Sonntag, 15. Januar 2023

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Bravo, Bravissimo!

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Bravo, Bravissimo!, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Die Schule der magischen Tiere geht in die nächste Runde und im neuen Band 13 (der regulären Reihe, daneben gibt es ja noch die „Endlich Ferien!“-Bände) ist es der neue Mitschüler Oliver, der näher beleuchtet wird und ein magisches Tier in Empfang nehmen darf. Um es vorwegzunehmen: ich (und auch die jungen Testleser) bin zum ersten Mal von einem Buch der Reihe richtig enttäuscht und das in mehrfacher Hinsicht.

Die gesamte Klasse möchte gerne auf ein Konzert einer beliebten Band gehen, doch die Tickets sind – wie zu erwarten – teuer und deshalb nicht für alle erschwinglich. Die Kinder fahren deshalb zweigleisig und möchten sowohl am Elternsprechtag Waffeln backen und alten Plunder an einem Flohmarktstand verkaufen (immerhin hier die wahre Erkenntnis: das bringt weder in der idealen Wintersteinschulen-Welt noch in realiter Geld ein…) als auch an einem Nachahmungs-Wettbewerb teilnehmen, der eine Woche vor dem Konzert ausgeschrieben wurde: Zehn Schulklassen dürfen sich mit ihrer Performance eines Liedes der Band profilieren und der Gewinner darf dann in Klassenstärke das Konzert besuchen. Also nehmen sich die Kinder vor, an diesem Wettbewerb teilzunehmen und ab da beginnen die Klischees nur so auf die kleinen Leserinnen und Leser herabzuregnen. Natürlich muss sich Helene wieder in den Vordergrund drängen (der gebietet auch nach 12 Bänden niemand Einhalt und sie hat immer noch nichts dazugelernt?). Natürlich wird erst der tolle gutaussehende Junge (Jo) als zweiter Sänger in den Vordergrund geschoben, obwohl es weitaus bessere Sänger gibt (Oliver), was allen aus dem Band „Wilder, wilder Wald“ auch bekannt ist (war da nicht mal was mit toller Klassengemeinschaft?). Und natürlich wird trotz engen Zeitraums und begrenzter Möglichkeiten alles Erdenkliche aus dem Boden gestampft. Und das ist hochgradig unrealistisch – wenn man diese Kategorie überhaupt in einem Buch über magische Tiere anwenden darf: Die ansonsten antiquiert wirkende Winterstein-Schule hat auf einmal frei verfügbares Licht- und Ton-Equipment, die Kinder basteln (in Windeseile und aus welchem Material?) Bühnenbilder, Max komponiert (!) den umgeschriebenen Song, es gibt Chor und Tänzer etc.

Es sind Grundschulkinder! Woher sollen die all diese Fähigkeiten auf einmal haben? Nur aus dem Vertrauen in sich selbst und einer gütig lächelnden und Tee servierenden Ms. Cornfield? Das ist unglaubwürdig. Hinzu kommt der Umstand, dass all dieser Aufwand geradezu danach schreit: „Verfilmt das in der unsäglichen deutschen Kinderfilm-Art alles mit Musical-Elementen zu versauen!“. Einfach nur schade.

Dazu kommt, dass die nebenbei als Aufhänger für den bedauernswerten Oliver ersonnene Geschichte rund um seine ins Altenheim abgeschobene demente Oma völlig überfrachtet ist. Ein Grundschulkind kümmert sich anstelle seiner verantwortungslosen überarbeiteten Eltern um die verwirrte Oma? Fährt bei Tag und Nacht und zu jedem Wetter mit seinem Rad durch die Stadt, vernachlässigt seine Schulaufgaben, muss seinen Vater daran erinnern, dass er ihn mit Lebensmitteln versorgen sollte und bekommt keinerlei Unterstützung? Das ist so überzeichnet, dass auch das einfach nur unglaubwürdig ist. Da boten die früheren Bände deutlich leichtere Kost, indem kindgerechte Situationen präsentiert und mit nachvollziehbaren Mitteln und Methoden aufgelöst wurden.

Darüber hinaus sind es inzwischen einfach zu viele Charaktere, die zwanghaft im Text untergebracht werden müssen, ohne dass es der Geschichte mehr an Tiefe oder gar schönem Witz bescheren würde. Das erinnert manchmal an den „Hobbit“, wo es nach einer Weile nur noch nervt, dass immer alle 12 Zwerge nacheinander aufgezählt werden. Hier verkommen die einzelnen Tiere, die sich in früheren Bänden noch mit liebenswerten Eigenschaften in den Vordergrund und die Herzen der Leserinnen und Leser drängen durften, zu auf Slapstick reduzierten Komparsen.

Schließlich sind auch Brüche zu verzeichnen, die ich in dieser Häufigkeit nicht aus früheren Bänden kenne, etwa wenn gleich an mehreren Stellen doch andere Personen das hören zu können scheinen, was ein nicht zu ihnen gehörendes magisches Tier gerade spricht. Hinzu passt es wiederum nicht zu einer Grundschule, wenn Oliver ernsthaft den Satz des Pythagoras und Dreisatz (klare Gymnasialthemen) lernen soll und das trotz der zeitlich intensiven Vorbereitung auf das Konzert. Denn da kennt Ms. Cornfield angeblich keine Gnade. Ach, nun doch nicht? Irritierend.

Fans der Reihe werden das Buch wohl trotzdem mögen. Zwar gibt es eine Art Cliffhanger, dass drei Kindern der Klasse noch ein magisches Tier fehlt, aber auch das kann es nicht mehr herausreißen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 22.10.2022
  • Seitenanzahl: 272
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65363-5

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/die-schule-der-magischen-tiere-13-bravo-bravissimo/978-3-551-65363-5