Freitag, 12. Februar 2021

Mick Herron, Dead Lions

Mick Herron, Dead Lions, Diogenes Verlag

Dead Lions ist der zweite Band der Jackson Lamb Trilogie und ist ähnlich umfangreich wie der erste Band: Fast 500 Seiten wollen bewältigt sein, bis man zu einem Ende gelangt, das – auch insoweit Parallelen zum ersten Band – nach dem lang andauernden Aufbau eher dünn und vor allem nicht völlig durchschaubar ist.

Die Slow Horses aus dem Slough House, ausgemusterte oder abgehalfterte Mitarbeiter des MI5, des Inlandsgeheimdienstes, haben trotz der ereignisreichen Recherche und Rettungsaktion des ersten Bandes keine neue Perspektive gewonnen, sondern brüten nach wie vor im eigenen, sinnlosen Tätigkeits-Sud, der ihnen vom Hauptquartier zugebilligt wird. Die Charaktere werden weiter entwickelt und bieten mitunter interessante neue Nuancen. Lamb selbst ist ein herrlich selbstzufriedenes Ekel, der selbst in der deutschen Übersetzung manchen köstlichen Lacher bei den Lesern produziert.

Hauptthema ist in diesem Band die (vermeintliche) Existenz russischer Schläfer, also seit dem Kalten Krieg stillgelegter Geheimagenten in England. Es gibt verschiedene Spuren, denen Lamb nachgeht bzw. nachgehen lässt, sodass River zu einer Art Außenmission kommt, die zunächst genauso zweckfrei erscheint wie sein sonstiges Dasein in Slough House. Dann aber werden zwei der Slow Horses für einen echten Auftrag durch das Hauptquartier rekrutiert und natürlich geht da einiges schief. Aber auch dieser Auftrag hat unterschwellig mit möglichen Geheimdienstaktivitäten zu tun. Der Aufbau und die Verästelungen der verschiedenen Handlungsstränge sind gut zu lesen, wenngleich sich manchmal Spannungsabfall und Längen ergeben. Und man muss wieder eine ganze Menge an Namen im Kopf behalten und stringent dabei bleiben. Erst gegen Ende erfolgt so eine Art Auflösung der konstruierten Zusammenhänge, die aber nicht so ganz überzeugt – jedenfalls mich nicht. So viel Aufwand für das bisschen Effekt steht nicht im richtigen Verhältnis. Erstaunlicherweise hat Lamb selbst mit dem Ende der Geschichte gar nicht viel zu tun, sondern er hat lediglich mittels seines in den Außeneinsätzen gesammelten Wissens die richtigen Schlüsse gezogen und seine Mitarbeiter darauf angesetzt. Das immerhin ist eine sympathische Wendung der Geschichte.

Man hat mit der Lektüre des Buches einiges zu tun. Umso schöner ist die gute Verarbeitung durch den Verlag. Wer Cliffhanger und Spannungsspitzen erwartet, wird auch von diesem Band enttäuscht sein. Denn Markenzeichen der Reihe ist eher die Entwicklung der Charaktere und das Eintauchen in das vermeintlich heldenhafte Geheimdienstmilieu. Mir gefällt Jackson Lamb als Protagonist ausgesprochen gut, was einige andere Defizite des Buches gut ausgleicht.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Seitenanzahl: 480
  • Erschienen am: 01.09.2019
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07046-0

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/mick-herron/dead-lions-9783257070460.html