Sonntag, 21. November 2021

Teenie Baking Queen

Teenie Baking Queen, Dr. Oetker Verlag

Im Dr. Oetker Verlag ist 2021 ein neues Backbuch erschienen, das auf den ersten Blick abschreckend sein könnte: violette Glitzersternchen umrahmen ein knallbuntes Macaron-Törtchen und auch der Titel „Teenie Baking Queen“ glitzert einem entgegen. Aber, oh Wunder, die Zielgruppe stört es nicht, und das obwohl jegliches Einhorn-Glitzer-bonbonbunt-Gedöns eigentlich seit der Grundschule so was von out war, da man sich jenseits des 12. Lebensjahrs nunmehr in ironischer Distanz zur restlichen Menschheit bewegt. Das alles wird aber beim Anblick des Buches beiseitegeschoben, das Glitzer-Drumherum des Covers wird lächelnd ignoriert und sofort der Inhalt in Augenschein genommen – und der hat überzeugt.

Zum einen liegt das daran, dass die Verfasserinnen bzw. Projektbetreuerinnen die Zielgruppe an die Hand bzw. in die Küche nehmen und auch grundlegende Techniken, Geräte und Materialien kurz und anschaulich erläutern, bevor es an die einzelnen Rezepte geht. Das ist höchst positiv. Denn es ist ja gerade nicht mehr so, dass bei allen Teenagern genug Zeit und tradiertes Wissen vorhanden wären, als dass man davon ausgehen kann, dass Backkenntnisse automatisch an die eigenen Kinder weitergegeben und diese geduldig befolgt werden. Zum anderen werden auch innerhalb der Rezepte vermeintlich logische Schritte recht genau unterteilt, sodass sich auch wirkliche Laien mit einem Rezept nicht überfordert fühlen müssen und vielleicht schon beim ersten Mal annehmbare Ergebnisse herstellen können.

Insgesamt drei Abschnitte harren der Bearbeitung: Cookies & Pastries, Muffins & Cupcakes sowie Cakes, Pies & Torten. Wer selbst backt, erkennt klar, dass der Schwierigkeitsgrad steigt, ohne dass moderne Veredelungsformen mit Ganache und Fondant beherrscht werden müssten. Was zudem auffällt, ist die Instagram-taugliche Auswahl an Rezepten und Bebilderung. Für das Buch sind die Kreationen natürlich besonders gelungen drappiert, aber sie sind zugleich ein Anreiz für das spätere Endergebnis. Schön zu sehen ist dies etwa bei den Mini-Burgern, S. 26/27, wo man immerhin die kleinen Buns selbst backen muss, dann die „Frikadellen“ formen und die Zwiebelringe aus Marzipan ausstechen muss. Zusammen mit Erdbeeren und Minzblättern ist das schon ein optisches Highlight und auch von den Geschmacksnuancen vielversprechend. Hinzu kommen moderne Geschmacksvarianten, bei denen die backende Oma noch die Augen verdreht hätte, so die Salted Caramel Cupcakes, S. 66/67. Die sehen mit der überlaufenden Soße natürlich nicht ganz so appetitlich aus wie manch andere Teiggebäude im Buch, aber man kann dies ja ggf. noch mit kleinen Depots in der Cremekrone eleganter lösen. Erfreulich für die Zielgruppe ist zudem, dass sich Rezepte mit kurzer (Cookie Cake, S. 86/87) und längerer Zubereitungszeit (Bunte Eistorte, S. 84/85) abwechseln. Mancher Vorschlag wirkt zwar ein bisschen sehr nach Kindergeburtstag für die ganz Kleinen (KitKat-Torte, S. 102/103), aber Teenies können ja auch große Geschwister sein und mit so einer Rührkuchen-Schokobombe die Herzen der Vorschulkinder für sich gewinnen (und nebenbei die Eltern bei den Vorbereitungen entlasten).

Als Erwachsener habe ich natürlich einen kritischeren bzw. spöttischeren Blick auf Werke wie das vorliegende, aber das ist nicht maßgebend, denn ich bin nicht die Zielgruppe. Deshalb kann ich konstatieren, dass die Zielgruppe das Buch sehr positiv aufgenommen und erfreut getestet hat. Schön ist tatsächlich, dass man sich in jeder Könnerstufe an die Rezepte herantrauen kann. Das muss ein Backlernbuch auch erst einmal hinkriegen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.10.2021
  • Seitenanzahl: 128
  • Altersempfehlung: Ab 12 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-7670-1837-2

Link zum Buch:

https://www.oetker-verlag.de/buecher/produkt-teenie-baking-queen/