Sonntag, 5. Juni 2022

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere. Endlich Ferien 7: Max und Muriel

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere. Endlich Ferien 7: Max und Muriel, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Das Spin-Off „Endlich Ferien“ erlaubt der Autorin der Erfolgsreihe „Die Schule der magischen Tiere“, ihre Charaktere und deren Beziehung zu ihrem magischen Tier noch weiter auszubauen. Das ist für die jungen Leserinnen und Leser sehr schön, denn auf diese Weise können sich die in der Hauptreihe teilweise etwas stereotypen Figuren positiv weiterentwickeln und ihre dort vor allem zur Schau gestellten Haupteigenschaften ergänzen, teilweise überwinden und dennoch zugleich ihre Kernkompetenzen Gewinn bringend einsetzen. Zugleich sorgt diese Vereinzelung des Blickwinkels auf nur ein Kind-Tier-Pärchen, dass auch Brüche mit den Maximen der Hauptreihe entstehen und zwar insoweit, dass die Existenz der Tiere als lebendige Begleiter wesentlich schwerer zu negieren ist, als wenn die große Klassentruppe mit einem Haufen von vermeintlichen Plüschtieren aufschlägt. So ist es auch hier: Muriel kann ihre Existenz als lebendiges Tier nicht lange verheimlichen, aber Max hat eine geeignete Erklärung parat, mit der alle zufrieden sind. Muriel als Eule ist dafür natürlich auch geeigneter als z.B. ein Leopard oder ein Krokodil…

In Band sieben der Ferien-Reihe darf nun Max mit seiner Eule Muriel ein eigenes Abenteuer erleben. Die Klasse von Mary Cornfield ist ja recht zeitlos unterwegs und verharrt trotz inzwischen 12 Büchern immer noch im Grundschulalter. Auch die Ferien-Bücher sind insoweit zeitlich „unrealistisch“, dass es da immer mal wieder zum einen recht kurze Ferien gibt, in denen zum anderen der Blick nur auf je eines der Kinder geworfen wird. Das alles ist nur eine Nebenbeobachtung, aber es fällt natürlich auf.

Max steht nun wie die anderen 23 Kinder vor einer Ferienwoche und alle Kinder spekulieren darauf, dass der „Professor“, wie Max ob seiner Intelligenz und seines meist belehrenden Auftretens genannt wird, nach Ägypten reisen wird. Denn er leiht sich passende Bücher aus der erstaunlich gut sortierten Schulbibliothek aus und verspricht einigen Kindern, passende Souvenirs und natürlich Urlaubsbilder mitzubringen. Dabei fährt Max nur eine Woche zu seiner großen Schwester, die in einer etwas entfernt gelegenen Stadt studiert und dort in einer WG wohnt, in die Max für die Zeit mit einziehen darf. Max‘ Eltern sind nicht wirklich sensibel dafür, dass der kluge Bücherwurm Max vielleicht im Alltag ein wenig mehr Hilfe bräuchte, und setzen ihn einfach in den Zug. Am Bahnhof ist natürlich seine Schwester Leslie noch nicht da, sodass Max erst einmal etwas verzweifelt ist. Später, endlich in der Wohnung angekommen, erlebt Max den nächsten Kulturschock, denn die Mitbewohnerinnen, so freundlich sie auch alle sind, teilen mit seiner Schwester nahezu alles und eine Zimmertür gibt es erst einmal auch nicht. Immerhin arbeitet Charlie, eine Mitbewohnerin, im Museumsshop des Ägyptischen Museums und Max darf sie begleiten. Ab dann beginnen seine Ferien grandios zu werden. Denn er darf vor Ort seinen Wissensschatz testen und erweitern, darf im Shop mithelfen und bekommt sogar die Gelegenheit, bei einer im Museum aufgezeichneten Fernsehshow mit Kinderwissensquiz dabei zu sein. Dass Leo und Ellie, Neffe und Nichte der stellvertretenden Museumsleiterin, in den Ferien auch noch da sind und seiner Ansicht nach etwas zu wild sind und nicht den nötigen Respekt vor den ägyptischen Kostbarkeiten zeigen, ignoriert er anfangs erfolgreich. Bei den Proben fällt ihm aber sofort auf, dass da viel Klamauk veranstaltet wird, dass das Wissen der Moderatoren zu gering ist und er eigentlich viel präzisere Informationen zum alten Ägypten parat hätte. So wird er durch einen glücklichen Zufall zum Kinder-Co-Moderator ernannt, muss in dieser Rolle aber dennoch seltsame Tätigkeiten ausführen. Schlimm wird es jedoch dann, als der echte Moderator für die Proben erscheint: Karsten Markoni, an den Max noch schlimme Erinnerungen aus der letzten Fernsehsendung hat, an der er mit seiner Klasse teilnehmen durfte. Doch auch Markoni erkennt Max bald wieder und hat genauso schlimme Erinnerungen, da seine Karriere nach der verunglückten Sendung damals ins Stocken kam und er diese Sendung als neues Sprungbrett braucht. Da passt ihm Max‘ Kritik natürlich gar nicht und er will ihn so schnell es geht entfernen. Dafür greift er sogar zu einem fiesen Mittel, was Max an den Rand der Verzweiflung bringt. Doch Max erhält unerwartet Hilfe von Flo und Ellie, erfährt ebenso unerwartet Unterstützung von allen anderen beteiligten Kindern und kann auf diese Weise vom nerdigen „Professor“ zu einem echten abenteuerlustigen und liebenswerten Kind werden. Der Showdown der drei Kinder und natürlich Muriel ist reihentypisch: spannend, aber kindgerecht, soll aber der Eigenlektüre vorbehalten bleiben. Auch nach der Sendung zeigt Max noch neue Qualitäten, was auch seiner älteren Schwester positiv auffällt. Diese Entwicklung ist sehr positiv und entspricht damit dem Ansatz der gesamten Reihe, nämlich das Beste in Kindern hervorzubringen.

Geübte Leserinnen und Leser – das Buch ist zutreffend für Kinder ab 8 Jahren vorgeschlagen – werden das Buch an einem (längeren) Abend verschlingen, andere brauchen vielleicht einen Abend länger. Die Story ist in sich schlüssig und liest sich flott, die emotionalen und auch sachlichen Rahmenbedingungen sind stimmig und die enthaltenen Aufreger und Wendungen sind altersgerecht verarbeitet. Das Buch ist unabhängig von den bisherigen Bänden lesbar und auch die Kenntnis der Hauptreihe ist nicht zwingend nötig, jedoch förderlich, gerade wegen des Rückbezugs zur damaligen Fernsehsendung. Aus meiner Sicht eine klare Empfehlung und eine tolle Fortsetzung der Reihe.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 27.05.2022
  • Seitenanzahl: 256
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3551653376

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/die-schule-der-magischen-tiere-endlich-ferien-7-max-und-muriel/978-3-551-65337-6