Sonntag, 22. Januar 2023

Suza Kolb (Autorin) / Anja Grote (Illustratorin), Emil Einstein (Bd. 3) - Das fabelhafte Schatzfinde-Gerät

Suza Kolb (Autorin) / Anja Grote (Illustratorin), Emil Einstein (Bd. 3) - Das fabelhafte Schatzfinde-Gerät, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der dritte Band der freundlichen neuen Reihe rund um den blond gelockten Emil von Suza Kolb ist nun erschienen und knüpft fachmännisch an den Erzählstil der beiden Vorgängerbücher an. Routiniert führt die Autorin in die Geschichte ein, Emil und seine drei tierischen Freunde kommen zielstrebig in ihrem neuen Abenteuer an.

Erfreulicherweise sind in dieser Folge die Eltern und Erwachsene generell nicht gänzlich unnütz oder störend, was in den beiden Vorgängerbänden immer etwas sehr strapaziert wurde. Diesmal macht Emil mit seinem Vater und mit seinen beiden Schulfreunden einen Wochenendausflug an den nahegelegenen See. Sie radeln dorthin, übernachten im Zelt und natürlich sind auch Leonardo der Kater, Berta die Maus und Kauzi der Waldkauz mit von der Partie. Die Kinder bekommen recht bald eine Geschichte von einem versunkenen Schatz erzählt, der sie auf den Grund gehen wollen. Als sie dann zwei Teenager bemerken, die am Seeufer herumstreunen und später auch etwas Mysteriöses im See versenken, erwacht ihr Detektivinstinkt. Leider fällt Emil so schnell nichts ein, wie sie die Suche nach dem versunkenen Schatz und dem Riesenfisch, der ihn hüten soll, über Wasser durchführen können. Erschwerend kommt hinzu, dass Emil seine großartigste Erfindung vor seinen Freunden und den Erwachsenen geheim halten muss: Die Tier-Übersetzungs-Maschine, kurz TÜM, soll sein Geheimnis bleiben. Durch allerlei Verquickungen kommen seine Freunde aber hinter sein Geheimnis, doch halten sie zusammen und verraten sein Geheimnis nicht weiter. Als Emil endlich eine Lösung einfällt, ist die Konstruktion allerdings ziemlich riskant und er bringt seine Freundin Berta die Maus ziemlich in Gefahr, als er sie mit einem selbstgebauten Flugzeug über den See fliegen lässt. Zum Glück geht alles gut aus und die zweite Version der Konstruktion gelingt bedeutend besser. Am Ende lüftet sich das Geheimnis, Emil und seine Freunde verhelfen dem See zu einem nachhaltigen Schutz und Emil macht sogar noch eine ganz geheime und atemberaubende Entdeckung.

Emil mit den blonden Locken und der Brille ist ein sympathischer Held. Seine Schulfreunde halten treu zu ihm, warten auf seine genialen Erfindungen und gehen ihm brav zur Hand. Ihre Charaktere bleiben etwas blass in dem Erzählstrang bisher, sie sind treue Mitläufer und Emil definitiv der Kopf der Truppe. Es ist aber auch für das angedachte Lesealter schön, von solch unkomplizierten Freundschaften zu lesen – in der Realität sieht das ja üblicherweise anders aus. Dass Emil diesmal von dem kleinsten Mitglied der Gruppe, von Berta der Maus, am meisten abverlangt und auch Kauzi ziemlich viel erdulden muss, ist ein wenig schade: Bisher hat Emil mehr auf die Sicherheit seiner tierischen Freunde geachtet und diesmal bringen sie sich Emil zu Liebe ziemlich in Gefahr und müssen sich sehr überwinden. Natürlich geht alles gut aus, aber es wäre schön, wenn Emil wieder etwas mehr Rücksicht nehmen würde und eher sich selbst oder seinen menschlichen Freunden etwas abverlangen würde als den Tieren.

Die Illustrationen sind wieder sehr gelungen und liebevoll gemalt, so dass sowohl Erstleser ausreichend Lockerung zwischen den Kapiteln finden, als auch beim Vorlesen genug Bilder vorhanden sind, um sich in die Geschichte einzudenken.

Insgesamt eine klare Kaufempfehlung für diese gelungene Fortsetzung der sympathischen Reihe über einen kleinen Helden, der vor allem durch sein kluges Köpfchen besticht.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 09.01.2023
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-64101-8

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/emil-einstein-bd.-3/64101

Sonntag, 15. Januar 2023

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Bravo, Bravissimo!

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Bravo, Bravissimo!, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Die Schule der magischen Tiere geht in die nächste Runde und im neuen Band 13 (der regulären Reihe, daneben gibt es ja noch die „Endlich Ferien!“-Bände) ist es der neue Mitschüler Oliver, der näher beleuchtet wird und ein magisches Tier in Empfang nehmen darf. Um es vorwegzunehmen: ich (und auch die jungen Testleser) bin zum ersten Mal von einem Buch der Reihe richtig enttäuscht und das in mehrfacher Hinsicht.

Die gesamte Klasse möchte gerne auf ein Konzert einer beliebten Band gehen, doch die Tickets sind – wie zu erwarten – teuer und deshalb nicht für alle erschwinglich. Die Kinder fahren deshalb zweigleisig und möchten sowohl am Elternsprechtag Waffeln backen und alten Plunder an einem Flohmarktstand verkaufen (immerhin hier die wahre Erkenntnis: das bringt weder in der idealen Wintersteinschulen-Welt noch in realiter Geld ein…) als auch an einem Nachahmungs-Wettbewerb teilnehmen, der eine Woche vor dem Konzert ausgeschrieben wurde: Zehn Schulklassen dürfen sich mit ihrer Performance eines Liedes der Band profilieren und der Gewinner darf dann in Klassenstärke das Konzert besuchen. Also nehmen sich die Kinder vor, an diesem Wettbewerb teilzunehmen und ab da beginnen die Klischees nur so auf die kleinen Leserinnen und Leser herabzuregnen. Natürlich muss sich Helene wieder in den Vordergrund drängen (der gebietet auch nach 12 Bänden niemand Einhalt und sie hat immer noch nichts dazugelernt?). Natürlich wird erst der tolle gutaussehende Junge (Jo) als zweiter Sänger in den Vordergrund geschoben, obwohl es weitaus bessere Sänger gibt (Oliver), was allen aus dem Band „Wilder, wilder Wald“ auch bekannt ist (war da nicht mal was mit toller Klassengemeinschaft?). Und natürlich wird trotz engen Zeitraums und begrenzter Möglichkeiten alles Erdenkliche aus dem Boden gestampft. Und das ist hochgradig unrealistisch – wenn man diese Kategorie überhaupt in einem Buch über magische Tiere anwenden darf: Die ansonsten antiquiert wirkende Winterstein-Schule hat auf einmal frei verfügbares Licht- und Ton-Equipment, die Kinder basteln (in Windeseile und aus welchem Material?) Bühnenbilder, Max komponiert (!) den umgeschriebenen Song, es gibt Chor und Tänzer etc.

Es sind Grundschulkinder! Woher sollen die all diese Fähigkeiten auf einmal haben? Nur aus dem Vertrauen in sich selbst und einer gütig lächelnden und Tee servierenden Ms. Cornfield? Das ist unglaubwürdig. Hinzu kommt der Umstand, dass all dieser Aufwand geradezu danach schreit: „Verfilmt das in der unsäglichen deutschen Kinderfilm-Art alles mit Musical-Elementen zu versauen!“. Einfach nur schade.

Dazu kommt, dass die nebenbei als Aufhänger für den bedauernswerten Oliver ersonnene Geschichte rund um seine ins Altenheim abgeschobene demente Oma völlig überfrachtet ist. Ein Grundschulkind kümmert sich anstelle seiner verantwortungslosen überarbeiteten Eltern um die verwirrte Oma? Fährt bei Tag und Nacht und zu jedem Wetter mit seinem Rad durch die Stadt, vernachlässigt seine Schulaufgaben, muss seinen Vater daran erinnern, dass er ihn mit Lebensmitteln versorgen sollte und bekommt keinerlei Unterstützung? Das ist so überzeichnet, dass auch das einfach nur unglaubwürdig ist. Da boten die früheren Bände deutlich leichtere Kost, indem kindgerechte Situationen präsentiert und mit nachvollziehbaren Mitteln und Methoden aufgelöst wurden.

Darüber hinaus sind es inzwischen einfach zu viele Charaktere, die zwanghaft im Text untergebracht werden müssen, ohne dass es der Geschichte mehr an Tiefe oder gar schönem Witz bescheren würde. Das erinnert manchmal an den „Hobbit“, wo es nach einer Weile nur noch nervt, dass immer alle 12 Zwerge nacheinander aufgezählt werden. Hier verkommen die einzelnen Tiere, die sich in früheren Bänden noch mit liebenswerten Eigenschaften in den Vordergrund und die Herzen der Leserinnen und Leser drängen durften, zu auf Slapstick reduzierten Komparsen.

Schließlich sind auch Brüche zu verzeichnen, die ich in dieser Häufigkeit nicht aus früheren Bänden kenne, etwa wenn gleich an mehreren Stellen doch andere Personen das hören zu können scheinen, was ein nicht zu ihnen gehörendes magisches Tier gerade spricht. Hinzu passt es wiederum nicht zu einer Grundschule, wenn Oliver ernsthaft den Satz des Pythagoras und Dreisatz (klare Gymnasialthemen) lernen soll und das trotz der zeitlich intensiven Vorbereitung auf das Konzert. Denn da kennt Ms. Cornfield angeblich keine Gnade. Ach, nun doch nicht? Irritierend.

Fans der Reihe werden das Buch wohl trotzdem mögen. Zwar gibt es eine Art Cliffhanger, dass drei Kindern der Klasse noch ein magisches Tier fehlt, aber auch das kann es nicht mehr herausreißen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 22.10.2022
  • Seitenanzahl: 272
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65363-5

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/die-schule-der-magischen-tiere-13-bravo-bravissimo/978-3-551-65363-5