Eveline Hasler, Im Traum kann ich fliegen, NordSüd Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Schon das
Titelbild macht Appetit auf mehr: eine warm illustrierte unterirdische
Wurzelwelt mit dort lebenden Wesen. Um die insgesamt fünf Tierchen geht es auch
im Weiteren: ein Engerling, ein Käfer, zwei Regenwürmer und eine Raupe. Man
trifft sich und spielt miteinander, erzählt und hat auch kleine Geheimnisse,
wie die bevorratete Riesenzwiebel des Engerlings, der für karge Zeiten
vorsorgen wollte. Man lernt sukzessive die Behausungen der Freunde kennen und
sieht dann dort in liebevoll ausgestalteten Details die entsprechenden Höhlen
mitsamt Einrichtung und Vorräten. Nur bei der dauerstrickenden Raupe war noch
niemand, sodass auf leichtes Drängen der Freunde doch eine Besichtigungstour
stattfindet. Da staunen die Freunde nicht schlecht, als sie nur Farben und
Fäden vorfinden, aber nichts zum Essen. Wenn die Raupe dann berichtet, dass sie
das nicht brauche, sondern nur diese Farben und Fäden und ihre Träume, fühlt
man sich sofort an Frederick von Leo Lionni erinnert. Doch selbst die anderen
Tiere offenbaren dann, dass sie ihre Träume brauchen, der Engerling träumt
sogar vom Fliegen. Als dann die Raupe einmal im tiefsten Winter nicht mehr zum
Spielen erscheint, machen die anderen sich Sorgen, finden sie aber in ihrem
beginnenden Kokon eingesponnen und ein wenig entrückt. Dann gehen die Vorräte
zu Neige und die Zwiebel des Engerlings, an der der kleine Käfer zu nagen
wagte, scheint kaputt zu sein. Die Situation wird noch schlimmer, als die
Freunde die Raupe nicht mehr vorfinden. Doch der Frühlingsanbruch bringt die
Auflösung: weder ist die Zwiebel kaputt, sondern erblüht, noch ist die Raupe
verschwunden, sondern aus ihr ist ein Falter geworden, der nun aus der Luft mit
den Freunden schnattert.
Die schon
eingangs erwähnten großartigen Illustrationen sind das Glanzstück des Buches.
Sie untermalen die Geschichte trefflich und helfen dieser auch über manche
sprachliche Ausrutscher hinweg. Denn das Ganze liest sich phasenweise ein wenig
hölzern und teilweise auch nicht altersgerecht, etwa wenn der Engerling die
Raupe als „überspannt“ abkanzelt und sie abschätzig als „Fräulein“ tituliert.
Kinder erkennen so etwas und sind definitiv „not amused“.
Die
Quintessenzen der Geschichte sind aus anderen Werken durchaus bekannt, also die
Verpuppung der Raupe, die Unkenntnis über das Wachsen und Werden von Pflanzen
vor dem Frühling samt nachfolgender schöner Überraschung oder auch der
Zusammenhalt von Tieren untertage. Das tut dem Kinderbuch aber keinen Abbruch,
sondern erweckt bei den vorlesenden Eltern eher ein angenehmes deja vu.
Insgesamt ist
das Buch sehr empfehlenswert, als runde, harmonische und graphisch sehr schön
umgesetzte kleine Geschichte.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungsdatum: 27.05.2020
- Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
- Seitenanzahl: 32
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-314-10542-5
Link zum Buch:
https://nord-sued.com/programm/im-traum-kann-ich-fliegen-redesign/
