Samstag, 19. März 2022

Arne Dahl, Null gleich eins

Arne Dahl, Null gleich eins, Piper Verlag

Man weiß aus den bisherigen Romanen von Arne Dahl eines: es ist nie so richtig vorbei und so ist es auch diesmal. Im vorherigen Band 4 der seit 2016 laufenden Serie um Berger und Blom hatten es die zwei Ermittler mit der Mafia zu tun und schon in diesem, 2021 erschienenen Band war die Brutalität des Vorgehens der Gegner plakativ wie abschreckend. Der neue Band 5 kommt zwar eingangs deutlich subtiler und mysteriöser daher, aber im weiteren Verlauf wird klar, dass die Bezüge zum vierten Band mehr als real sind. Verquickt werden diesmal nicht nur klassische Ermittlungsarbeit, Profiling und ein komplexer scheinbarer Serienmörder, sondern auch wirtschaftskriminelle Verstrickungen als Triebfeder hinter so mancher Ungeheuerlichkeit. So verbindet Dahl all die Komponenten, die seine bisherigen erfolgreichen Romane ausmachen.

Grundgerüst der Geschichte sind an idyllischen Strandstellen aufgefundene Tote, deren Herkunft sich niemand so recht erklären kann. Zudem ist das Datum des Auffindens irritierend: immer am 5. eines Monats. Dennoch sorgt der Leiter der NOA, Landin, dafür, dass die Fälle nicht im Zusammenhang bearbeitet werden. Gleiches gilt für unerklärliche Axtmorde im Drogen- und OK-Milieu, die mit simpler Begründung ad acta gelegt werden sollen. Aber sowohl Berger & Blom als auch Kommissarin Rosenqvist, bekannt als Deer aus den vorherigen Bänden, erkennen die Zusammenhänge und ermitteln, insbesondere nach Deers Suspendierung, auf eigene Faust gegen den unbekannten Täter und treffen dabei auf Abgründe, die sie eigentlich nach den Erlebnissen in Band 4 überwunden zu haben glaubten.

Parallel wird die private Liaison zwischen Berger & Blom weitergestrickt. Die zwei arbeiten zwar als Privatermittler zusammen, mehr oder weniger erfolgreich, aber insbesondere Blom betont: Es gibt kein „wir“. Wie so oft in Krimis kann die gemeinsame kleine Tochter praktischerweise bei der Oma geparkt werden und kommt als Belastungsfaktor nicht weiter ins Spiel. Es hätte aber, nachdem schon im letzten Band Bloms eigentlich geheime Wohnung von den Verbrechern ausfindig gemacht worden war, nicht verwundert, wenn auch bezüglich der Tochter eine Bedrohungssituation aufgebaut worden wäre.

Spannend wird der Krimi hier dadurch, dass so viele verschiedene Personen auf scheinbar dieselbe Sache zusteuern und alle doch ihre eigenen Ziele verfolgen: der Mörder, seine wehrhaften Gegner, die Mafia, die Polizei, Berger und Blom und, so die Erkenntnis am Ende, auch ein bisher nicht bekannter international organisierter Zusammenschluss von Ermittlern, die den mafiösen Leitfiguren auf der Spur waren und sind. Gerade Letzteres ist ein weiterer Klassiker, sowohl in Filmen als auch Büchern über Verbrechen, dass da eine verschwörungstheoriegeeignete Instanz im Hintergrund wirkt und die zusammenlaufenden Fäden beobachtet. Die Realität zeigt leider das Gegenteil, aber das muss ein Roman ja nicht verarbeiten.

Die Geschichte liest sich rasch und spannend, die Bezüge zu den Vorromanen sind vorhanden, aber werden so eingewoben, dass keine Verständnisschwierigkeiten entstehen. Die Komplexität der Zusammenhänge ist hoch und an mancher Stelle sind die Erkenntnissprünge der Ermittler etwas zu gut. Aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Es ist eine schöne Fortsetzung der Reihe, deren Ende fast befürchten lässt, dass das Ende der Ermittler Berger und Blom gekommen ist. Es gibt zwar (wieder) einen Bezug zur Opcop-Reihe, aber vielleicht eher als Startschuss von etwas Neuem.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 24.02.2022
  • Seitenanzahl: 464
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-492-05929-9

Link zum Buch:

https://www.piper.de/buecher/null-gleich-eins-isbn-978-3-492-05929-9