Teenie Baking Queen, Dr. Oetker Verlag
Im Dr. Oetker
Verlag ist 2021 ein neues Backbuch erschienen, das auf den ersten Blick
abschreckend sein könnte: violette Glitzersternchen umrahmen ein knallbuntes
Macaron-Törtchen und auch der Titel „Teenie Baking Queen“ glitzert einem
entgegen. Aber, oh Wunder, die Zielgruppe stört es nicht, und das obwohl
jegliches Einhorn-Glitzer-bonbonbunt-Gedöns eigentlich seit der Grundschule so
was von out war, da man sich jenseits des 12. Lebensjahrs nunmehr in ironischer
Distanz zur restlichen Menschheit bewegt. Das alles wird aber beim Anblick des
Buches beiseitegeschoben, das Glitzer-Drumherum des Covers wird lächelnd
ignoriert und sofort der Inhalt in Augenschein genommen – und der hat
überzeugt.
Zum einen liegt
das daran, dass die Verfasserinnen bzw. Projektbetreuerinnen die Zielgruppe an
die Hand bzw. in die Küche nehmen und auch grundlegende Techniken, Geräte und
Materialien kurz und anschaulich erläutern, bevor es an die einzelnen Rezepte
geht. Das ist höchst positiv. Denn es ist ja gerade nicht mehr so, dass bei
allen Teenagern genug Zeit und tradiertes Wissen vorhanden wären, als dass man
davon ausgehen kann, dass Backkenntnisse automatisch an die eigenen Kinder
weitergegeben und diese geduldig befolgt werden. Zum anderen werden auch
innerhalb der Rezepte vermeintlich logische Schritte recht genau unterteilt,
sodass sich auch wirkliche Laien mit einem Rezept nicht überfordert fühlen
müssen und vielleicht schon beim ersten Mal annehmbare Ergebnisse herstellen
können.
Insgesamt drei
Abschnitte harren der Bearbeitung: Cookies & Pastries, Muffins &
Cupcakes sowie Cakes, Pies & Torten. Wer selbst backt, erkennt klar, dass
der Schwierigkeitsgrad steigt, ohne dass moderne Veredelungsformen mit Ganache
und Fondant beherrscht werden müssten. Was zudem auffällt, ist die
Instagram-taugliche Auswahl an Rezepten und Bebilderung. Für das Buch sind die
Kreationen natürlich besonders gelungen drappiert, aber sie sind zugleich ein
Anreiz für das spätere Endergebnis. Schön zu sehen ist dies etwa bei den
Mini-Burgern, S. 26/27, wo man immerhin die kleinen Buns selbst backen muss,
dann die „Frikadellen“ formen und die Zwiebelringe aus Marzipan ausstechen
muss. Zusammen mit Erdbeeren und Minzblättern ist das schon ein optisches
Highlight und auch von den Geschmacksnuancen vielversprechend. Hinzu kommen
moderne Geschmacksvarianten, bei denen die backende Oma noch die Augen verdreht
hätte, so die Salted Caramel Cupcakes, S. 66/67. Die sehen mit der
überlaufenden Soße natürlich nicht ganz so appetitlich aus wie manch andere
Teiggebäude im Buch, aber man kann dies ja ggf. noch mit kleinen Depots in der
Cremekrone eleganter lösen. Erfreulich für die Zielgruppe ist zudem, dass sich
Rezepte mit kurzer (Cookie Cake, S. 86/87) und längerer Zubereitungszeit (Bunte
Eistorte, S. 84/85) abwechseln. Mancher Vorschlag wirkt zwar ein bisschen sehr
nach Kindergeburtstag für die ganz Kleinen (KitKat-Torte, S. 102/103), aber
Teenies können ja auch große Geschwister sein und mit so einer
Rührkuchen-Schokobombe die Herzen der Vorschulkinder für sich gewinnen (und
nebenbei die Eltern bei den Vorbereitungen entlasten).
Als Erwachsener
habe ich natürlich einen kritischeren bzw. spöttischeren Blick auf Werke wie
das vorliegende, aber das ist nicht maßgebend, denn ich bin nicht die
Zielgruppe. Deshalb kann ich konstatieren, dass die Zielgruppe das Buch sehr
positiv aufgenommen und erfreut getestet hat. Schön ist tatsächlich, dass man
sich in jeder Könnerstufe an die Rezepte herantrauen kann. Das muss ein
Backlernbuch auch erst einmal hinkriegen.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 01.10.2021
- Seitenanzahl: 128
- Altersempfehlung: Ab 12 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-7670-1837-2
Link zum Buch:
https://www.oetker-verlag.de/buecher/produkt-teenie-baking-queen/