Arne Dahl, Null gleich eins, Piper Verlag
Man weiß aus den
bisherigen Romanen von Arne Dahl eines: es ist nie so richtig vorbei und so ist
es auch diesmal. Im vorherigen Band 4 der seit 2016 laufenden Serie um Berger
und Blom hatten es die zwei Ermittler mit der Mafia zu tun und schon in diesem,
2021 erschienenen Band war die Brutalität des Vorgehens der Gegner plakativ wie
abschreckend. Der neue Band 5 kommt zwar eingangs deutlich subtiler und
mysteriöser daher, aber im weiteren Verlauf wird klar, dass die Bezüge zum
vierten Band mehr als real sind. Verquickt werden diesmal nicht nur klassische
Ermittlungsarbeit, Profiling und ein komplexer scheinbarer Serienmörder,
sondern auch wirtschaftskriminelle Verstrickungen als Triebfeder hinter so
mancher Ungeheuerlichkeit. So verbindet Dahl all die Komponenten, die seine
bisherigen erfolgreichen Romane ausmachen.
Grundgerüst der
Geschichte sind an idyllischen Strandstellen aufgefundene Tote, deren Herkunft
sich niemand so recht erklären kann. Zudem ist das Datum des Auffindens
irritierend: immer am 5. eines Monats. Dennoch sorgt der Leiter der NOA,
Landin, dafür, dass die Fälle nicht im Zusammenhang bearbeitet werden. Gleiches
gilt für unerklärliche Axtmorde im Drogen- und OK-Milieu, die mit simpler
Begründung ad acta gelegt werden sollen. Aber sowohl Berger & Blom als auch
Kommissarin Rosenqvist, bekannt als Deer aus den vorherigen Bänden, erkennen
die Zusammenhänge und ermitteln, insbesondere nach Deers Suspendierung, auf
eigene Faust gegen den unbekannten Täter und treffen dabei auf Abgründe, die
sie eigentlich nach den Erlebnissen in Band 4 überwunden zu haben glaubten.
Parallel wird
die private Liaison zwischen Berger & Blom weitergestrickt. Die zwei
arbeiten zwar als Privatermittler zusammen, mehr oder weniger erfolgreich, aber
insbesondere Blom betont: Es gibt kein „wir“. Wie so oft in Krimis kann die
gemeinsame kleine Tochter praktischerweise bei der Oma geparkt werden und kommt
als Belastungsfaktor nicht weiter ins Spiel. Es hätte aber, nachdem schon im
letzten Band Bloms eigentlich geheime Wohnung von den Verbrechern ausfindig
gemacht worden war, nicht verwundert, wenn auch bezüglich der Tochter eine
Bedrohungssituation aufgebaut worden wäre.
Spannend wird
der Krimi hier dadurch, dass so viele verschiedene Personen auf scheinbar
dieselbe Sache zusteuern und alle doch ihre eigenen Ziele verfolgen: der
Mörder, seine wehrhaften Gegner, die Mafia, die Polizei, Berger und Blom und,
so die Erkenntnis am Ende, auch ein bisher nicht bekannter international
organisierter Zusammenschluss von Ermittlern, die den mafiösen Leitfiguren auf
der Spur waren und sind. Gerade Letzteres ist ein weiterer Klassiker, sowohl in
Filmen als auch Büchern über Verbrechen, dass da eine
verschwörungstheoriegeeignete Instanz im Hintergrund wirkt und die
zusammenlaufenden Fäden beobachtet. Die Realität zeigt leider das Gegenteil,
aber das muss ein Roman ja nicht verarbeiten.
Die Geschichte
liest sich rasch und spannend, die Bezüge zu den Vorromanen sind vorhanden,
aber werden so eingewoben, dass keine Verständnisschwierigkeiten entstehen. Die
Komplexität der Zusammenhänge ist hoch und an mancher Stelle sind die
Erkenntnissprünge der Ermittler etwas zu gut. Aber das tut dem Lesevergnügen
keinen Abbruch. Es ist eine schöne Fortsetzung der Reihe, deren Ende fast
befürchten lässt, dass das Ende der Ermittler Berger und Blom gekommen ist. Es
gibt zwar (wieder) einen Bezug zur Opcop-Reihe, aber vielleicht eher als
Startschuss von etwas Neuem.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 24.02.2022
- Seitenanzahl: 464
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-492-05929-9
Link zum Buch:
https://www.piper.de/buecher/null-gleich-eins-isbn-978-3-492-05929-9
