Donnerstag, 17. August 2023

Liz Nugent, Auf der Lauer liegen

Liz Nugent, Auf der Lauer liegen, Steidl Verlag

Lydia Fitzsimons und ihr Sohn Laurence sind die Hauptfiguren dieses Krimis mit absurd unerwartetem Ende. Im Dublin der 1980er Jahre spielend ist Lydia mit einem Richter verheiratet, der bereits bei ihrem Vater in der Kanzlei die juristische Ausbildung genoss. Laurence ist ihr einziges Kind, auch trotz vieler weiterer Versuche, die alle scheiterten. Aus dieser für die Eheleute tragischen Situation erwächst ein Plot, der über den Lauf der Jahre und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln sukzessive aufgeklärt wird, um dann am Ende dramatisch und unerwartet aufgelöst zu werden. Weitere Teilnehmer der Story sind Annie Doyle, die nach einer fehlgeschlagenen Geschäftsbeziehung durch die Eheleute zu Tode kommt, ihre Schwester Karen, dazu zwei Freundinnen von Laurence, Helen und Bridget. Hinzu kommen colorandi causa diverse Familienmitglieder der einzelnen Personen. Lydia hat nicht nur hinsichtlich Annie Doyle ein ziemliches Problem, sondern auch eines aus ihrer Kindheit, da sie damals willentlich dafür gesorgt hat, dass ihre Schwester im Gartenteich verstarb. Beide Geheimnisse kommen im Lauf der Geschichte Stück für Stück ans Licht, aber führen zu teilweise ganz anderen Konsequenzen als man dies erwartet. Die Ermittlungsbehörden spielen dabei keine rühmliche Rolle, insbesondere da man für eine heroinabhängige Prostituierte den Verdacht nicht auf einen angesehenen Richter lenken und weiterverfolgen möchte. Neben der eigentlichen Kriminalgeschichte geht es quasi in einem zweiten Erzählstrang um Konventionen, den Einfluss der Gesellschaftsschichten, den Erhalt des status quo trotz chronischen Geldmangels, das coming of age von Laurence, sein beruflicher Werdegang und seine wechselhaften Versuche, mit seinem Gewicht und seinen sozialen Beziehungen fertig zu werden. Die Ausarbeitung der Charaktere und die immer wieder wechselnde Erzählperspektive, also stets aus der Ich-Sicht, ist ausgewogen, abwechslungsreich und sorgt insbesondere bezüglich Laurence und Karen für den Aufbau von viel Sympathie. Umso härter trifft dann die Leser der Plottwist zum Schluss, was aber die schon zuvor vorbereitete psychiatrische Unterlegung der Geschehnisse auf perfide Weise vollendet. Die Lektüre geht leicht von der Hand, ohne seicht zu sein. Der Kriminalanteil ist konstant, aber nicht dominant, sodass man sich einer echten Romanlektüre gegenübersieht. Aus meiner Sicht eine klare Lektüreempfehlung.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 10.08.2023
  • Seitenanzahl: 352
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-96999-108-4

Link zum Buch:

https://steidl.de/Buecher/Auf-der-Lauer-liegen-0406104252.html