Suza Kolb, Emil Einstein: Die streng geheime Tier-Quassel-Maschine, Coppenrath Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Was für ein
sympathischer kleiner Held erscheint da neu im Programm vom Coppenrath-Verlag!
Emil Einstein, der als Sonntagskind den zweiten Vornamen „Sonntag“ trägt,
betritt hier die Bühne in einem wunderbaren Buch, das hoffentlich zu einer
Fortsetzungsreihe ausgebaut wird.
Emil ist kein
typischer Held, er ist nicht cool, er spielt nicht Fußball und er hat es auch
gar nicht so einfach in seinem Leben. Seine Eltern sind Tierärzte und dadurch
ständig im Dauereinsatz, um kranken Tieren zu helfen. Er geht in die erste
Klasse, wurde aber früher eingeschult, weil er so ein helles Köpfchen ist. Emil
hat keine Geschwister und weil in den Sommerferien alle seine Freunde im Urlaub
sind, langweilt er sich schrecklich, da seine Eltern die Praxis auch in den
Ferien geöffnet haben. Zu seinem Geburtstag ist dann auch gar niemand
eingeladen, eine Party findet nicht statt. Er wünscht sich sehnlichst einen
Hund, mit dem er spielen kann und der ihn in sein Erfinderlabor begleitet –
denn das ist seine große Leidenschaft. Emil erfindet gerne die tollsten
Maschinen und erhält Unterstützung durch seine ältere Nachbarin Frau
Pfeifendeckel, die als Automechanikerin allerhand von Maschinen und Werkzeugen
versteht. Im Gartenhaus der Familie Einstein hat Emil sich ein Labor
eingerichtet, in dem auch die kleine Maus Bertha im alten Puppenhaus seiner Oma
wohnt, die sogar recht zutraulich ist.
Die Geschichte
startet nun an seinem Geburtstagsmorgen mit einer Situation, in die sich jedes
Kind schon einmal mit Grausen hineinfantasiert hat: Was wäre, wenn das Geschenk
der Eltern absolut nicht das ist, was man sich wünscht? Emil ist entsetzt, als
er statt des Hundes nur einen Haufen Bretter auspackt. Frau Pfeifendeckel
überredet ihn schließlich, das Geschenk genauer zu besehen, und es stellt sich
heraus, dass diese Bretter zu einer Seifenkiste gehören, die Emil dann mit viel
Tatkraft und Anleitung durch Frau Pfeifendeckel zusammenbaut. Gemeinsam mit
Bertha der Maus und dem Nachbarskater Leonardo unternimmt er dann allerhand
Ausfahrten und lernt weitere tierische Freunde kennen. Als waschechter Erfinder
gelingt es ihm schließlich, eine Übersetzungsmaschine für Tiersprachen zu
erfinden, so dass er sich nicht nur mit Bertha unterhalten kann, sondern mit
allerhand Tieren des Waldes. So erfährt er auch von einer großen Sorge der
Tiere und schafft es mit viel Mut und mit der Hilfe vieler Tiere, schändlichen
Holzdieben das Handwerk zu legen.
Die wunderschön
warmherzigen und erfreulich zahlreich vorhandenen Illustrationen helfen den
kleinen Lesern tief in die Geschichte einzutauchen. Das Buch ist ganz nah an
der Lebenswelt von größeren Kindergartenkindern und Erstlesern, eignet sich
aber wunderbar auch zum gemeinsamen Vorlesen. Die Geschichte verbindet mit
einer auf dem Buchmarkt selten aufzufindenden Leichtigkeit gleich mehrere
pädagogisch wertvolle Ziele in einer spannenden Geschichte: Der Held der
Geschichte ist kein klassischer Held, sondern besticht durch Köpfchen,
Tierliebe, Entschlossenheit und Mut. Er hält an seinen Vorhaben fest, auch wenn
er mal ein paar Tage nachdenken muss, bevor ihm die zündende Idee wie Ameisen
in den Locken kribbelt. Emil hält sich an die Verbote seiner Eltern (z.B. den
Rasenmähermotor, den Frau Pfeifendeckel in seine Seifenkiste eingebaut hat,
nicht zu verwenden, weil seine Eltern das Hantieren mit Benzin zu gefährlich
finden), findet aber kreative andere Lösungen, um seine Ziele trotz Verbot
umzusetzen (er verwendet einen besonderen Apfelsaft, den Frau Pfeifendeckel
braut). Frau Pfeifendeckel ist ein modernes Rollenvorbild und beweist, dass
eine ältere Dame als Automechanikerin zudem eine gute Verbündete bei allerhand
Abenteuern sein kann. Die Naturwissenschaften, das Tüfteln und den Kopf
anstrengen, werden als erfüllende, interessante Tätigkeiten dargestellt, die
Neugier auf mehr wecken.
Besonders
erwähnenswert ist die letzte Seite, auf der die drei realen Namensgeber der
Protagonisten kurz vorgestellt werden: Albert Einstein, Bertha Benz und
Leonardo DaVinci. Auf so spielerische Weise Kindern historische
Persönlichkeiten näher zu bringen, aber auch deren Themen, kurz
zusammengefasst, Kindern bereits in diesem Alter nahe zu bringen, ist ein
großer Gewinn dieses Buches und eine Hilfe für die Eltern, die die
„Warum“-Phase ihrer Kinder nicht als Belastung sondern als Chance ansehen.
Zusammenfassend
daher ein großes Lob an die Autorin und Illustratorin, in der Hoffnung, dass
bald der zweite Band um Emil Einstein erscheinen wird.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 01.06.2021
- Seitenanzahl: 128
- Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3649634713
