Mittwoch, 12. Januar 2022

Walko, Rob & Jonny

Walko, Rob & Jonny, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Walko ist als Autor und Illustrator der Wilder Räuber Donnerpups-Reihe schon eine Berühmtheit bei jungen Leserinnen und Lesern. Das nun vorgelegte Buch ist deutlich weniger krawallig, aber von den Illustrationen her wieder sehr gelungen. Protagonisten sind der Roboter Rob und der Straßenhund Jonny, die sich in London begegnen und sodann unzertrennliche Freunde werden. Konzipiert ist das Buch für Kinder ab 5 Jahren. Überzeugt hat mich das Buch aber leider nicht.

Zunächst zum Besten an dem Buch: den Zeichnungen. Schon das Cover bietet ein sympathisches Bild der beiden Freunde, hat haptische Elemente und macht Laune auf das weitere Betrachten. Die weiteren Bebilderungen begleiten und verdeutlichen die Geschichte, gerade um emotionale Aspekte, die insbesondere beim Zuhören wichtig sind. Zahlreiche liebevolle Details der Stadt, an die das Buch wie eine Hommage gerichtet ist, sorgen für Wiedererkennungseffekte bei denjenigen vorlesenden Eltern, die schon einmal in London zu Gast waren.

Nun aber zu den übrigen Aspekten: Die gewählte Schrift ist nicht optimal für Kinder, die sich an dem Werk als Erstleser versuchen wollen. Die zahlreich verwendeten Ausrufezeichen sind als solche kaum erkennbar und sehen dem kleinen „l“ zum Verwechseln ähnlich. Umlaute lassen sich von normalen Vokalen auch nur schlecht unterscheiden, was zu großer Irritation bei Leseanfängern führt. Das war keine Glanzleistung.

Die Geschichte selbst ist zwar mit den Metathemen „ungewöhnliche Freundschaft“ und „Abenteuer erleben“ gut besetzt, aber der Verlauf selbst ist platt und selbst Vorschulkindern werden anderenorts spannendere Plots vorgesetzt. Zudem ist die Geschichte in sich unlogisch. Der Roboter flieht eingangs vor seinem Konstrukteur und einer Zukunft als Dienstmaschine (warum eigentlich? hat das KI-Produkt einen eigenen Willen und Wünsche? erstes verlorenes Themenfeld). Er begibt sich nach London (warum eigentlich? warum wollte er diese Stadt schon immer einmal besuchen? warum sollte ein Roboter den „englischen Humor“ und die „feine englische Art“ mögen? gibt es beides überhaupt noch in diesem krakeelenden Brexit-Konstrukt? ein weiteres unverständliches Narrativ). In der Stadt trifft er auf Jonny und befreit ihn aus der Schlinge des Hundefängers (gibt es so etwas Antiquiertes überhaupt noch? welches Kind kennt dieses Disney-Klischee des Hundefängers denn noch?), indem er eine nötige Hundemarke aus seinem integrierten 3D-Drucker hervorpresst (welches Kind in diesem Alter weiß, was ein 3D-Drucker ist?). Verstehen kann er Jonny, weil er in Windeseile andere Sprachen adaptieren kann (nette Idee für ein Kinderbuch, aber wenn man Kindern zumutet, über 3D-Drucker Bescheid zu wissen, dann wissen die auch, dass das Programmieren einer Tier-„Sprache“ Unsinn ist). Beide werden von der Realität konfrontiert (Hund hat Hunger, Essen kostet Geld, da hilft offenbar kein 3D-Drucker) und „arbeiten“, um von den Umstehenden Spenden zu ergattern (dass sie dabei den anderen Performance-Künstlern mal locker die Lebensgrundlage entziehen, interessiert nicht). Im Weiteren erkunden sie die Stadt, landen bei Harrods, gehen in den Park und rudern ein wenig, wobei sich Jonny mit einer Rettungsaktion revanchieren kann. Zuletzt zeigt Jonny Rob sein Zuhause, nämlich ein verlassenes Hausboot, das er für sich in Beschlag genommen hat. Rob ist begeistert (warum eigentlich? warum sollte ein Roboter ein altertümlich eingerichtetes, heruntergekommenes Hausboot mögen?). Dass der Roboter, der alles in Nullkommanichts erlernen kann und in vielerlei Hinsicht überlebenstauglich programmiert ist, zum ersten Mal Trickfilme sehen soll, ist auch irritierend: sind die nicht in seinem gespeicherten Wissenskosmos, aus dem er doch so reichlich schöpft, vorhanden? Wie dem auch sei, die beiden verbringen eine wunderbare Zeit zusammen und wohnen fortan gemeinsam auf dem Hausboot.

Die Geschichte ist meiner Ansicht nach unausgewogen für die mögliche Zielgruppe. Für Vorschulkinder sind Elemente enthalten, die ihren Horizont übersteigen. Für Grundschulkinder und Erstleser sind neben dem Schriftproblem die Abläufe ein wenig zu platt. Die Hommage an London wird allenfalls den Erwachsenen ein Lächeln entlocken, ist aber für Kinder absolut uninteressant. Die Illustrationen retten das Ganze ein bisschen, aber überzeugt hat mich das Buch nicht.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.01.2022
  • Seitenanzahl: 48
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-64033-2

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/rob-jonny-bd.1/64033