Mick Herron, Dead Lions, Diogenes Verlag
Dead Lions ist
der zweite Band der Jackson Lamb Trilogie und ist ähnlich umfangreich wie der
erste Band: Fast 500 Seiten wollen bewältigt sein, bis man zu einem Ende
gelangt, das – auch insoweit Parallelen zum ersten Band – nach dem lang
andauernden Aufbau eher dünn und vor allem nicht völlig durchschaubar ist.
Die Slow Horses
aus dem Slough House, ausgemusterte oder abgehalfterte Mitarbeiter des MI5, des
Inlandsgeheimdienstes, haben trotz der ereignisreichen Recherche und
Rettungsaktion des ersten Bandes keine neue Perspektive gewonnen, sondern
brüten nach wie vor im eigenen, sinnlosen Tätigkeits-Sud, der ihnen vom
Hauptquartier zugebilligt wird. Die Charaktere werden weiter entwickelt und
bieten mitunter interessante neue Nuancen. Lamb selbst ist ein herrlich
selbstzufriedenes Ekel, der selbst in der deutschen Übersetzung manchen
köstlichen Lacher bei den Lesern produziert.
Hauptthema ist
in diesem Band die (vermeintliche) Existenz russischer Schläfer, also seit dem
Kalten Krieg stillgelegter Geheimagenten in England. Es gibt verschiedene
Spuren, denen Lamb nachgeht bzw. nachgehen lässt, sodass River zu einer Art
Außenmission kommt, die zunächst genauso zweckfrei erscheint wie sein sonstiges
Dasein in Slough House. Dann aber werden zwei der Slow Horses für einen echten
Auftrag durch das Hauptquartier rekrutiert und natürlich geht da einiges
schief. Aber auch dieser Auftrag hat unterschwellig mit möglichen
Geheimdienstaktivitäten zu tun. Der Aufbau und die Verästelungen der verschiedenen
Handlungsstränge sind gut zu lesen, wenngleich sich manchmal Spannungsabfall
und Längen ergeben. Und man muss wieder eine ganze Menge an Namen im Kopf
behalten und stringent dabei bleiben. Erst gegen Ende erfolgt so eine Art
Auflösung der konstruierten Zusammenhänge, die aber nicht so ganz überzeugt –
jedenfalls mich nicht. So viel Aufwand für das bisschen Effekt steht nicht im
richtigen Verhältnis. Erstaunlicherweise hat Lamb selbst mit dem Ende der
Geschichte gar nicht viel zu tun, sondern er hat lediglich mittels seines in
den Außeneinsätzen gesammelten Wissens die richtigen Schlüsse gezogen und seine
Mitarbeiter darauf angesetzt. Das immerhin ist eine sympathische Wendung der
Geschichte.
Man hat mit der
Lektüre des Buches einiges zu tun. Umso schöner ist die gute Verarbeitung durch
den Verlag. Wer Cliffhanger und Spannungsspitzen erwartet, wird auch von diesem
Band enttäuscht sein. Denn Markenzeichen der Reihe ist eher die Entwicklung der
Charaktere und das Eintauchen in das vermeintlich heldenhafte
Geheimdienstmilieu. Mir gefällt Jackson Lamb als Protagonist ausgesprochen gut,
was einige andere Defizite des Buches gut ausgleicht.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Seitenanzahl: 480
- Erschienen am: 01.09.2019
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07046-0
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/mick-herron/dead-lions-9783257070460.html
