Charlotte Habersack, Bitte nicht öffnen: Winzig!, Carlsen Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Die große
Fangemeinde der beliebten Reihe hat sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet
und mit dem siebten Band ist sie in diesem Sommer erschienen. Die Fans werden
nicht enttäuscht – in gewohnter und routinierter Manier führt die Autorin durch
das neue aberwitzige Abenteuer. Die drei Freunde Nemo, Oda und Fred müssen sich
diesmal um winzige Sammelfiguren kümmern, die in dem geheimnisvollen Päckchen
waren, das „An Niemand, wo der Pfeffer wächst, am Arsch der Welt“ geschickt
wurde. Wieder werden die kleinen Spielzeuge auf magische Weise lebendig und
sorgen für allerlei Chaos. Diesmal ist es nicht ein einzelnes Spielzeug, das
die Welt der Kleinstadt Boring auf den Kopf stellt, sondern eine ganze Horde
von 100 winzigen Maipupus. Diese wurden ursprünglich aus Bonbons freigelutscht
und entsprechend stellt sich auch das Wetter ein: Gab es sengende Hitze, als
Drache Draga aus dem Paket stieg oder Schneechaos beim Yeti, hagelt es diesmal
erst feine Zuckerstreusel, dann aber immer größer werdende Bonbons, die zu
schweren Schäden in Boring führen. Nemo, Fred und Oda finden das Kind, das sie
mit den Maipupus wiedervereinen müssen, diesmal ziemlich schnell – nur die
Maipupus zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen, so dass ein wilder Wettlauf
gegen die Zeit beginnt. Zugleich sind die drei Freunde weiterhin auf der Suche
nach dem gruseligen Spielzeugdieb, der hinter den verschickten Päckchen steckt.
In diesem Band wird nun ein Teil des Rätsels gelüftet, doch noch nicht jedes
Detail ist am Ende aufgedeckt, so dass es spannend bleibt, was die nächsten
Bände noch zur Lösung des Kriminalfalls beitragen.
In diesem Band
gibt es mehrmals Uneinigkeit zwischen den drei Freunden. Schon die Frage, ob
und wann das Päckchen geöffnet werden soll, wird nicht im Konsens entschieden.
Die Ermittlungen nach dem Spielzeugdieb, entzweien die Freunde kurzzeitig dann
völlig – Nemo ist völlig anderer Meinung als Fred und Oda, so dass es zu einem
richtigen Streit kommt. Das ist neu in dieser Reihe! Schon öfter gab es
unterschiedliche Meinungen, doch richtig gestritten wurde bisher nicht.
Wertvoll ist, dass gezeigt wird, dass es nicht schlimm ist, wenn man seine
Meinung aufgrund anderer stärkerer Argumente ändert und dass man trotzdem
zusammenhalten kann, auch wenn man zuvor gestritten hatte. Freundschaften
sollten Meinungsverschiedenheiten aushalten. Das ist eine schöne Botschaft an
die junge Leserschaft.
Die liebevollen
Schwarz-weiß-Illustrationen beleben die Geschichte wieder aufs Vorzüglichste
und die Detailgenauigkeit, mit der die gezeichneten Maipupus mit den Beschreibungen
im Text übereinstimmen, gefällt kleinen Lesern. In anderen Büchern ist genau
das oft das Problem: Die Personenbeschreibungen passen nicht zu den
abgebildeten Figuren, was kleine Leser sofort entdecken und was massiv stört.
Die kleinen Maipupus aber, die im Buch erwähnt werden, sind im großen
Eingangsbild ebenso zu finden, wie auf den Illustrationen zwischen den
Kapiteln, so dass man in dem Gewusel kleine Freunde wiedererkennt.
Schlussendlich
ist diesmal der Hauptcharakter Nemo - sonst nicht immer der strahlende Gewinner
und größte Held der Geschichte. Ab und an schaut auch er recht blamabel aus der
Wäsche und auch Fred und Oda haben ihre spektakulären Auftritte. Das tut dem
Gleichgewicht der Figuren in der Geschichte sehr gut, zumal sich kleine Leser
mit den verschiedenen Charakteren gut identifizieren können.
Der siebte Band
„Winzig“ ist somit ein würdiger Vertreter in dieser empfehlenswerten Reihe und
die junge Probeleserschaft sagt sogar, es sei ihr bester!
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 29.08.2022
- Seitenanzahl: 288
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65217-1
Link zum Buch:
https://www.carlsen.de/hardcover/bitte-nicht-offnen-7-winzig/978-3-551-65217-1
