Dienstag, 12. September 2023

Sophokles, Philoktet

Steinmann / Janka, Sophokles - Philoktet, Diogenes Verlag

Viele Generationen von Gymnasiasten oder Theaterbesuchern werden einmal mit Sophokles konfrontiert worden sein. Denn Sophokles, geboren 497/496 v. Chr. in Kolonos, gestorben 406/405 v. Chr. in Athen, ist neben Euripides und Aischylos einer der großen drei Dichter der griechischen Klassik. Er schrieb etwa 123 Stücke, von denen nur sieben erhalten sind, darunter die Dramen „König Ödipus“, „Antigone“ und „Elektra“. Gerade diese drei Stücke gehören zu den meistgespielten Tragödien der Weltliteratur und Versatzstücke aus ihnen sind zu geflügelten Worten geworden, etwa das Beil der Elektra. Doch Sophokles, so erklärt es das hervorragende Nachwort, hatte noch weitere Stücke zu bieten, darunter ebenjenes über Philoktet, den berühmten Bogenschützen aus dem trojanischen Krieg, der so viel erleiden musste, bevor er dann doch der Genesung zugeführt werden konnte, um anschließend entscheidend in den Krieg auf Seiten der Griechen einzugreifen. Im Gegensatz zu den bekannten Heroen dieser Auseinandersetzung, allen voran Odysseus, dazu Herakles, Paris, Achilles und viele andere, dürfte Philoktet nur echten Fans der antiken Literatur als Figur bekannt sein. Umso schöner ist es, dass Sophokles nicht nur den Wendepunkt seines Lebens als Drama aufbereitet hat, sondern auch – wie sollte es anders sein – ganz elementare Fragen des Lebens in die Verse eingewoben hat, denen sich Philoktet in kurzer Zeit stellen muss. Aber auch die anderen Protagonisten müssen innerhalb der geführten Dialoge ihre Wertvorstellungen in Frage stellen, wenn etwa Neoptolemos vor die Wahl zwischen List einerseits und Moral und Recht andererseits gestellt wird.

Der Originaltext wurde übersetzt von Kurt Steinmann, einem Schweizer Altphilologen, der sich sogar zu manch modernem Wort hat hinreißen lassen, wenn er etwa von der „Crew“ des Schiffes spricht. Das wie schon erwähnt äußerst lehrreiche Nachwort stammt von Markus Janka, seines Zeichens Professor an der Ludwigs-Maximilians-Universität München für Klassische Philologie. Das Nachwort gibt nicht nur einen Überblick über das literarische Wirken Sophokles‘, sondern verschafft auch einen Einblick in die dramaturgische Kunstfertigkeit und zugleich klassische Struktur, die dem Stück zugrunde liegt. Auch wird erklärt, wie und warum der ebenfalls als geflügeltes Wort bekannte deus ex machina effektvoll zum Einsatz kommt.

Zugegeben: Man muss ein Faible für die klassischen griechischen und lateinischen Texte haben, um Bücher wie dieses zu schätzen. Man muss sich mit den oftmals umständlich und gestanzt klingenden Versen befassen und die Deutung der Texte gelingt mitunter nicht ohne fachkundige Erläuterungen. Umso wichtiger ist es, wenn – wie hier – Klassiker nicht nur (erneut) übersetzt werden, sondern der passende Kontext geboten wird, um seinen Wissenshorizont doppelt zu erweitern.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 26.10.2022
  • Seitenanzahl: 144
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07215-0

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/sophokles/philoktet-9783257072150.html