Steinmann / Janka, Sophokles - Philoktet, Diogenes Verlag
Viele Generationen von Gymnasiasten oder
Theaterbesuchern werden einmal mit Sophokles konfrontiert worden sein. Denn
Sophokles, geboren 497/496 v. Chr. in Kolonos, gestorben 406/405 v. Chr. in
Athen, ist neben Euripides und Aischylos einer der großen drei Dichter der
griechischen Klassik. Er schrieb etwa 123 Stücke, von denen nur sieben erhalten
sind, darunter die Dramen „König Ödipus“, „Antigone“ und „Elektra“. Gerade
diese drei Stücke gehören zu den meistgespielten Tragödien der Weltliteratur
und Versatzstücke aus ihnen sind zu geflügelten Worten geworden, etwa das Beil
der Elektra. Doch Sophokles, so erklärt es das hervorragende Nachwort, hatte
noch weitere Stücke zu bieten, darunter ebenjenes über Philoktet, den berühmten
Bogenschützen aus dem trojanischen Krieg, der so viel erleiden musste, bevor er
dann doch der Genesung zugeführt werden konnte, um anschließend entscheidend in
den Krieg auf Seiten der Griechen einzugreifen. Im Gegensatz zu den bekannten
Heroen dieser Auseinandersetzung, allen voran Odysseus, dazu Herakles, Paris,
Achilles und viele andere, dürfte Philoktet nur echten Fans der antiken
Literatur als Figur bekannt sein. Umso schöner ist es, dass Sophokles nicht nur
den Wendepunkt seines Lebens als Drama aufbereitet hat, sondern auch – wie
sollte es anders sein – ganz elementare Fragen des Lebens in die Verse
eingewoben hat, denen sich Philoktet in kurzer Zeit stellen muss. Aber auch die
anderen Protagonisten müssen innerhalb der geführten Dialoge ihre
Wertvorstellungen in Frage stellen, wenn etwa Neoptolemos vor die Wahl zwischen
List einerseits und Moral und Recht andererseits gestellt wird.
Der Originaltext wurde übersetzt von Kurt
Steinmann, einem Schweizer Altphilologen, der sich sogar zu manch modernem Wort
hat hinreißen lassen, wenn er etwa von der „Crew“ des Schiffes spricht. Das wie schon
erwähnt äußerst lehrreiche Nachwort stammt von Markus Janka, seines Zeichens
Professor an der Ludwigs-Maximilians-Universität München für Klassische
Philologie. Das Nachwort gibt nicht nur einen Überblick über das literarische
Wirken Sophokles‘, sondern verschafft auch einen Einblick in die dramaturgische
Kunstfertigkeit und zugleich klassische Struktur, die dem Stück zugrunde liegt.
Auch wird erklärt, wie und warum der ebenfalls als geflügeltes Wort bekannte deus ex machina
effektvoll zum Einsatz kommt.
Zugegeben: Man muss ein Faible für die
klassischen griechischen und lateinischen Texte haben, um Bücher wie dieses zu
schätzen. Man muss sich mit den oftmals umständlich und gestanzt klingenden
Versen befassen und die Deutung der Texte gelingt mitunter nicht ohne
fachkundige Erläuterungen. Umso wichtiger ist es, wenn – wie hier – Klassiker
nicht nur (erneut) übersetzt werden, sondern der passende Kontext geboten wird,
um seinen Wissenshorizont doppelt zu erweitern.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 26.10.2022
- Seitenanzahl: 144
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07215-0
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/sophokles/philoktet-9783257072150.html
