Julia Boehme, Das kleine Muffelmonster auf Klassenfahrt, Arena Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Nachdem das Muffelmonster in drei Kinderbüchern einen gelungenen Einstieg verzeichnen durfte und die lesenden Kinder zwischen Moritz‘ Zimmer und der Welt des Muffelmonsters hin- und herreisen durften, war es nun an der Zeit, die Belastbarkeit der beiden Hauptfiguren in einer längeren Geschichte zu testen: das Muffelmonster geht mit Moritz auf Klassenfahrt, obwohl der darauf eigentlich gar nicht so recht Lust hat. Natürlich schafft es das Monster, sich in Moritz‘ Rucksack zu schmuggeln und bringt ihn so in Verlegenheit – bis Moritz merkt, dass nur er das Muffelmonster sehen und hören kann. Das ist zwar erst einmal eine Erleichterung für ihn, aber ansonsten ist die Fahrt nicht so der Renner: er wird von den „coolen“ Jungs aus der ersten Sitzreihe vertrieben und sitzt am Ende ganz hinten alleine und möchte am liebsten wieder aussteigen. Auch in der Herberge ist er zunächst alleine in einem Zimmer, bis sich Milo, ein anderer Junge, für den auch in den anderen Zimmern kein Platz war, zu ihm gesellt. Es warten noch weitere Erniedrigungen auf Moritz, die die anderen Jungen verursachen, und natürlich bekommt keiner etwas mit oder steht ihm zur Seite. Es mag sein, dass die Autorin das für ihren Plot für notwendig hält, aber es ist deprimierend. Das Muffelmonster erweist sich erst später als nützlicher Begleiter, wenn es beim Spieleabend für Moritz eingreift oder bei der Nachtwanderung den größten Angeber erschreckt. Am Ende sind Moritz und Milo Freunde und Moritz ist zudem froh, dass das Monster doch dabei war.
Die Geschichte
in sich ist, ganz abgesehen von der schon benannten zu tiefen Talsenke, durch
die sich Moritz quälen muss, nicht stimmig. Nur weil Moritz Milo einmal aus der
Patsche hilft, sind sie auf einmal Freunde? Obwohl sie sonst nichts verbindet
und auch vorher keine nähere Bekanntschaft bestand? Und das Muffelmonster, das
sich doch, so weiß man das aus den Kinderbüchern vorher, verdünnisiert, wenn es
gute Laune hat, hat hier sehr oft beste Laune und bleibt doch die ganze Zeit
sichtbar und bei Moritz. In der Schlussszene ist es dann zudem auf einmal doch
(mittelbar) bemerkbar für Milo, obwohl das durch den Aufbau vorher eigentlich
auszuschließen war. Es gibt noch weitere Kleinigkeiten, die man bei kritischer
Lektüre anmerken könnte.
Ungeachtet
dessen ist zu berücksichtigen: Es ist ein Buch für Erstleser, in entsprechend
großer Druckschrift, mit einfachen Sätzen, mit einfachem Plot und einfachen
Lösungen. Dass in einer längeren Geschichte die schlichten
schwarz-weiß-Gegensätze herhalten müssen, um Moritz zu einem Happy End zu
führen, ist schade, aber für die Zielgruppe wohl hinnehmbar. Im Vergleich zu
den Kinderbüchern kommt diese Geschichte weder an deren Witz noch an die
Szenenfreude heran, die die bisherigen Abenteuer mit dem Muffelmonster so
besonders gemacht haben. Dennoch ist der Wiedererkennungseffekt groß, sowohl
durch die Illustrationen, den Rückbezug auf die ersten Abenteuer (Gurke mit
Schuhcreme etc.) und die innige Beziehung, die Moritz und das Monsterchen
inzwischen aufgebaut haben. Das entschädigt für viele andere Dinge.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Seitenanzahl: 88
- Altersempfehlung: Ab 7 Jahren
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-401-71477-6
Link zum Buch:
https://www.arena-verlag.de/artikel/das-kleine-muffelmonster-auf-klassenfahrt-978-3-401-71477-6
