Anna Ruhe, Die Duftapotheke (5). Die Stadt der verlorenen Zeit, Arena Verlag
Weiter geht es
mit einem fünften Band der Buchreihe „Duftapotheke“. In gewohnt wunderschöner
Aufmachung und mit hübschen Illustrationen setzt dieser Band die Geschichte um
Luzie Alvenstein und ihre Freunde fort. Luzie ist eine Sentifleur und
Duftapothekerin – das heißt, sie kann magische Düfte herstellen und mittels
Düften die Gefühlswelt anderer Menschen erkennen und kontrollieren. Die
Buchreihe nimmt mit jedem Band an Fahrt auf und die Leser erfahren mehr über
die unglaubliche Wirkweise der magischen Düfte. In diesem Band nun ist sogar
eine Reise durch Raum und Zeit möglich und die Kontrolle von Menschen rein
durch die Willenskraft der Sentifleurs. Bereits aus dem letzten Band ist Luzies
Gegenspieler Edgar bekannt, der uneheliche Sohn des Meisters der Gruppe der
„Ewigen“, Syrell de Richemont. Letzterer ist inzwischen außer Gefecht gesetzt
und kann die sich selbst als „Bessergeborene“ bezeichnende Gruppe der Ewigen
nicht mehr führen, die sich mit einem Ewigkeitsduft ein endloses Leben beschert
haben und Edgar und weitere Personen als Dienstboten versklavten. Elodie, die
Tochter Syrell de Richemonts, erkennt inzwischen die dunklen Machenschaften
ihres Vaters und wechselt in diesem Band die Seite. Das beginnende Überwinden
des Misstrauens Luzies gegenüber der ehemaligen Feindin, das aufkeimende
Vertrauen und am Ende sogar die Verbundenheit und Freundschaft sind einfühlsam
portraitiert. Auch die aufkeimende erste Liebe zwischen Luzie und Mats sowie
die enge Bruderliebe zu ihrem kleinen Bruder Benno sind für jugendliche Leser
nachvollziehbar dargestellt und helfen als Vorbilder in dieser stürmischen
Lebensphase. Luzie und ihre Helfer folgen Edgar und den Ewigen nach Venedig auf
einen Maskenball in einer anderen Zeit. Hier plant Edgar, von Hass auf seine
ehemaligen Peiniger geprägt, die Ewigen in der Zeit verschwinden zu lassen,
Luzie und Elodie in seine Gewalt zu bekommen und ein Geheimnis von Daan, dem
alten Duftapotheker zu lüften. Schlussendlich können Luzie und ihre Freunde
entkommen, aber die beiden anderen Ziele erreicht Edgar – ein passender
Cliffhanger für den nächsten, im Herbst erscheinenden Band.
Die Autorin
beschreibt die Geschichte routiniert und setzt die Charaktere auf vertraute
Weise fort. Es ist spannend zu sehen, dass sie mit jedem weiteren Buch, die
Mächtigkeit dessen, was mit Düften verursacht werden kann und was das Talent
der Sentifleurs betrifft, weiter beschreibt und erweitert. So können die Leser
Luzie dabei folgen, wie sie ihr Talent nach und nach entdeckt und
weiterentwickelt.
Möchte man an
diesem Band etwas kritisieren, so ist es wohl die ab und zu etwas zu saloppe
Sprache (z.B. S.46 „… ich hätte loskotzen können …“ oder S.132: „… genauso
neben der Kappe …“), die nicht recht zum sonstigen Schreibstil passt. Auch
hätte man sich etwas detailliertere Beschreibungen der jeweiligen Handlungsorte
vorstellen können als z.B. S. 117: „ … über uns funkelten weitere Kronleuchter
von der Größe eines Nilpferdes.“ Richtig eintauchen in die Kulisse des
vergangenen und heutigen Venedig kann der Leser so jedenfalls nicht. Allerdings
gibt es keine Brüche in der Handlungsfolge, die logischen Überleitungen sind
alle stimmig – was in diesem rasanten Trubel der Zeiten- und Ortswechsel
beeindruckend ist.
Zusammenfassend
ist auch dieses Buch wieder eine schöne Art, in eine magische Welt
einzutauchen. Leser und Leserinnen von 10 bis 15 Jahren können den Charakteren
in ihrer Gefühlswelt gut folgen und zugleich ein magisches Abenteuer erleben.
Insbesondere, dass der jetzige Bösewicht Edgar selbst ein früheres Opfer ist,
dessen Beweggründe daher nachvollziehbar sind, wenngleich er nun in seiner
Radikalität und Rache völlig übertreibt, ist für jugendliche Leser ein gutes
Moment, um darüber nachzudenken, dass ein reines schwarz und weiß auch in
Realität selten existiert.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 10.11.2020
- Seitenanzahl: 288
- Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-401-60523-4
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