Sonntag, 25. Dezember 2022

Michael Bright (Autor) / Jonathan Emmerson (Illustrationen), Oben, unten und lange her

Michael Bright (Autor) / Jonathan Emmerson (Illustrationen), Oben, unten und lange her, Laurence King Verlag


Im selben Jahr wie das englische Original „Above, Below and Long Ago“ erscheint 2022 die deutsche Übersetzung „Oben, unten und lange her“ im Laurence King Verlag. Es befasst die kleinen Leserinnen und Leser mit Tieren, Pflanzen und Fossilien an entlegenen Orten. Diese sind dem Titel gerecht werdend in drei Gruppen unterteilt: im Bereich „oben“ findet man z.B. Erläuterungen und Illustrationen zum Papageitaucher, zur Schneeziege oder zur Rauchschwalbe. In der Kategorie „unten“ kommen dann bspw. der Riesenhai, der Sternnasenmaulwurf oder auch die Wanderratte zur Geltung. Abschließend, in der Rubrik „lange her“, dürfen dann z.B. der Megalodon, der Quastenflosser oder die Tuatara bestaunt werden. Das Buch endet mit einer Übersichtsweltkarte zu einigen der präsentierten Lebewesen, einem Glossar sowie einem Register. Gerade Letzteres zeigt, dass der Ansatz des Buches ernsthaft ist und für eine Wissensanreicherung sorgen, nicht nur die Kombination von Illustration und einigen Informationen erfüllen soll. Dies wird auch durch die Zusammenarbeit mit dem Londoner Naturkundemuseum unterstrichen, was es als Information leider nicht im Buch, sondern nur in den Informationen des Verlages auf der Homepage gibt.

Das Buch richtet sich an Kinder ab 8 Jahren und das dürfte zutreffen. Für jüngere Kinder sind die Informationen zu den Tieren möglicherweise schon zu komplex. Ob man aber ein Buch für Grundschulkinder mit so vielen und großen Illustrationen ausstatten muss wie hier und ob dann nicht ein mehr an Texten, Informationen, Graphiken und Schaubildern (oder QR-Codes!) angebracht gewesen wäre, müssen die Leserinnen und Leser selbst entscheiden. Mir gefällt es jedenfalls in der Form nicht, auch wenn die Illustrationen liebevoll und detailreich sind. Aber es ist eben kein Kinderbilderbuch.

Die Beschreibungen der Tiere sind auf engem Raum und in kurzen Prosatexten zusammengefasst, sodass einerseits ein steter Lesefluss möglich ist, aber zugleich viele Details platziert werden können. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Teilweise lesen sich die Texte reichlich banal (Schneeleopard), an anderer Stelle sehr informativ (Schneeziege; Weißnest-Salangane; unterirdische Orchidee). Die Unterschiede in den Texten sind deswegen bedauerlich, da Kinder nicht auf demselben Niveau abgeholt werden. Bei den simplen Texten reicht gutes Allgemeinverständnis, bei anderen bedarf es eines gewissen Grundwissens, u.a. zu Geographie (z.B. beim Aal und auch bei anderen Tieren). Das hätte vereinheitlicht werden können, um dem naturwissenschaftlichen Ansatz mehr Genüge zu tun. Gut sind die Texte immer dann, wenn solches Grundwissen nicht vorausgesetzt wird, sondern Begriffe erklärt werden (die Maori beim Tuatara).

Ein holpriger Aspekt der Texte ist die Verwendung des Gendersternchens. Wie auch immer man zur Verwendung dieser neuartigen Sprachkonstruktion eingestellt sein mag, ist es bei der Lektüre irritierend und in einem Kinderbuch für Grundschulkinder auch thematisch schwierig. Diesen Aspekt müssen Käufer bei ihrer Entscheidung also ggf. berücksichtigen.

Das Buch ist interessant, aber in sich unausgewogen. Für wissbegierige Kinder ist es zu illustrationsüberlastet, für Kinder, die an die Naturkunde herangeführt werden sollen, sind einzelne Texte zu kompliziert. Insgesamt kein schlechtes Buch, aber keines, das mich vom Hocker reißen würde.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.09.2022
  • Seitenanzahl: 64
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 9783962443290

Link zum Buch:

https://www.laurencekingverlag.de/products/oben-unten-und-lange-her