Martin Walker, Troubadour, Der fünfzehnte Fall für Bruno, Chef de police, Diogenes Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Der fünfzehnte Fall des beliebten
Kleinstadt-Polizisten Bruno aus dem Périgord greift einige Elemente aus
früheren Bänden auf, so dass treue Leser auf alte Bekannte und wohlbekannte
Abläufe treffen. In Saint Denis bereitet Bruno das jährliche Konzert am Fluss
vor, von dem schon in vergangenen Bänden intensiv die Rede war. Auch das
Tennisturnier, das parallel ausgetragen wird, kam schon einmal vor. Dies ist
ein geschickter Schachzug des Altmeisters Martin Walker, da solche Traditionen
den Alltag im kleinen Städtchen viel vertrauter und greifbarer werden lassen.
Wie immer fragt man sich, wie ein junger Polizist für all die unterschiedlichen
Aufgaben zuständig sein kann und wie viele Stunden sein Tag wohl so hat, dass
neben der normalen Büro- und Streifentätigkeit auch die Versorgung von Hund,
Pferd, Haus, das Aushelfen bei Freunden und Festen und natürlich die
höchstgefährliche Suche nach Terroristen von einem Mann alleine gestemmt werden
kann. Aber Bruno ist ein nahbarer Mann, zugleich aber eben ein tauglicher Held.
Diesmal muss Bruno versuchen, einen
terroristischen Anschlag zu verhindern. Dabei gerät das verschlafene Städtchen
Saint Denis mal wieder ins Visier ganz großer politischer Zusammenhänge: Die
Band „Les Troubadours“, die beim Konzert am Fluss auftreten wird, hat einen
Welthit gelandet, mit einem Song, der die katalonische Unabhängigkeit
unterstützt. Der Songwriter wird nun verfolgt und als die spanische Regierung
seinen Song auf den Index setzt und zugleich in einem Unfallwagen die Patrone
eines Scharfschützengewehrs gefunden wird, geraten die Dinge außer Kontrolle.
Bruno wird mal wieder den ganz oberen Befehlshabern unterstellt und trägt große
Verantwortung für viele Spezialeinheiten. Auch Isabelle, die vergangene Liebe
von Bruno, ist wieder höchst professionell involviert. Durch Brunos Scharfsinn
und Ermittlungstätigkeit keimt bei den Verantwortlichen der Verdacht auf, dass
der katalonisch-spanische Konflikt auf französischem Territorium nur inszeniert
und befeuert wird – und zwar von russischen Trollen und dem russischen
Geheimdienst. Eine höchst aktuelle politische Grundszenerie, die Martin Walker
sich da als Thema seines Sommerromans auswählt. Wie immer wäre eine solche
Aufgabe aber noch viel zu wenig für Bruno, ein zweiter paralleler Plot sorgt
noch für weitere Aufregung: Florence, die Freundin von Bruno und Lehrerin am
Gymnasium von Saint Denis, wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihr
geschiedener Exmann soll vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden und macht
sich auf dem Weg zu ihr, um seine Kinder kennenzulernen. Bruno kann nur knapp
einen brutalen tätlichen Angriff gegen Florence abwenden und sie und ihre
Kinder in Sicherheit bringen. Auch bei der Hauptgeschichte wird Bruno beinahe
angeschossen und schafft es nur knapp in einem fulminanten Showdown, ein
Massaker an den Konzertbesuchern mittels eine Bomben-Drohne zu verhindern.
All diese schweißtreibenden
Handlungsstränge weiß Martin Walker wie immer gekonnt zueinander zu führen. Es
bleibt Raum für ein paar Rezepte, ein paar Wein-Empfehlungen, für
Landschaftsbeschreibungen und wie immer für ausschweifende geschichtliche
Exkurse. Auch Waffenkunde, Erläuterungen zum französischen Familienrecht oder
zu aktuellen politischen Verwicklungen werden vom Autor geschickt in die
Geschichte verwoben.
Insgesamt ist dieser Band ein würdiger
Nachfolger in dieser Reihe und fügt sich nahtlos in das Bruno-Universum ein.
Geneigte Leser wünschen sich weiterhin für Bruno eine feste Beziehung oder
einen sonstigen nächsten Schritt in seiner Lebensplanung, aber als Autor ist es
natürlich nachvollziehbar, die Handlung so offen wie möglich zu halten. Ein
sechzehnter Band wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 26.04.2023
- Seitenanzahl: 400
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07237-2
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-walker/troubadour-9783257072372.html
