Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Bravo, Bravissimo!, Carlsen Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Die Schule der magischen Tiere geht in die
nächste Runde und im neuen Band 13 (der regulären Reihe, daneben gibt es ja
noch die „Endlich Ferien!“-Bände) ist es der neue Mitschüler Oliver, der näher
beleuchtet wird und ein magisches Tier in Empfang nehmen darf. Um es
vorwegzunehmen: ich (und auch die jungen Testleser) bin zum ersten Mal von
einem Buch der Reihe richtig enttäuscht und das in mehrfacher Hinsicht.
Die gesamte Klasse möchte gerne auf ein
Konzert einer beliebten Band gehen, doch die Tickets sind – wie zu erwarten –
teuer und deshalb nicht für alle erschwinglich. Die Kinder fahren deshalb
zweigleisig und möchten sowohl am Elternsprechtag Waffeln backen und alten
Plunder an einem Flohmarktstand verkaufen (immerhin hier die wahre Erkenntnis:
das bringt weder in der idealen Wintersteinschulen-Welt noch in realiter Geld
ein…) als auch an einem Nachahmungs-Wettbewerb teilnehmen, der eine Woche vor
dem Konzert ausgeschrieben wurde: Zehn Schulklassen dürfen sich mit ihrer
Performance eines Liedes der Band profilieren und der Gewinner darf dann in
Klassenstärke das Konzert besuchen. Also nehmen sich die Kinder vor, an diesem
Wettbewerb teilzunehmen und ab da beginnen die Klischees nur so auf die kleinen
Leserinnen und Leser herabzuregnen. Natürlich muss sich Helene wieder in den
Vordergrund drängen (der gebietet auch nach 12 Bänden niemand Einhalt und sie
hat immer noch nichts dazugelernt?). Natürlich wird erst der tolle
gutaussehende Junge (Jo) als zweiter Sänger in den Vordergrund geschoben,
obwohl es weitaus bessere Sänger gibt (Oliver), was allen aus dem Band „Wilder,
wilder Wald“ auch bekannt ist (war da nicht mal was mit toller
Klassengemeinschaft?). Und natürlich wird trotz engen Zeitraums und begrenzter
Möglichkeiten alles Erdenkliche aus dem Boden gestampft. Und das ist hochgradig
unrealistisch – wenn man diese Kategorie überhaupt in einem Buch über magische
Tiere anwenden darf: Die ansonsten antiquiert wirkende Winterstein-Schule hat
auf einmal frei verfügbares Licht- und Ton-Equipment, die Kinder basteln (in
Windeseile und aus welchem Material?) Bühnenbilder, Max komponiert (!) den
umgeschriebenen Song, es gibt Chor und Tänzer etc.
Es sind Grundschulkinder! Woher sollen die
all diese Fähigkeiten auf einmal haben? Nur aus dem Vertrauen in sich selbst
und einer gütig lächelnden und Tee servierenden Ms. Cornfield? Das ist
unglaubwürdig. Hinzu kommt der Umstand, dass all dieser Aufwand geradezu danach
schreit: „Verfilmt das in der unsäglichen deutschen Kinderfilm-Art alles mit
Musical-Elementen zu versauen!“. Einfach nur schade.
Dazu kommt, dass die nebenbei als
Aufhänger für den bedauernswerten Oliver ersonnene Geschichte rund um seine ins
Altenheim abgeschobene demente Oma völlig überfrachtet ist. Ein Grundschulkind
kümmert sich anstelle seiner verantwortungslosen überarbeiteten Eltern um die
verwirrte Oma? Fährt bei Tag und Nacht und zu jedem Wetter mit seinem Rad durch
die Stadt, vernachlässigt seine Schulaufgaben, muss seinen Vater daran
erinnern, dass er ihn mit Lebensmitteln versorgen sollte und bekommt keinerlei
Unterstützung? Das ist so überzeichnet, dass auch das einfach nur unglaubwürdig
ist. Da boten die früheren Bände deutlich leichtere Kost, indem kindgerechte
Situationen präsentiert und mit nachvollziehbaren Mitteln und Methoden
aufgelöst wurden.
Darüber hinaus sind es inzwischen einfach
zu viele Charaktere, die zwanghaft im Text untergebracht werden müssen, ohne
dass es der Geschichte mehr an Tiefe oder gar schönem Witz bescheren würde. Das
erinnert manchmal an den „Hobbit“, wo es nach einer Weile nur noch nervt, dass
immer alle 12 Zwerge nacheinander aufgezählt werden. Hier verkommen die
einzelnen Tiere, die sich in früheren Bänden noch mit liebenswerten
Eigenschaften in den Vordergrund und die Herzen der Leserinnen und Leser drängen
durften, zu auf Slapstick reduzierten Komparsen.
Schließlich sind auch Brüche zu
verzeichnen, die ich in dieser Häufigkeit nicht aus früheren Bänden kenne, etwa
wenn gleich an mehreren Stellen doch andere Personen das hören zu können
scheinen, was ein nicht zu ihnen gehörendes magisches Tier gerade spricht.
Hinzu passt es wiederum nicht zu einer Grundschule, wenn Oliver ernsthaft den
Satz des Pythagoras und Dreisatz (klare Gymnasialthemen) lernen soll und das
trotz der zeitlich intensiven Vorbereitung auf das Konzert. Denn da kennt Ms.
Cornfield angeblich keine Gnade. Ach, nun doch nicht? Irritierend.
Fans der Reihe werden das Buch wohl
trotzdem mögen. Zwar gibt es eine Art Cliffhanger, dass drei Kindern der Klasse
noch ein magisches Tier fehlt, aber auch das kann es nicht mehr herausreißen.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 22.10.2022
- Seitenanzahl: 272
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65363-5
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