Walko, Rob & Jonny, Coppenrath Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Walko ist als
Autor und Illustrator der Wilder Räuber Donnerpups-Reihe schon eine Berühmtheit
bei jungen Leserinnen und Lesern. Das nun vorgelegte Buch ist deutlich weniger
krawallig, aber von den Illustrationen her wieder sehr gelungen. Protagonisten
sind der Roboter Rob und der Straßenhund Jonny, die sich in London begegnen und
sodann unzertrennliche Freunde werden. Konzipiert ist das Buch für Kinder ab 5
Jahren. Überzeugt hat mich das Buch aber leider nicht.
Zunächst zum
Besten an dem Buch: den Zeichnungen. Schon das Cover bietet ein sympathisches
Bild der beiden Freunde, hat haptische Elemente und macht Laune auf das weitere
Betrachten. Die weiteren Bebilderungen begleiten und verdeutlichen die
Geschichte, gerade um emotionale Aspekte, die insbesondere beim Zuhören wichtig
sind. Zahlreiche liebevolle Details der Stadt, an die das Buch wie eine Hommage
gerichtet ist, sorgen für Wiedererkennungseffekte bei denjenigen vorlesenden
Eltern, die schon einmal in London zu Gast waren.
Nun aber zu den
übrigen Aspekten: Die gewählte Schrift ist nicht optimal für Kinder, die sich
an dem Werk als Erstleser versuchen wollen. Die zahlreich verwendeten
Ausrufezeichen sind als solche kaum erkennbar und sehen dem kleinen „l“ zum
Verwechseln ähnlich. Umlaute lassen sich von normalen Vokalen auch nur schlecht
unterscheiden, was zu großer Irritation bei Leseanfängern führt. Das war keine
Glanzleistung.
Die Geschichte
selbst ist zwar mit den Metathemen „ungewöhnliche Freundschaft“ und „Abenteuer
erleben“ gut besetzt, aber der Verlauf selbst ist platt und selbst
Vorschulkindern werden anderenorts spannendere Plots vorgesetzt. Zudem ist die
Geschichte in sich unlogisch. Der Roboter flieht eingangs vor seinem
Konstrukteur und einer Zukunft als Dienstmaschine (warum eigentlich? hat das
KI-Produkt einen eigenen Willen und Wünsche? erstes verlorenes Themenfeld). Er
begibt sich nach London (warum eigentlich? warum wollte er diese Stadt schon
immer einmal besuchen? warum sollte ein Roboter den „englischen Humor“ und die
„feine englische Art“ mögen? gibt es beides überhaupt noch in diesem
krakeelenden Brexit-Konstrukt? ein weiteres unverständliches Narrativ). In der
Stadt trifft er auf Jonny und befreit ihn aus der Schlinge des Hundefängers (gibt
es so etwas Antiquiertes überhaupt noch? welches Kind kennt dieses
Disney-Klischee des Hundefängers denn noch?), indem er eine nötige Hundemarke
aus seinem integrierten 3D-Drucker hervorpresst (welches Kind in diesem Alter
weiß, was ein 3D-Drucker ist?). Verstehen kann er Jonny, weil er in Windeseile
andere Sprachen adaptieren kann (nette Idee für ein Kinderbuch, aber wenn man
Kindern zumutet, über 3D-Drucker Bescheid zu wissen, dann wissen die auch, dass
das Programmieren einer Tier-„Sprache“ Unsinn ist). Beide werden von der
Realität konfrontiert (Hund hat Hunger, Essen kostet Geld, da hilft offenbar
kein 3D-Drucker) und „arbeiten“, um von den Umstehenden Spenden zu ergattern
(dass sie dabei den anderen Performance-Künstlern mal locker die Lebensgrundlage
entziehen, interessiert nicht). Im Weiteren erkunden sie die Stadt, landen bei
Harrods, gehen in den Park und rudern ein wenig, wobei sich Jonny mit einer
Rettungsaktion revanchieren kann. Zuletzt zeigt Jonny Rob sein Zuhause, nämlich
ein verlassenes Hausboot, das er für sich in Beschlag genommen hat. Rob ist
begeistert (warum eigentlich? warum sollte ein Roboter ein altertümlich
eingerichtetes, heruntergekommenes Hausboot mögen?). Dass der Roboter, der
alles in Nullkommanichts erlernen kann und in vielerlei Hinsicht
überlebenstauglich programmiert ist, zum ersten Mal Trickfilme sehen soll, ist
auch irritierend: sind die nicht in seinem gespeicherten Wissenskosmos, aus dem
er doch so reichlich schöpft, vorhanden? Wie dem auch sei, die beiden
verbringen eine wunderbare Zeit zusammen und wohnen fortan gemeinsam auf dem
Hausboot.
Die Geschichte
ist meiner Ansicht nach unausgewogen für die mögliche Zielgruppe. Für
Vorschulkinder sind Elemente enthalten, die ihren Horizont übersteigen. Für
Grundschulkinder und Erstleser sind neben dem Schriftproblem die Abläufe ein
wenig zu platt. Die Hommage an London wird allenfalls den Erwachsenen ein
Lächeln entlocken, ist aber für Kinder absolut uninteressant. Die
Illustrationen retten das Ganze ein bisschen, aber überzeugt hat mich das Buch
nicht.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 01.01.2022
- Seitenanzahl: 48
- Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-64033-2
Link zum Buch: