Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere. Endlich Ferien 7: Max und Muriel, Carlsen Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Das Spin-Off
„Endlich Ferien“ erlaubt der Autorin der Erfolgsreihe „Die Schule der magischen
Tiere“, ihre Charaktere und deren Beziehung zu ihrem magischen Tier noch weiter
auszubauen. Das ist für die jungen Leserinnen und Leser sehr schön, denn auf
diese Weise können sich die in der Hauptreihe teilweise etwas stereotypen
Figuren positiv weiterentwickeln und ihre dort vor allem zur Schau gestellten
Haupteigenschaften ergänzen, teilweise überwinden und dennoch zugleich ihre
Kernkompetenzen Gewinn bringend einsetzen. Zugleich sorgt diese Vereinzelung
des Blickwinkels auf nur ein Kind-Tier-Pärchen, dass auch Brüche mit den
Maximen der Hauptreihe entstehen und zwar insoweit, dass die Existenz der Tiere
als lebendige Begleiter wesentlich schwerer zu negieren ist, als wenn die große
Klassentruppe mit einem Haufen von vermeintlichen Plüschtieren aufschlägt. So
ist es auch hier: Muriel kann ihre Existenz als lebendiges Tier nicht lange verheimlichen,
aber Max hat eine geeignete Erklärung parat, mit der alle zufrieden sind.
Muriel als Eule ist dafür natürlich auch geeigneter als z.B. ein Leopard oder
ein Krokodil…
In Band sieben
der Ferien-Reihe darf nun Max mit seiner Eule Muriel ein eigenes Abenteuer
erleben. Die Klasse von Mary Cornfield ist ja recht zeitlos unterwegs und
verharrt trotz inzwischen 12 Büchern immer noch im Grundschulalter. Auch die
Ferien-Bücher sind insoweit zeitlich „unrealistisch“, dass es da immer mal
wieder zum einen recht kurze Ferien gibt, in denen zum anderen der Blick nur
auf je eines der Kinder geworfen wird. Das alles ist nur eine Nebenbeobachtung,
aber es fällt natürlich auf.
Max steht nun
wie die anderen 23 Kinder vor einer Ferienwoche und alle Kinder spekulieren
darauf, dass der „Professor“, wie Max ob seiner Intelligenz und seines meist
belehrenden Auftretens genannt wird, nach Ägypten reisen wird. Denn er leiht
sich passende Bücher aus der erstaunlich gut sortierten Schulbibliothek aus und
verspricht einigen Kindern, passende Souvenirs und natürlich Urlaubsbilder
mitzubringen. Dabei fährt Max nur eine Woche zu seiner großen Schwester, die in
einer etwas entfernt gelegenen Stadt studiert und dort in einer WG wohnt, in
die Max für die Zeit mit einziehen darf. Max‘ Eltern sind nicht wirklich
sensibel dafür, dass der kluge Bücherwurm Max vielleicht im Alltag ein wenig
mehr Hilfe bräuchte, und setzen ihn einfach in den Zug. Am Bahnhof ist
natürlich seine Schwester Leslie noch nicht da, sodass Max erst einmal etwas
verzweifelt ist. Später, endlich in der Wohnung angekommen, erlebt Max den
nächsten Kulturschock, denn die Mitbewohnerinnen, so freundlich sie auch alle
sind, teilen mit seiner Schwester nahezu alles und eine Zimmertür gibt es erst
einmal auch nicht. Immerhin arbeitet Charlie, eine Mitbewohnerin, im
Museumsshop des Ägyptischen Museums und Max darf sie begleiten. Ab dann
beginnen seine Ferien grandios zu werden. Denn er darf vor Ort seinen
Wissensschatz testen und erweitern, darf im Shop mithelfen und bekommt sogar
die Gelegenheit, bei einer im Museum aufgezeichneten Fernsehshow mit
Kinderwissensquiz dabei zu sein. Dass Leo und Ellie, Neffe und Nichte der
stellvertretenden Museumsleiterin, in den Ferien auch noch da sind und seiner
Ansicht nach etwas zu wild sind und nicht den nötigen Respekt vor den
ägyptischen Kostbarkeiten zeigen, ignoriert er anfangs erfolgreich. Bei den
Proben fällt ihm aber sofort auf, dass da viel Klamauk veranstaltet wird, dass
das Wissen der Moderatoren zu gering ist und er eigentlich viel präzisere
Informationen zum alten Ägypten parat hätte. So wird er durch einen glücklichen
Zufall zum Kinder-Co-Moderator ernannt, muss in dieser Rolle aber dennoch
seltsame Tätigkeiten ausführen. Schlimm wird es jedoch dann, als der echte
Moderator für die Proben erscheint: Karsten Markoni, an den Max noch schlimme
Erinnerungen aus der letzten Fernsehsendung hat, an der er mit seiner Klasse
teilnehmen durfte. Doch auch Markoni erkennt Max bald wieder und hat genauso
schlimme Erinnerungen, da seine Karriere nach der verunglückten Sendung damals
ins Stocken kam und er diese Sendung als neues Sprungbrett braucht. Da passt
ihm Max‘ Kritik natürlich gar nicht und er will ihn so schnell es geht
entfernen. Dafür greift er sogar zu einem fiesen Mittel, was Max an den Rand
der Verzweiflung bringt. Doch Max erhält unerwartet Hilfe von Flo und Ellie,
erfährt ebenso unerwartet Unterstützung von allen anderen beteiligten Kindern
und kann auf diese Weise vom nerdigen „Professor“ zu einem echten
abenteuerlustigen und liebenswerten Kind werden. Der Showdown der drei Kinder
und natürlich Muriel ist reihentypisch: spannend, aber kindgerecht, soll aber
der Eigenlektüre vorbehalten bleiben. Auch nach der Sendung zeigt Max noch neue
Qualitäten, was auch seiner älteren Schwester positiv auffällt. Diese
Entwicklung ist sehr positiv und entspricht damit dem Ansatz der gesamten
Reihe, nämlich das Beste in Kindern hervorzubringen.
Geübte
Leserinnen und Leser – das Buch ist zutreffend für Kinder ab 8 Jahren
vorgeschlagen – werden das Buch an einem (längeren) Abend verschlingen, andere
brauchen vielleicht einen Abend länger. Die Story ist in sich schlüssig und
liest sich flott, die emotionalen und auch sachlichen Rahmenbedingungen sind
stimmig und die enthaltenen Aufreger und Wendungen sind altersgerecht
verarbeitet. Das Buch ist unabhängig von den bisherigen Bänden lesbar und auch
die Kenntnis der Hauptreihe ist nicht zwingend nötig, jedoch förderlich, gerade
wegen des Rückbezugs zur damaligen Fernsehsendung. Aus meiner Sicht eine klare
Empfehlung und eine tolle Fortsetzung der Reihe.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 27.05.2022
- Seitenanzahl: 256
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3551653376
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