Liz Nugent, Auf der Lauer liegen, Steidl Verlag
Lydia Fitzsimons und ihr Sohn Laurence
sind die Hauptfiguren dieses Krimis mit absurd unerwartetem Ende. Im Dublin der
1980er Jahre spielend ist Lydia mit einem Richter verheiratet, der bereits bei
ihrem Vater in der Kanzlei die juristische Ausbildung genoss. Laurence ist ihr
einziges Kind, auch trotz vieler weiterer Versuche, die alle scheiterten. Aus
dieser für die Eheleute tragischen Situation erwächst ein Plot, der über den
Lauf der Jahre und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln sukzessive aufgeklärt
wird, um dann am Ende dramatisch und unerwartet aufgelöst zu werden. Weitere
Teilnehmer der Story sind Annie Doyle, die nach einer fehlgeschlagenen
Geschäftsbeziehung durch die Eheleute zu Tode kommt, ihre Schwester Karen, dazu
zwei Freundinnen von Laurence, Helen und Bridget. Hinzu kommen colorandi causa
diverse Familienmitglieder der einzelnen Personen. Lydia hat nicht nur
hinsichtlich Annie Doyle ein ziemliches Problem, sondern auch eines aus ihrer
Kindheit, da sie damals willentlich dafür gesorgt hat, dass ihre Schwester im
Gartenteich verstarb. Beide Geheimnisse kommen im Lauf der Geschichte Stück für
Stück ans Licht, aber führen zu teilweise ganz anderen Konsequenzen als man
dies erwartet. Die Ermittlungsbehörden spielen dabei keine rühmliche Rolle, insbesondere
da man für eine heroinabhängige Prostituierte den Verdacht nicht auf einen
angesehenen Richter lenken und weiterverfolgen möchte. Neben der eigentlichen
Kriminalgeschichte geht es quasi in einem zweiten Erzählstrang um Konventionen,
den Einfluss der Gesellschaftsschichten, den Erhalt des status quo trotz
chronischen Geldmangels, das coming of age von Laurence, sein beruflicher
Werdegang und seine wechselhaften Versuche, mit seinem Gewicht und seinen
sozialen Beziehungen fertig zu werden. Die Ausarbeitung der Charaktere und die
immer wieder wechselnde Erzählperspektive, also stets aus der Ich-Sicht, ist
ausgewogen, abwechslungsreich und sorgt insbesondere bezüglich Laurence und
Karen für den Aufbau von viel Sympathie. Umso härter trifft dann die Leser der
Plottwist zum Schluss, was aber die schon zuvor vorbereitete psychiatrische
Unterlegung der Geschehnisse auf perfide Weise vollendet. Die Lektüre geht
leicht von der Hand, ohne seicht zu sein. Der Kriminalanteil ist konstant, aber
nicht dominant, sodass man sich einer echten Romanlektüre gegenübersieht. Aus
meiner Sicht eine klare Lektüreempfehlung.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 10.08.2023
- Seitenanzahl: 352
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-96999-108-4
Link zum Buch:
https://steidl.de/Buecher/Auf-der-Lauer-liegen-0406104252.html
