Michaela Hanauer (Autorin) / Helge Vogt (Illustrator), Rulantica (Bd. 1): Die verborgene Insel, Coppenrath Verlag
Eine Buchreihe passend zum
Erlebnisschwimmbad? Das klingt auf den ersten Blick nach einem reichlich
skurrilen Marketing-Gag, aber der Eindruck täuscht. Denn bereits der erste Band
ist spannend und kindgerecht geschrieben und kann ganz unabhängig von einem
Besuch im echten Rulantica-Schwimmbad auf seine Existenzberechtigung pochen.
Worum geht es zu Beginn der schon auf
mehrere Bände angewachsenen Saga? Um ein ungewöhnliches Zwillingspärchen,
nämlich Aquina und Mats. Ungewöhnlich sind die beiden deswegen, da Aquina ein
Meerwesen ist und Mats dagegen ein menschlicher Junge. Aber eigentlich haben
beide jeweils Anteile von Meerwesen und Mensch, aber bei jedem überwiegt der
andere Teil. Von ihrer wechselseitigen Existenz erfahren beide kurz nach dem
zwölften Geburtstag. Natürlich ist es kein harmonisches Wiederfinden, sondern
der als vermeintlicher Waise aufgewachsene Mats schwebt in Gefahr und Aquina
möchte ihn retten. Dass dahinter für sie unerwartet die Erfüllung einer alten
Prophezeiung steht, sorgt sodann für die Verknüpfung zwischen den nordischen
Göttern und der Inselwelt Rulantica, deren Existenz nunmehr auf dem Spiel
steht. Immerhin hat Aquina Snorri an ihrer Seite, ihren (lediglich
sechsarmigen) Tintenfisch-Freund, mit dem sie die beschauliche Unterwasserwelt
der Stadt Aquamaris verlässt. Und sie wird vom Amulett von Frigg beschützt.
Langweilig wird es den jungen Protagonisten von da an wirklich nicht mehr.
Nicht nur, dass Aquina sich erst einmal in der Menschenwelt zurechtfinden muss,
dass des Weiteren Mats gerettet werden und ihre gemeinsame Zwillings-Herkunft
ergründet werden muss, sondern auch viele andere Bewohner der Welt wollen
entdeckt werden. Dazu gehören die Quellwächter aus der Eisstadt oder auch die
Sirenen aus Aquamaris. Und selbstverständlich treffen Aquina und Mats auch auf
unheimliche Gestalten wie Johann Malus, der die beiden erst einmal einsperrt.
Von Malus erfährt Aquina dann aber auch ihren menschlichen Namen. Oder sie
entdecken erstaunliche Eigenheiten der nordischen Götter und deren
Abkömmlingen, die so gar nicht zu den erzählten Legenden passen wollen. Bis
Aquina und Mats Rulantica vor Odins Fluch gerettet haben, passiert also ganz
schön viel.
Besonders hervorzuheben sind die
fantasievollen Illustrationen, die die Geschichte in ihren spannenden Wendungen
schön begleiten und fördern. Die nordische Götterwelt ist heutzutage nicht mehr
jedem Kind präsent, sodass auch hier die Bebilderung die Rezeption des Umfelds
der Story gut unterstützt.
Das empfohlene Lesealter zwischen 10 und
12 Jahren dürfte etwas hoch gegriffen sein. Meine Erfahrungen mit deutlich
jüngeren Testlesern (7 Jahre) zeigten, dass die Story schon frühzeitig zündet
und Kinder zu regelrechten Leseratten werden lässt, bis die Geschichte endlich
zu Ende ist. Aus den oben beschriebenen Ereignissen, die Aquina und Mats
erleben und durchstehen müssen, ist allerdings auch klar, dass es hier nicht
nur um Friede, Freude und Eierkuchen geht, sondern die kleinen Leser auch einen
gewissen Erzählbogen und Leidensdruck der Protagonisten innerlich aushalten
können müssen, um Freude an dem Werk zu haben.
Eine schöne Idee zur Förderung des
Leseverständnisses sind die verschiedenfarbig gedruckten (Anfangs-)Seiten der
Kapitel, je nachdem aus welcher Perspektive gerade erzählt wird.
Trotz anfänglicher Skepsis kann man also
getrost festhalten: es ist ein wirklich gut gemachtes Buch, inhaltlich und
graphisch. Und man versteht die Geschichte auch, ohne jemals eine
Vergnügungsstätte der Familie Mack besucht zu haben. Das Buch ist aber eine
schöne Umrahmung der Wassererlebniswelt in Rust, sodass man etliche Elemente
aus dem Buch wiedererkennen wird, z.B. den Wildwasserstrom.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 14.10.2019
- Seitenanzahl: 336
- Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-62722-7
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