Dienstag, 8. November 2022

aprilkind / Barbara van den Speulhof / Stephan Pricken, Der Grolltroll ... ist eifersüchtig!

aprilkind / Barbara van den Speulhof / Stephan Pricken, Der Grolltroll ... ist eifersüchtig! (Bd. 5), Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

„Gleich hinter dem Wald, erst ein paar Schritte geradeaus, dann einmal linksrum und zweimal rechtsrum, wohnt ein kleiner Troll.“ Der geniale Einstiegssatz der Grolltroll-Serie vermittelt den kleinen Hörern sofort einen Wiedererkennungseffekt, ein Gefühl, alte Bekannte zu treffen und es sich gemütlich machen zu können. Da ist er wieder, der beliebte kleine blaue Grolltroll, der so wunderbar kindliche Gefühle zum Ausdruck bringen kann und ungehindert auslebt. In diesem fünften Band geht es nun um Eifersucht – einem allzu bekannten Begleiter kleiner und großer Menschen. Nachdem in den vorherigen Bänden die Gefühle von Wut im Allgemeinen, der Versuch, Wut zu unterdrücken, dann der Ehrgeiz, unbedingt zu gewinnen und zuletzt die Enttäuschung bei zu hohen Erwartungen behandelt wurden, widmet sich der fünfte Band nun dem Gefühl der Eifersucht und des Ausgegrenztseins in einer Freundesgruppe.

Auch diesmal hat der Grolltroll große Pläne: Es ist zwar wunderschön in seinem Häuschen hinter dem Wald und er hat auch viel Spaß mit seinen Freunden, dem Hasen, dem Igel, der Maus und dem Vogel. Aber etwas fehlt – na klar, ein Pool! Wie immer, bei unserem kleinen unersättlichen Monster, kann es nicht irgendein Pool sein. Nein, es muss ein riesig großer, runder, mit Wellen, Sprungturm und Rutsche sein! Schnell sind die Freunde Feuer und Flamme und machen sich an die Arbeit. Doch, wer kennt es nicht? Das, was man sich so einfach und in den schönsten Farben ausmalt, ist in Realität ziemlich schwer umzusetzen. Es will nicht klappen, der Pool nimmt keine Form an, es bleibt bei einem Bretterhaufen. Da taucht ein unerwarteter Helfer auf, der sich hervorragend aufs Pool-Bauen versteht. Hase, Igel, Maus und Vogel hängen dem erfolgreichen Baumeister sofort an den Lippen – während der Grolltroll sich zurückgesetzt fühlt. War er bisher derjenige mit den spannenden Ideen und Projekten, gibt es nun jemanden, der diese schon längst umgesetzt und gebaut hat. Da kann er nicht mithalten. Seine Freunde finden den Neuen ganz großartig und sind von allem begeistert, wohingegen der Grolltroll nicht dazu übergehen kann, den Neuen zu akzeptieren und Tipps und Ratschläge anzunehmen, sondern nur die Konkurrenz zu seiner Position sieht. Auch das Angebot des Neuen ihn einzubinden kann der Grolltroll nicht annehmen, er steht sich selbst mit seiner Eifersucht im Weg. Es sind nicht die anderen, die ihn ausgrenzen, sondern er selbst grenzt sich mit seinem ablehnenden Verhalten aus. Schlussendlich gefährdet er sogar seine Freunde durch ein nicht mehr zu unterdrückendes Wutgewitter. Zum Glück kommt ihm eine zündende Idee, wie er die Katastrophe abwenden kann, und die Freunde finden darüber wieder zueinander. Ende gut, alles gut!

Auch in diesem fünften Band kommt das Erzählerteam ohne erhobenen Zeigefinger aus, ohne mahnende Erwachsenenregeln, dass man sich so aber nicht benimmt oder man schon sieht, was man davon hat, wenn man seiner Wut einfach freie Bahn lässt. Der Grolltroll kann seine Gefühle auf eine Art ausleben, wie man es sich selbst gerne wünschte und zugleich bleibt er liebenswert, auch mit seinen Fehlern. Das ist eine wunderbar sanfte Methode, Kindern ihre Gefühle zu veranschaulichen, die sie teilweise einfach überwältigen und noch keinen Namen haben, geschweige denn planmäßig gesteuert werden können.

Ganz besonders hervorzuheben sind bei dieser Kinderbuchreihe die Illustrationen: Selten findet man ein Kinderbuch, das derart detailreich, liebevoll und künstlerisch einmalig gestaltet ist. Man merkt den Bildern an, dass die Kinder ernst genommen werden und dass ihnen zugetraut wird, auch kleine Details zu entdecken und feine Ironie und witzige Situationen erkennen zu können. Die kräftigen Farben, die unnachahmlichen Gesichtsausdrücke und die Detailfülle, erfüllen die Geschichte mit Leben und lassen einem alle Protagonisten ans Herz wachsen. Die Illustrationen sind der Schlüssel zum Erfolg dieser preiswürdigen Buchreihe.

Ab dem kleinsten Vorlesealter von 3 Jahren bis ins höhere Grundschulalter ist der Grolltroll ein liebenswerter Begleiter und sollte in keiner Kinderbibliothek fehlen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 02.11.2022
  • Seitenanzahl: 36
  • Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649641568