aprilkind / Barbara van den Speulhof / Stephan Pricken, Der Grolltroll ... ist eifersüchtig! (Bd. 5), Coppenrath Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
„Gleich hinter
dem Wald, erst ein paar Schritte geradeaus, dann einmal linksrum und zweimal
rechtsrum, wohnt ein kleiner Troll.“ Der geniale Einstiegssatz der
Grolltroll-Serie vermittelt den kleinen Hörern sofort einen
Wiedererkennungseffekt, ein Gefühl, alte Bekannte zu treffen und es sich
gemütlich machen zu können. Da ist er wieder, der beliebte kleine blaue
Grolltroll, der so wunderbar kindliche Gefühle zum Ausdruck bringen kann und
ungehindert auslebt. In diesem fünften Band geht es nun um Eifersucht – einem
allzu bekannten Begleiter kleiner und großer Menschen. Nachdem in den
vorherigen Bänden die Gefühle von Wut im Allgemeinen, der Versuch, Wut zu
unterdrücken, dann der Ehrgeiz, unbedingt zu gewinnen und zuletzt die
Enttäuschung bei zu hohen Erwartungen behandelt wurden, widmet sich der fünfte
Band nun dem Gefühl der Eifersucht und des Ausgegrenztseins in einer
Freundesgruppe.
Auch diesmal hat
der Grolltroll große Pläne: Es ist zwar wunderschön in seinem Häuschen hinter
dem Wald und er hat auch viel Spaß mit seinen Freunden, dem Hasen, dem Igel,
der Maus und dem Vogel. Aber etwas fehlt – na klar, ein Pool! Wie immer, bei
unserem kleinen unersättlichen Monster, kann es nicht irgendein Pool sein.
Nein, es muss ein riesig großer, runder, mit Wellen, Sprungturm und Rutsche
sein! Schnell sind die Freunde Feuer und Flamme und machen sich an die Arbeit.
Doch, wer kennt es nicht? Das, was man sich so einfach und in den schönsten
Farben ausmalt, ist in Realität ziemlich schwer umzusetzen. Es will nicht
klappen, der Pool nimmt keine Form an, es bleibt bei einem Bretterhaufen. Da
taucht ein unerwarteter Helfer auf, der sich hervorragend aufs Pool-Bauen
versteht. Hase, Igel, Maus und Vogel hängen dem erfolgreichen Baumeister sofort
an den Lippen – während der Grolltroll sich zurückgesetzt fühlt. War er bisher
derjenige mit den spannenden Ideen und Projekten, gibt es nun jemanden, der
diese schon längst umgesetzt und gebaut hat. Da kann er nicht mithalten. Seine
Freunde finden den Neuen ganz großartig und sind von allem begeistert,
wohingegen der Grolltroll nicht dazu übergehen kann, den Neuen zu akzeptieren
und Tipps und Ratschläge anzunehmen, sondern nur die Konkurrenz zu seiner
Position sieht. Auch das Angebot des Neuen ihn einzubinden kann der Grolltroll
nicht annehmen, er steht sich selbst mit seiner Eifersucht im Weg. Es sind
nicht die anderen, die ihn ausgrenzen, sondern er selbst grenzt sich mit seinem
ablehnenden Verhalten aus. Schlussendlich gefährdet er sogar seine Freunde
durch ein nicht mehr zu unterdrückendes Wutgewitter. Zum Glück kommt ihm eine
zündende Idee, wie er die Katastrophe abwenden kann, und die Freunde finden
darüber wieder zueinander. Ende gut, alles gut!
Auch in diesem
fünften Band kommt das Erzählerteam ohne erhobenen Zeigefinger aus, ohne mahnende
Erwachsenenregeln, dass man sich so aber nicht benimmt oder man schon sieht,
was man davon hat, wenn man seiner Wut einfach freie Bahn lässt. Der Grolltroll
kann seine Gefühle auf eine Art ausleben, wie man es sich selbst gerne wünschte
und zugleich bleibt er liebenswert, auch mit seinen Fehlern. Das ist eine
wunderbar sanfte Methode, Kindern ihre Gefühle zu veranschaulichen, die sie
teilweise einfach überwältigen und noch keinen Namen haben, geschweige denn
planmäßig gesteuert werden können.
Ganz besonders
hervorzuheben sind bei dieser Kinderbuchreihe die Illustrationen: Selten findet
man ein Kinderbuch, das derart detailreich, liebevoll und künstlerisch einmalig
gestaltet ist. Man merkt den Bildern an, dass die Kinder ernst genommen werden
und dass ihnen zugetraut wird, auch kleine Details zu entdecken und feine
Ironie und witzige Situationen erkennen zu können. Die kräftigen Farben, die
unnachahmlichen Gesichtsausdrücke und die Detailfülle, erfüllen die Geschichte
mit Leben und lassen einem alle Protagonisten ans Herz wachsen. Die
Illustrationen sind der Schlüssel zum Erfolg dieser preiswürdigen Buchreihe.
Ab dem kleinsten
Vorlesealter von 3 Jahren bis ins höhere Grundschulalter ist der Grolltroll ein
liebenswerter Begleiter und sollte in keiner Kinderbibliothek fehlen.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 02.11.2022
- Seitenanzahl: 36
- Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3649641568
