schauenden Giraffe direkt beobachtet.

Die Auswahl der wilden Tiere Afrikas besticht dabei durch ihre Vielfältigkeit: So werden nicht nur die „Big Five“ Elefant, Giraffe, Zebra, Nashorn und Löwe porträtiert, sondern auch vier Vogelarten, von denen einige eher unbekannt (Schuhschnabel) oder unscheinbar (Rosenköpfchen) sind. In den Steckbriefen zu jeder Tierart werden zunächst einige Zahlen zu Gewicht oder Alter wiedergegeben, danach folgen Fakten zum Aussehen, zum Lebensraum, zum Verhalten, zur Nahrung und zum Nachwuchs. Im Folgenden werden einzelne Körperteile oder Charaktermerkmale der Tierart näher beleuchtet – wie zB die 50cm lange Zunge der Giraffe oder die Hitzebeständigkeit des Spießbocks. Dabei ist die Sprache der kurzen Textabschnitte so gehalten, dass auch jüngere Kinder ab dem Vorschulalter dem Inhalt folgen können, zugleich aber auch größere Kinder das Buch interessiert zur Hand nehmen. Der Anspruch wissenschaftlicher Korrektheit wird auch in der Angabe der lateinischen Gattungsbezeichnung deutlich. Dass neben dem erreichbaren Alter in den Weiten Afrikas zugleich das durchschnittlich zu erreichende Alter in Zoohaltung aufgeführt wird, führt schon jüngere Kinder an ökologisch relevante Themen wie Artenschutz heran.

Würde man das hervorragend gestaltete Buch noch verbessern wollen, hätte der Angabe des Lebensraums noch eine Verortung auf einer Weltkugel gut getan, da es gerade für jüngere Kinder schwierig ist, die Angabe „südlich der Sahara“ oder „Kongobecken“ zu visualisieren.

Des Weiteren wäre eine Angabe über die Verbreitungsdichte ein guter Impuls gewesen, um Kinder zur Problematik des bedrohten Lebensraums und Artenverlusts hinführen zu können. Die Angabe, dass es nur noch wenige Hundert Gorillas gibt, hätte sicher zum Nachdenken angeregt und gehört bei der Beschreibung der Tierarten inzwischen leider zur Realität.

Der Größenvergleich auf der letzten Doppelseite, dem die Größe eines Menschen im Vergleich zu den vorgestellten Tieren zu entnehmen ist, lässt auch jüngeren Kindern die beeindruckende Dimension eines afrikanischen Elefanten oder eines Nilkrokodils bewusst werden.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.06.2021
  • Seitenanzahl: 56
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649637905

Samstag, 12. Juni 2021

aprilkind, Der Grolltroll – Schöne Bescherung

aprilkind, Der Grolltroll – Schöne Bescherung (Bd. 4), Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger


Das erfolgreiche Autorenteam legt einen neuen Band vom sympathischen blauen Grolltroll vor, der an die Messlatte der vorherigen Geschichten routiniert anknüpft. Diesmal geht es rund um das Thema Weihnachten und der Grolltroll plant mit seinen Freunden am Heilig Abend ein gemeinsames Fest. Wie zu erwarten war, klappt aber nicht alles so, wie sich die Freunde das so vorstellen. Dabei soll es doch ein rauschendes Fest mit Plätzchen, Weihnachtsbaum und vielen Geschenken werden! Nach einer wilden Schneeballschlacht geht es an die Arbeit. Eifrig machen sich alle ans Werk, doch es geht bald einiges schief. Verbrannte Plätzchen sind nur der Anfang, bis sich die Freunde über die Aufteilung des Putzdienstes, um die Grolltroll-Höhle herzurichten, die Auswahl des Weihnachtsbaums und des Baumschmucks völlig in die Haare kriegen. Wer wird da nicht an so manches Familien-Desaster zu Weihnachten erinnert? Die Erwartungen an die Geschenke sind dann sehr hoch und werden umso bitterer enttäuscht. Am Ende sind alle Freunde aufeinander sauer und es ist das schrecklichste Weihnachtsfest, das man sich nur vorstellen kann. Doch wie gut, dass es noch mehr Bewohner des Waldes gibt, so dass am Ende ein beschaulicher Heilig Abend gefeiert werden kann.

Die große Stärke der Grolltroll-Reihe sind zum einen die farbenfrohen Illustrationen und zum anderen die punktgenaue Interpretation der vielen Eskalationen, denen sich die Freunde in ihrem Miteinander stellen müssen. Stephan Pricken ist in der Lage, seinen Figuren aufs eindrücklichste ihre Gefühle in die Gesichter zu malen – ob bei der kleinen Maus oder beim Grolltroll mit der geringen Frustrationstoleranz. Die Besonderheit der großformatigen Aufklappseite zum besinnlichen Happy End ist so herzerwärmend zauberhaft und zugleich detailliert wie ein Wimmelbild. Das Autorenteam trifft auch in diesem Weihnachtsband ein Thema, das den großen wie den kleinen Lesern sehr vertraut ist: Die Vorfreude auf einen besonderen Anlass, die übertrieben glorifiziert Vorstellung vom Ablauf der Feier und vom harten Fall auf den Boden der Realität, wenn einfach nichts so gelingen will, wie man es möchte. Auf der anderen Seite das Zusammenprallen der Charaktere einer Familie oder zusammengewürfelten Gemeinschaft von Individualisten, bei denen jeder seine eigene Vorstellung davon hat, was schön und gut ist. Selten wird in der Kinderbuchliteratur so deutlich wie in der Grolltroll-Reihe gezeigt, was in der Realität so alles schief gehen kann. Es wird nicht romantisiert, sondern Konflikte werden gezeigt, der Ärger aufeinander und das berechtigte oder unberechtigte Beleidigtsein, Wütendsein oder Enttäuschtsein. Am Ende wird aber ein Weg aufgezeigt, der aus all dem Ärger hinaus führt. Die Freunde finden wieder zueinander, gehen aufeinander zu, sind bereit, es ein weiteres Mal miteinander zu versuchen und ernten den Lohn: Ein ganz harmonisches Weihnachtsfest. Die Abstriche, die im Vergleich zur eigentlichen Planung mit Plätzchen und Geschenken gemacht werden müssen, fallen schlussendlich leicht. Denn die wiedergefundene Gemeinschaft ist es, die allen Ärger vergessen lässt. Die tröstliche Moral der Geschichte ist: Am Ende hält echte Freundschaft es eben auch einmal aus, dass solch negative Gefühle aufkommen und ausgelebt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fans der Grolltroll-Reihe nicht enttäuscht werden und manch ein Leser, der den Grolltroll bisher nicht kannte, vielleicht durch diesen Band im Grolltroll einen neuen Freund finden kann.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.09.2021
  • Seitenanzahl: 36
  • Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649637868

Suza Kolb, Emil Einstein: Die streng geheime Tier-Quassel-Maschine

Suza Kolb, Emil Einstein: Die streng geheime Tier-Quassel-Maschine, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Was für ein sympathischer kleiner Held erscheint da neu im Programm vom Coppenrath-Verlag! Emil Einstein, der als Sonntagskind den zweiten Vornamen „Sonntag“ trägt, betritt hier die Bühne in einem wunderbaren Buch, das hoffentlich zu einer Fortsetzungsreihe ausgebaut wird.

Emil ist kein typischer Held, er ist nicht cool, er spielt nicht Fußball und er hat es auch gar nicht so einfach in seinem Leben. Seine Eltern sind Tierärzte und dadurch ständig im Dauereinsatz, um kranken Tieren zu helfen. Er geht in die erste Klasse, wurde aber früher eingeschult, weil er so ein helles Köpfchen ist. Emil hat keine Geschwister und weil in den Sommerferien alle seine Freunde im Urlaub sind, langweilt er sich schrecklich, da seine Eltern die Praxis auch in den Ferien geöffnet haben. Zu seinem Geburtstag ist dann auch gar niemand eingeladen, eine Party findet nicht statt. Er wünscht sich sehnlichst einen Hund, mit dem er spielen kann und der ihn in sein Erfinderlabor begleitet – denn das ist seine große Leidenschaft. Emil erfindet gerne die tollsten Maschinen und erhält Unterstützung durch seine ältere Nachbarin Frau Pfeifendeckel, die als Automechanikerin allerhand von Maschinen und Werkzeugen versteht. Im Gartenhaus der Familie Einstein hat Emil sich ein Labor eingerichtet, in dem auch die kleine Maus Bertha im alten Puppenhaus seiner Oma wohnt, die sogar recht zutraulich ist.

Die Geschichte startet nun an seinem Geburtstagsmorgen mit einer Situation, in die sich jedes Kind schon einmal mit Grausen hineinfantasiert hat: Was wäre, wenn das Geschenk der Eltern absolut nicht das ist, was man sich wünscht? Emil ist entsetzt, als er statt des Hundes nur einen Haufen Bretter auspackt. Frau Pfeifendeckel überredet ihn schließlich, das Geschenk genauer zu besehen, und es stellt sich heraus, dass diese Bretter zu einer Seifenkiste gehören, die Emil dann mit viel Tatkraft und Anleitung durch Frau Pfeifendeckel zusammenbaut. Gemeinsam mit Bertha der Maus und dem Nachbarskater Leonardo unternimmt er dann allerhand Ausfahrten und lernt weitere tierische Freunde kennen. Als waschechter Erfinder gelingt es ihm schließlich, eine Übersetzungsmaschine für Tiersprachen zu erfinden, so dass er sich nicht nur mit Bertha unterhalten kann, sondern mit allerhand Tieren des Waldes. So erfährt er auch von einer großen Sorge der Tiere und schafft es mit viel Mut und mit der Hilfe vieler Tiere, schändlichen Holzdieben das Handwerk zu legen.

Die wunderschön warmherzigen und erfreulich zahlreich vorhandenen Illustrationen helfen den kleinen Lesern tief in die Geschichte einzutauchen. Das Buch ist ganz nah an der Lebenswelt von größeren Kindergartenkindern und Erstlesern, eignet sich aber wunderbar auch zum gemeinsamen Vorlesen. Die Geschichte verbindet mit einer auf dem Buchmarkt selten aufzufindenden Leichtigkeit gleich mehrere pädagogisch wertvolle Ziele in einer spannenden Geschichte: Der Held der Geschichte ist kein klassischer Held, sondern besticht durch Köpfchen, Tierliebe, Entschlossenheit und Mut. Er hält an seinen Vorhaben fest, auch wenn er mal ein paar Tage nachdenken muss, bevor ihm die zündende Idee wie Ameisen in den Locken kribbelt. Emil hält sich an die Verbote seiner Eltern (z.B. den Rasenmähermotor, den Frau Pfeifendeckel in seine Seifenkiste eingebaut hat, nicht zu verwenden, weil seine Eltern das Hantieren mit Benzin zu gefährlich finden), findet aber kreative andere Lösungen, um seine Ziele trotz Verbot umzusetzen (er verwendet einen besonderen Apfelsaft, den Frau Pfeifendeckel braut). Frau Pfeifendeckel ist ein modernes Rollenvorbild und beweist, dass eine ältere Dame als Automechanikerin zudem eine gute Verbündete bei allerhand Abenteuern sein kann. Die Naturwissenschaften, das Tüfteln und den Kopf anstrengen, werden als erfüllende, interessante Tätigkeiten dargestellt, die Neugier auf mehr wecken.

Besonders erwähnenswert ist die letzte Seite, auf der die drei realen Namensgeber der Protagonisten kurz vorgestellt werden: Albert Einstein, Bertha Benz und Leonardo DaVinci. Auf so spielerische Weise Kindern historische Persönlichkeiten näher zu bringen, aber auch deren Themen, kurz zusammengefasst, Kindern bereits in diesem Alter nahe zu bringen, ist ein großer Gewinn dieses Buches und eine Hilfe für die Eltern, die die „Warum“-Phase ihrer Kinder nicht als Belastung sondern als Chance ansehen.

Zusammenfassend daher ein großes Lob an die Autorin und Illustratorin, in der Hoffnung, dass bald der zweite Band um Emil Einstein erscheinen wird.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.06.2021
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649634713