Sonntag, 18. Juni 2023

Christian Loeffelbein (Autor) / Nikolai Renger (Illustrator), Die Monsterschule (Bd. 2)

Christian Loeffelbein (Autor) / Nikolai Renger (Illustrator), Die Monsterschule (Bd. 2) - Vorsicht, Frau Mistkäfer im Anmarsch!, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der zweite Band der neuen Reihe „Die Monsterschule“ setzt die Geschichte rund um Lukas fort, den normalen Jungen, der die Schule seines Onkels besucht, die sich als Schule für Monster entpuppte. Begleitet von großartigen Illustrationen, die herzerwärmend witzig, knallbunt und kindgerecht sind, entspinnt sich diesmal die Handlung um die Schulbehördenleiterin Frau Mistkäfer, die die Schule am liebsten schließen möchte. Lukas und seine Monster-Freunde unterstützen den Direktor dabei, das Unheil von der Schule abzuwenden.

Im Gegensatz zum ersten Band kommt die Geschichte nicht so gut in Fahrt und verzettelt sich zunächst in Nebenschauplätzen: Neben Frau Mistkäfer gibt es ein mysteriöses Wasserproblem, einen neuen Lehrer mit der verrückten Idee, mit Monstern Fußball zu spielen, und das große Geheimnis, warum Lukas Freundin Nicki eigentlich auf der Monsterschule ist. Die Kapitel stehen teilweise recht zusammenhanglos nebeneinander – jedes für sich immer witzig geschrieben und unterhaltsam, doch trägt nicht jedes gleichermaßen zum Fortschritt der Haupthandlung bei. Warum plötzlich kein Wasser mehr fließt und wie das Problem gelöst wird, erschließt sich den kleinen Leserinnen und Lesern nicht direkt, sorgt aber für einige Lacher, wenn Tongo-Bongo im Himbeerschaum unter der Dusche steht. Seltsam ist auch die Fixierung von Lukas auf Fußballsammelbildchen, die gar keinen Bezug zur Geschichte haben, deren Suche aber immer mal wieder eingeflochten wird. Der Autor ist diesmal nicht stringent bei seinen Hauptpersonen geblieben, dadurch verliert die Geschichte an Kohärenz. Wie immer sind Erwachsene nicht wirklich hilfreich: So stürzt der Gummibärchen liebende Direktor der Schule in Anbetracht all der Gefährdungen seiner Schule in eine Art Depression, was Nicki wissend als „Schwermutsanfall“ erkennt und als Lösung parat hat, Lukas Onkel erstmal in Ruhe zu lassen. Siehe da – kurz danach ist er wieder fröhlich und munter. Kinder von Eltern mit Depressionen würden sich freuen, wenn es so einfach wäre…

Ab Mitte des Buches findet der Autor aber wieder zu seinem leichten Stil und zu seiner eigenen Geschichte zurück: Als endlich alle Nebensächlichkeiten gelöst sind, konzentriert sich der Freundeskreis auf die Bewältigung des Hauptproblems. Wie überzeugt man Frau Mistkäfer davon, dass die Monster-Schule eine ganz normale Schule ist, die nicht geschlossen werden darf? Lukas und seine Freunde entwickeln einen lustigen Plan, bei dessen Ausführung natürlich allerhand schief geht, der am Ende aber gelingt. So retten sie die Schule, die das Zuhause all der liebenswerten Monster ist. Die ausgelassene Party haben sich die Helden am Ende wahrlich verdient! Der Cliffhanger zum nächsten Band verspricht Großes und wilde Abenteuer, auf die man sich freuen kann.

Grundschüler, aber auch jüngere Kinder, denen die Monsterschule vorgelesen wird, werden an diesem Band wieder ihren Spaß haben. Die Helden sind nicht blank poliert, sondern haben ihre Schwächen und Unsicherheiten, halten aber zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Sie akzeptieren sich mit all ihren Fehlern und Seltsamkeiten und sind dadurch besonders liebenswert. Die Testleser freuen sich sehr auf den dritten Band und vor allem auf die wunderbaren Illustrationen, die der Geschichte erst den richtigen Kick geben.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 16.06.2023
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-64055-4

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/die-monsterschule-bd.-2/64055

Sonntag, 11. Juni 2023

Martin Walker, Troubadour

Martin Walker, Troubadour, Der fünfzehnte Fall für Bruno, Chef de police, Diogenes Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der fünfzehnte Fall des beliebten Kleinstadt-Polizisten Bruno aus dem Périgord greift einige Elemente aus früheren Bänden auf, so dass treue Leser auf alte Bekannte und wohlbekannte Abläufe treffen. In Saint Denis bereitet Bruno das jährliche Konzert am Fluss vor, von dem schon in vergangenen Bänden intensiv die Rede war. Auch das Tennisturnier, das parallel ausgetragen wird, kam schon einmal vor. Dies ist ein geschickter Schachzug des Altmeisters Martin Walker, da solche Traditionen den Alltag im kleinen Städtchen viel vertrauter und greifbarer werden lassen. Wie immer fragt man sich, wie ein junger Polizist für all die unterschiedlichen Aufgaben zuständig sein kann und wie viele Stunden sein Tag wohl so hat, dass neben der normalen Büro- und Streifentätigkeit auch die Versorgung von Hund, Pferd, Haus, das Aushelfen bei Freunden und Festen und natürlich die höchstgefährliche Suche nach Terroristen von einem Mann alleine gestemmt werden kann. Aber Bruno ist ein nahbarer Mann, zugleich aber eben ein tauglicher Held.

Diesmal muss Bruno versuchen, einen terroristischen Anschlag zu verhindern. Dabei gerät das verschlafene Städtchen Saint Denis mal wieder ins Visier ganz großer politischer Zusammenhänge: Die Band „Les Troubadours“, die beim Konzert am Fluss auftreten wird, hat einen Welthit gelandet, mit einem Song, der die katalonische Unabhängigkeit unterstützt. Der Songwriter wird nun verfolgt und als die spanische Regierung seinen Song auf den Index setzt und zugleich in einem Unfallwagen die Patrone eines Scharfschützengewehrs gefunden wird, geraten die Dinge außer Kontrolle. Bruno wird mal wieder den ganz oberen Befehlshabern unterstellt und trägt große Verantwortung für viele Spezialeinheiten. Auch Isabelle, die vergangene Liebe von Bruno, ist wieder höchst professionell involviert. Durch Brunos Scharfsinn und Ermittlungstätigkeit keimt bei den Verantwortlichen der Verdacht auf, dass der katalonisch-spanische Konflikt auf französischem Territorium nur inszeniert und befeuert wird – und zwar von russischen Trollen und dem russischen Geheimdienst. Eine höchst aktuelle politische Grundszenerie, die Martin Walker sich da als Thema seines Sommerromans auswählt. Wie immer wäre eine solche Aufgabe aber noch viel zu wenig für Bruno, ein zweiter paralleler Plot sorgt noch für weitere Aufregung: Florence, die Freundin von Bruno und Lehrerin am Gymnasium von Saint Denis, wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihr geschiedener Exmann soll vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden und macht sich auf dem Weg zu ihr, um seine Kinder kennenzulernen. Bruno kann nur knapp einen brutalen tätlichen Angriff gegen Florence abwenden und sie und ihre Kinder in Sicherheit bringen. Auch bei der Hauptgeschichte wird Bruno beinahe angeschossen und schafft es nur knapp in einem fulminanten Showdown, ein Massaker an den Konzertbesuchern mittels eine Bomben-Drohne zu verhindern.

All diese schweißtreibenden Handlungsstränge weiß Martin Walker wie immer gekonnt zueinander zu führen. Es bleibt Raum für ein paar Rezepte, ein paar Wein-Empfehlungen, für Landschaftsbeschreibungen und wie immer für ausschweifende geschichtliche Exkurse. Auch Waffenkunde, Erläuterungen zum französischen Familienrecht oder zu aktuellen politischen Verwicklungen werden vom Autor geschickt in die Geschichte verwoben.

Insgesamt ist dieser Band ein würdiger Nachfolger in dieser Reihe und fügt sich nahtlos in das Bruno-Universum ein. Geneigte Leser wünschen sich weiterhin für Bruno eine feste Beziehung oder einen sonstigen nächsten Schritt in seiner Lebensplanung, aber als Autor ist es natürlich nachvollziehbar, die Handlung so offen wie möglich zu halten. Ein sechzehnter Band wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 26.04.2023
  • Seitenanzahl: 400
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07237-2

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-walker/troubadour-9783257072372.html

Anna Herzog (Autorin) / Mandy Schlundt (Illustratorin), Im Bann der Elemente – Band 1

Anna Herzog (Autorin) / Mandy Schlundt (Illustratorin), Im Bann der Elemente – Band 1, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der erste Satz ist oft entscheidend, ob die Neugier der jungen Leser geweckt wird oder ob sie sich eher langsam in ein Buch eindenken. Noch selten habe ich einen ersten Satz gelesen, der die Neugier besser weckte: „An meinem zehnten Geburtstag verstand ich plötzlich die singende Dusche.“ Ein witziger, griffiger und Interesse weckender erster Satz, der gleich mitten in die Geschichte führt. Denn Jacob versteht die Dusche nicht nur, er macht auch was sie sagt und schleicht sich um Mitternacht aus dem Haus zu einem alten Brunnen im Garten seiner Oma. Vorher hatte er sich noch mit seinen Freunden Taio und Lili verabredet. Leider ist ihm seine nervige kleine Schwester Putte gefolgt (ein etwas seltsamer Name, der auch nicht aufgeklärt wird). Als sie nun zu viert im Garten stehen, steigt ein Mädchen – oder Wesen – aus dem Brunnen und nimmt sie mit in die Unterwelt, wo sie einen Auftrag erledigen sollen. Der Auftrag ist so schlicht wie gefährlich: Sie sollen die Welt retten. Wie genau, das weiß keiner so genau, aber sie stolpern dem Wassermädchen Nereide tapfer unter der Erde hinterher und überwinden schon auf dem Weg zum ersten Ort, an dem sie halbwegs in Sicherheit sind, allerhand Gefahren. Schlussendlich muss sogar Nereide sie verlassen, die vier Helden müssen sich alleine auf den Weg machen und schaffen es am Ende mit Hilfe eines kleinen Irrlichts, einem riesigen Drachen zu entkommen und den großen Auftrag zu erledigen: Sie retten tatsächlich die Welt, besänftigen die Herrscher der Unterwelt und überleben all die Gefahren, so dass sie am Ende wohlbehalten aus dem Brunnen wieder in die Oberwelt klettern können.

Das Buch nimmt sehr schnell rasante Fahrt auf und reißt seine kleinen Leser sofort mit. Die Helden bringen unterschiedliche Charakterzüge mit, so dass für jede Leserin und jeden Leser eine Identifikationsfigur dabei ist. Allerdings wird zu Beginn wenig erklärt: Nicht nur die Hauptfiguren, auch die Leser tappen im Dunkeln, worum es in dieser Geschichte eigentlich gehen soll. Das ist bisweilen etwas mühsam, weil man sich fragt, warum genau vier Kinder einfach nachts in einen Brunnen steigen, nur weil ein nasses, unfreundliches Mädchen ihnen das sagt. Luft holen können die Helden jedenfalls kaum, die Story ist derart dicht und voller Gefahren, dass beim Vorlesen oder Selbstlesen sicherlich keinerlei Langeweile aufkommt.

Das Buch richtet sich an Schüler der letzten Grundschuljahre oder ersten Jahre der fortführenden Schulen, daher ist die Sprache des Buches auch recht flapsig: „Seit ich ein kleiner Furz war, (…)“, „he, war das ein „funky chicken“?“, dadurch aber auch flüssig wie gesprochene Jugendsprache. Daher ist das Buch durchaus auch als Vorlesewerk für jüngere Kinder geeignet, die sich gerne mal ein bisschen gruseln, wenn wütende Drachen oder riesige Oktopusse hinter den Helden her sind.

Die teilweise ganzseitigen Illustrationen sind etwas dunkel im Druckbild, aber sie bilden die Geschehnisse wunderschön und sehr gruselig ab. Ab und zu sind in Vignetten drei Comic-Strips abgebildet, die die Geschichte besonders eindringlich hervorheben.

Der Cliffhanger am Ende des Buches leitet gekonnt zum hoffentlich bald erscheinenden zweiten Band über. Aus der Geschichte wird auch klar, dass die Freunde sicherlich in der Lage sind, noch weitere Abenteuer zu überstehen – denn, dass sie große Werte wie Freundschaft, Zusammengehörigkeit, Mut und Fürsorge verinnerlicht haben, transportiert der Plot sehr schön. Daher gibt es insgesamt eine absolute Kaufempfehlung für ein durchaus gruseliges, aufregendes, dadurch aber sehr packendes und stellenweise absolut lustiges Buch.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.06.2023
  • Seitenanzahl: 224
  • Altersempfehlung: Ab 9 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-64211-4

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/im-bann-der-elemente-bd.-1/64211