Martin Walker, Menu surprise, Diogenes Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Ach, unser
Bruno! Was hätte sich jede geneigte Leserin doch gewünscht, dass er nun endlich
unter die Haube kommt! Schon wieder stellen dem „begehrtesten Junggesellen“ von
Saint Denis die falschen Frauen nach und diejenige, die er liebt, lässt ihn
weiterhin leiden. Aber das ist nur das übliche romantische Nebengeplänkel, das
ebenso wie die ausladenden Kochanleitungen und Beschreibungen verschiedenster
Waffen den Rahmen für den mal wieder absolut spannenden Kriminalfall bildet.
Im Perigord lebt
es sich königlich, vor allem hinsichtlich der Landschaft und der kulinarischen
Genüsse - wenn man nicht gerade ein untergetauchter Offizier der britischen
Armee ist, mit dem die IRA noch eine Rechnung offen hat. Das Auffinden zweier
Leichen bringt in diesem Fall britische, amerikanische und französische
Ermittler zusammen, die wünschenswert harmonisch zusammenarbeiten. Die
Verwicklungen sind diesmal besonders verworren und der Leser erfährt einiges
über Einsätze der IRA und das Handeln der Streitkräfte und Geheimdienste der
verschiedenen Nationen in den letzten Jahrzehnten. Insgesamt ist Bruno diesmal
eher Nebenfigur bei den eigentlichen Ermittlungen des Doppelmordes, doch hat er
am Ende den entscheidenden Riecher für die Auflösung des Falles und die
Gefangennahme der Täter. Sehr liebenswert und top ausgebildet bekommt diesmal
Brunos Hund eine Hauptrolle.
Nebenbei widmet
sich Bruno noch den Problemen des Frauen-Rugby-Teams, dessen Trainer er ist.
Hier leidet er mit dem Star der Truppe mit, bei der eine ungewollte
Schwangerschaft fast die in greifbarer Nähe befindliche Profikarriere stoppen
könnte. Bruno wirkt in diesen Teilen des Buches erstaunlich unsicher, fast
tölpelhaft. Auch in einem weiteren Erzählstrang, bei dem Bruno befördert wird
und nun Chef einiger anderer Dorfpolizisten aus dem Umkreis wird, glänzt er
nicht gerade mit Feingefühl und Führungskompetenz. Der schnöde Alltag von
Kompetenzgerangel, Aktenstaub und langatmigen Dienstbesprechungen wird
portraitiert - das lässt somit zum einen Realität einziehen und entglorifiziert
zum anderen den Helden Bruno.
Auch diesmal
endet der Krimi in einem für den Rest des Buches erstaunlich wilden Finale. So
knapp vor dem Tode stand unser Held schon öfter – doch mutet es diesmal
besonders abgebrüht an, wie schnell sich Bruno nur Minuten später wieder ganz
alltäglichen Dingen zuwenden kann. Dies gibt einen Punkt Abzug aus Sympathie-
und Realitätsverlust. Darüber hinaus jedoch wurde auch mit dem vorliegenden
elften Band beim Leser wieder einmal die Lust geweckt, eine Reise ins
beschauliche Perigord zu unternehmen. Vielleicht läuft man dann ja auch dem
Autor über den Weg und kann mit ihm über Trüffel, Weine und Jagdgewehre
fachsimpeln.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 1.5.2019
- Seitenanzahl: 432
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07063-7
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-walker/menu-surprise-9783257070637.html
