Anja Kiel, Das Dings aus dem Schrank, Edel Kids Books
Von Dr. Verena Krenberger
Eine wahrhaft fantastische Geschichte erwartet junge Leserinnen und Leser, wenn sie das Dings aus dem Schrank kennenlernen werden. Was genau es ist, weiß man zwar bis zuletzt nicht, aber das macht auch nichts. Denn unverhofft erfüllt das Dings so manchen Kinderwunsch und bleibt bis zuletzt geheimnisvoll. Sophia ist 10 Jahre alt und wünscht sich eigentlich ein Haustier. Die Eltern sind elterntypisch dagegen, aber das beseitigt natürlich Sophias Wunsch nicht. In der Gegend gibt bzw. gab es einen merkwürdigen Spielzeugladen, Inhaber ist Edmund Experiri. Der kann Kinder offenbar nicht mehr so recht für sein eher altmodisch-technisches Spielzeug aus eigener Hand begeistern und so begibt er sich stattdessen auf Reisen. Einen schönen alten Schrank stellt er auf die Straße zum Verschenken. Sophia ist ganz angetan und überredet ihre Eltern, dass sie ihr den Schrank ins Kinderzimmer tragen. Beim Saubermachen entdeckt sie eine Nachricht von Experiri und den ersten Hinweis auf das Dings, das in diesem Schrank lebt. Was es genau ist, wie man mit ihm umgehen soll, was es zu sich nimmt und wie lange es bleiben wird – all das weiß Sophia nicht. Und sie traut sich erst recht nicht, ihren Eltern davon zu erzählen. Denn das Dings mit seiner gestelzten altmodischen Sprache bringt ihren Alltag erst einmal tüchtig durcheinander, indem es sich jeden Tag in eine andere Form verwandelt und dabei Dinge kaputt gehen oder Sophia in für sie unangenehme Situationen gerät. Aber mit der Zeit arrangieren sich die beiden und das Dings wird für Sophie nicht nur zu einer unerwarteten Hilfe in vielen Situationen, sondern sie gewinnt das kleine Wesen auch richtig lieb. Selbst ihren Freund Jan weiht sie irgendwann in ihr Geheimnis ein, auch um ihre Freundschaft mit der Heimlichtuerei nicht aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam werden ihre Erlebnisse mit dem eigenartigen Wesen noch viel aufregender und schöner. Noch dazu darf Sophia Dinge am eigenen Leib erfahren, die sie nie für möglich gehalten hätte: unsichtbar werden oder fliegen. Das toppt die vorherigen Überraschungen wie plötzliche Basketballkünste oder gelungene Bildkreationen im Unterricht um Längen. Die plötzlich auftauchenden Botschaften von Experiri zur Fütterung des Dings führen immer wieder zu erstaunlichen Wendungen, bis Sophia am Ende befürchtet, er werde das Dings, auf das sie nach seinen Worten eigentlich aufpassen soll, wieder zu sich nehmen. Gerade als sie mit Jan eines ihrer schönsten Erlebnisse zusammen mit dem Dings hat, erscheint Experiri. Jedoch ergibt sich dann alles ganz anders als Sophia es sich ausgemalt hat.
Die Geschichte
eignet sich sowohl zum Selbstlesen als auch zum Vorlesen, wobei man dann einige
Abende einplanen sollte. Es sind viele Details und Wendungen enthalten,
Emotionen und Entwicklungen, die für Vorschulkinder vielleicht noch ein wenig
zu komplex sind. Die Altersempfehlung ab ca. 8 Jahre ist also durchaus
berechtigt, gerade wenn es darum geht, die Dinge, zu denen Sophia auf einmal
dank des Dings imstande ist, zu erfassen und in die Welt der eigenen Wünsche
einzuordnen. Die Illustrationen sind liebenswert und hätte durchaus noch
umfangreicher sein dürfen. Positiv zu vermerken ist auch, dass sich die
negativen Emotionen und Wendungen des Buches sehr in Grenzen halten, für Kinder
verständlich aufbereitet und die Auflösungen gut nachzuvollziehen sind. Nichts
ist lästiger als künstlich aufgebauschte Konflikte und die findet man hier zum
Glück überhaupt nicht. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es
vorbehaltlos empfehlen.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 01.04.2022
- Seitenanzahl: 176
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3961292264
Link zum Buch:
verlagsseits nicht
vorhanden
