Ian McEwan, Maschinen wie ich, Diogenes Verlag
Im neuen Roman
von Ian McEwan, die derzeit Schlag auf Schlag veröffentlicht werden, widmet er
sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Dabei belässt er die politische Lage der
80er Jahre, in welchen der Roman spielt, wie sie war, verändert aber die
Fortschrittskomponente, indem er unterstellt, die Erkenntnisse und
Entwicklungen des Enigma-Knackers Alan Turing hätten für bahnbrechende
Fortschritte gesorgt, sodass schon in dieser Zeit hochleistungsfähige Computer,
selbstfahrende Autos und KI-Entwicklungen wie menschliche Roboter als Begleiter
im menschlichen Haushalt existierten. Einen solchen, Adam genannt, hat Charlie
erworben. Für einen Batzen Geld, den man durchaus auch anders hätte investieren
können. Zuerst ist Charlie nur neugierig auf sein menschengleiches Pendant im
Haushalt, aber das ändert sich schnell, als Adam seine Persönlichkeit
entwickelt, sich sogar ganz untechnisch in Charlies neue Freundin Miranda
verliebt und Charlie das Handgelenk bricht, als dieser versucht, den Roboter zu
deaktivieren.
Das
Zusammenleben der drei normalisiert sich langsam, Adam sorgt sogar für die
Aufbesserung der Haushaltskasse, indem er Charlies Trading-Aktivitäten
übernimmt. Jedoch steht Mirandas Vergangenheit bald im Zentrum des Interesses,
da sie aus Rache für eine Freundin eine Straftat begangen hat, deren
Aufarbeitung nun unausweichlich auf das Trio zukommt. Außerdem beschließen
Miranda und Charlie einen kleinen Jungen zu adoptieren, was sich im Hinblick
auf die kommenden Ereignisse auch als schwierig herausstellen wird. Hinzu
kommt, dass Adam dann doch an seine Grenzen stößt, da er im Gegensatz zu seinen
humanoiden Besitzern an bestimmte (ethische) Grundprinzipien gebunden ist und
von diesen nicht abweichen kann.
Der Roman
greift, wie so oft bei McEwan ein aktuelles Thema literarisch spannend auf. Die
Rahmenbedingungen haben mich aber diesmal nicht überzeugt und auch die
Geschichte war mir zu langatmig. Die technisch fortgeschrittene Entwicklung in
das England der 80er Jahre zu versetzen hat sich – für mich – weder als Gewinn
bringend noch als überzeugend erwiesen: wer führt einen Falkland-Krieg, wenn er
computertechnisch auf dem Stand der Zeit heute ist? Wer sollte bei einer
solchen potentiellen Wirtschaftsleistung jemals Thatcher wählen? Das passt
alles nicht so ganz und bringt die Geschichte auch nicht voran. Das Gleiche
könnte man noch für andere Nebenstränge der Geschichte sagen.
Insgesamt also
ein solider Roman, ein interessantes Thema, aber ein wenig kürzer hätte auch
gut getan.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 22.05.2019
- Seitenanzahl: 416
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07068-2
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/maschinen-wie-ich-9783257070682.html
