Samstag, 12. Juni 2021

Suza Kolb, Emil Einstein: Die streng geheime Tier-Quassel-Maschine

Suza Kolb, Emil Einstein: Die streng geheime Tier-Quassel-Maschine, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Was für ein sympathischer kleiner Held erscheint da neu im Programm vom Coppenrath-Verlag! Emil Einstein, der als Sonntagskind den zweiten Vornamen „Sonntag“ trägt, betritt hier die Bühne in einem wunderbaren Buch, das hoffentlich zu einer Fortsetzungsreihe ausgebaut wird.

Emil ist kein typischer Held, er ist nicht cool, er spielt nicht Fußball und er hat es auch gar nicht so einfach in seinem Leben. Seine Eltern sind Tierärzte und dadurch ständig im Dauereinsatz, um kranken Tieren zu helfen. Er geht in die erste Klasse, wurde aber früher eingeschult, weil er so ein helles Köpfchen ist. Emil hat keine Geschwister und weil in den Sommerferien alle seine Freunde im Urlaub sind, langweilt er sich schrecklich, da seine Eltern die Praxis auch in den Ferien geöffnet haben. Zu seinem Geburtstag ist dann auch gar niemand eingeladen, eine Party findet nicht statt. Er wünscht sich sehnlichst einen Hund, mit dem er spielen kann und der ihn in sein Erfinderlabor begleitet – denn das ist seine große Leidenschaft. Emil erfindet gerne die tollsten Maschinen und erhält Unterstützung durch seine ältere Nachbarin Frau Pfeifendeckel, die als Automechanikerin allerhand von Maschinen und Werkzeugen versteht. Im Gartenhaus der Familie Einstein hat Emil sich ein Labor eingerichtet, in dem auch die kleine Maus Bertha im alten Puppenhaus seiner Oma wohnt, die sogar recht zutraulich ist.

Die Geschichte startet nun an seinem Geburtstagsmorgen mit einer Situation, in die sich jedes Kind schon einmal mit Grausen hineinfantasiert hat: Was wäre, wenn das Geschenk der Eltern absolut nicht das ist, was man sich wünscht? Emil ist entsetzt, als er statt des Hundes nur einen Haufen Bretter auspackt. Frau Pfeifendeckel überredet ihn schließlich, das Geschenk genauer zu besehen, und es stellt sich heraus, dass diese Bretter zu einer Seifenkiste gehören, die Emil dann mit viel Tatkraft und Anleitung durch Frau Pfeifendeckel zusammenbaut. Gemeinsam mit Bertha der Maus und dem Nachbarskater Leonardo unternimmt er dann allerhand Ausfahrten und lernt weitere tierische Freunde kennen. Als waschechter Erfinder gelingt es ihm schließlich, eine Übersetzungsmaschine für Tiersprachen zu erfinden, so dass er sich nicht nur mit Bertha unterhalten kann, sondern mit allerhand Tieren des Waldes. So erfährt er auch von einer großen Sorge der Tiere und schafft es mit viel Mut und mit der Hilfe vieler Tiere, schändlichen Holzdieben das Handwerk zu legen.

Die wunderschön warmherzigen und erfreulich zahlreich vorhandenen Illustrationen helfen den kleinen Lesern tief in die Geschichte einzutauchen. Das Buch ist ganz nah an der Lebenswelt von größeren Kindergartenkindern und Erstlesern, eignet sich aber wunderbar auch zum gemeinsamen Vorlesen. Die Geschichte verbindet mit einer auf dem Buchmarkt selten aufzufindenden Leichtigkeit gleich mehrere pädagogisch wertvolle Ziele in einer spannenden Geschichte: Der Held der Geschichte ist kein klassischer Held, sondern besticht durch Köpfchen, Tierliebe, Entschlossenheit und Mut. Er hält an seinen Vorhaben fest, auch wenn er mal ein paar Tage nachdenken muss, bevor ihm die zündende Idee wie Ameisen in den Locken kribbelt. Emil hält sich an die Verbote seiner Eltern (z.B. den Rasenmähermotor, den Frau Pfeifendeckel in seine Seifenkiste eingebaut hat, nicht zu verwenden, weil seine Eltern das Hantieren mit Benzin zu gefährlich finden), findet aber kreative andere Lösungen, um seine Ziele trotz Verbot umzusetzen (er verwendet einen besonderen Apfelsaft, den Frau Pfeifendeckel braut). Frau Pfeifendeckel ist ein modernes Rollenvorbild und beweist, dass eine ältere Dame als Automechanikerin zudem eine gute Verbündete bei allerhand Abenteuern sein kann. Die Naturwissenschaften, das Tüfteln und den Kopf anstrengen, werden als erfüllende, interessante Tätigkeiten dargestellt, die Neugier auf mehr wecken.

Besonders erwähnenswert ist die letzte Seite, auf der die drei realen Namensgeber der Protagonisten kurz vorgestellt werden: Albert Einstein, Bertha Benz und Leonardo DaVinci. Auf so spielerische Weise Kindern historische Persönlichkeiten näher zu bringen, aber auch deren Themen, kurz zusammengefasst, Kindern bereits in diesem Alter nahe zu bringen, ist ein großer Gewinn dieses Buches und eine Hilfe für die Eltern, die die „Warum“-Phase ihrer Kinder nicht als Belastung sondern als Chance ansehen.

Zusammenfassend daher ein großes Lob an die Autorin und Illustratorin, in der Hoffnung, dass bald der zweite Band um Emil Einstein erscheinen wird.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.06.2021
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649634713