Jochen Till, Die höchstfamose Zoo-Schule, Edel Kids Books Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Das insbesondere
an Erstklässler, bzw. baldige Erstklässler gerichtete Buch verfolgt eigentlich
ein hehres Ziel: Aus dem Schulalltag in einer Form berichten, in der sämtliche
möglichen Ängste adressiert werden und am Ende alles gut ausgeht, sodass die Angst
vom dem ersten Schultag etwas genommen wird. Transformiert in die Welt der
Tiere wird am Beispiel von Gorillas, Giraffen, Pinguinen und Faultieren in
jeder kleinen Geschichte ein Szenario dargestellt, wie man es sich
schlimmstenfalls ausmalt, wenn man seinen ersten Schultag noch vor sich hat.
Die vermenschlichten Tierkinder werden als Stereotype dargestellt, die in
wunderbar plakativen und witzigen Illustrationen die kleinen Leser schnell in
die jeweilige Geschichte eintauchen lassen. Erst in der letzten Geschichte
finden dann einige der Protagonisten zusammen, zunächst steht jede Geschichte
nur mit dem verbindenden Element des Direktors für sich allein. Nur leider
verfehlt der Anspruch des Buches in der Durchführung sein Ziel:
Zunächst ist zu
bemängeln, dass das Buch leider keinem akribischen Lektorat unterzogen wurde.
Schon der Titel hätte mit Blick auf die Zielgruppe der Erstleser überdacht
werden müssen: Wer kennt in diesem Alter schon das Wort „famos“ und was genau
ist das Adjektiv „höchstfamos“ – meint man nicht eher „höchst famos“? Dann
unterlaufen kleine Fehler: „Direktor“ Lernegern wird ab und zu umbenannt in
„Doktor“ Lernegern (S.11) oder der Lehrer „Herr Schlürf“ wird einmal zu „Herr
Schnalle“ (S.32) und auf einem Bild sind plötzlich Eisbären auf dem
Siegertreppchen, die in der Geschichte gar nicht vorkamen (S.40).
Des Weiteren
geht tatsächlich alles schief in dieser Schule: Wärme, Geborgenheit,
Zuverlässigkeit und verlässliche Strukturen strahlt diese Schule nicht aus -
dabei soll doch genau das am Ende von den Erstlesern beruhigend angenommen
werden. Der Direktor ist völlig verschusselt, weiß nicht wo oben und unten ist,
geschweige denn hat er seinen Laden im Griff. Der kleine Gorilla hat seine
Eltern verloren und heult wie verrückt, aber der Direktor hat keine Ahnung, wie
er sich um das Gorilla-Kind kümmern soll. Der Hausmeister ist natürlich
schrecklich brummelig und sieht Kinder nur als Unruhestifter und Chaoten. Der
erste Lehrer, der in der Geschichte auftaucht, ist ein Walross, das den Schülern
nicht zuhört und somit ein Stinktier in die Pinguin-Klasse steckt, obwohl es
mehrmals darauf hinzuweisen versucht, dass es hier nicht hingehört.
Schlussendlich wird das Stinktier gezwungen zu schwimmen, obwohl er das nicht
kann. Oder der kleine Giraffen-Junge, der von fiesen großen Jungs gehänselt
wird und sich wegen seines kurzen Halses schämt. Alles entsetzliche
Vorstellungen für einen Erstklässler, mit denen er in den Geschichten
konfrontiert wird.
Zum Glück geht
am Ende alles gut aus: Das Gorilla-Kind findet seine Eltern wieder (um ganz
divers zu sein, handelt es sich dabei um Chamäleons, die ihn adoptiert haben),
das Stinktier lernt tauchen und darf am Ende in die richtige Klasse und der
Giraffen-Junge führt bei einer Olympiade seine Klasse zum Sieg, so dass er
akzeptiert wird.
Das ganze Buch
wirkt so, als hätten Erwachsene darüber nachgedacht, was einem Erstklässler
alles Schlimmes passieren kann, hätten dies in grellen Farben ausgemalt und
schlussendlich in ein maximal inklusives Happy End gegossen. Konstruiert und
fern der Lebenswirklichkeit von Erstklässlern wird zunächst auf Ängsten
ausgiebig herumgeritten und das Happy End unrealistisch und sehr kurz
präsentiert. Die kleinen Leser fiebern mit den Protagonisten mit, haben mit
ihnen Angst und sind unglaublich erleichtert, wenn die Pein ein Ende hat. Doch
ob damit auch nur einem Erstklässler die Angst vor dem ersten Schultag genommen
wird, mag bezweifelt werden – eher wurde er noch darauf hingewiesen, was alles
schief gehen kann. Mehr irreale Probleme, mehr Witz und weniger Realsatire mit
Menschen in tierischem Gewand hätten dem Buch gut getan.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 06.08.2022
- Seitenanzahl: 112
- Altersempfehlung: Ab 6 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3961292639
