Sonntag, 26. Februar 2023

Ole Könnecke / Hans Könnecke, Hört sich gut an!

Ole Könnecke / Hans Könnecke, Hört sich gut an!, Hanser Verlag

Musikalische Früherziehung ist ebenso en vogue wie sinnvoll. Der natürliche und kindgerechte Zugang zu Musik bringt Kindern eine ganze Welt kultureller Tradition näher und ermöglicht ihnen zugleich einen Weg, um sich auszudrücken. Jegliches Heranführen an die Welt der Musik ist daher absolut zu begrüßen und der Markt der Musik-erklärenden Bücher ist umfangreich.

Hier liegt nun ein innovativer neuer Ansatz vor, wie Kindern ein möglichst breites Spektrum auch eher unbekannter Musikinstrumente vorgeführt werden kann. Dies ist umso sinnvoller, als die Musikschulen üblicherweise die in der westlichen Tradition gängigen Instrumente vorhalten und Kinder über Glockenspiel, Blockflöte, Klavier und Gitarre hinaus zumindest im (vor-)schulischen Musikunterricht kaum etwas anderes kennenlernen. Der Blick über den Tellerrand verhilft Kindern zu einem mehrfachen Erkenntnisgewinn: Nicht nur ist die Welt der Musik facettenreicher als die traditionellen Kinderlieder erwarten lassen, sondern andere Länder haben auch andere Musikstile und -instrumente, und auch die verschiedenen Musikrichtungen bieten eine vielfältige Ausdrucksart der Instrumente.

Das Buch ist so aufgebaut, dass über 50 Instrumente auf je einer Doppelseite mit einer großformatigen, kindgerecht und bunt gestalteten Illustration des Instruments, gespielt von einem witzigen Tier, portraitiert werden. Es gibt einen kleinen Erläuterungstext zu Bauart, Spielweise oder Herkunft oder auch ein paar Fun Facts zu jedem Instrument. Der Clou des Buches sind aber die QR-Codes, die für jedes Instrument eine kurze Sequenz eines Solos abspielen lassen. Dabei werden die gängigen Orchesterinstrumente vorgestellt, aber auch spannende Instrumente aus fernen Ländern, darunter Dulcimer, Kalimba, Sitar oder Lure. Auch werden ungewöhnliche Instrumente wie das Theremin oder das Vibrafon vorgestellt und auch den menschlichen Stimmlagen wird Raum gegeben.

Natürlich könnte man sich bei manchem Erläuterungstext ein paar mehr tiefergehende Informationen wünschen, denn ab und zu ist der Informationsgehalt etwas dünn (dass das Didgeridoo aus Australien stammt, wäre zum Beispiel eine interessante und naheliegende Information gewesen). Auch ist das Solo manches Instruments ziemlich sehr „Modern Jazz“ – die Harmonie in der Melodie ist wenig eingängig und es klingt eher nach sterbendem Schwan, wenn zum Beispiel die Querflöte mit aller Macht überblasen wird, als nach einem Instrument, das sich ein Kind nach dem Hören des Solos unter den Weihnachtsbaum wünscht. Aber das ist natürlich absolut Geschmackssache und auch Ausdruck der oben so gelobten Vielfalt nicht nur der Instrumente, sondern auch der Anwendungsmöglichkeiten der Instrumente. Es muss nicht immer „Hänschen Klein“ sein. Und besonders witzig ist das Solo der Triangel, das aus einem einzigen Ton besteht.

Ein weiteres Highlight ist der QR-Code auf dem Cover, der ein kurzes Orchesterstück nahezu aller portraitierten Instrumente bietet. Anzuhören ist das kurze Stück damit wie ein Wimmelbild, bei dem die Kinder versuchen können, einzelne Instrumente herauszuhören.

Insgesamt kann als Resümee festgehalten werden, dass es sich hier um ein innovatives und abwechslungsreiches Buch handelt, das für Kinder vom Vorschulalter bis zur weiterführenden Schule eine spannende Beschäftigung mit Musik bietet. Die Idee mit den QR-Codes ist genial umgesetzt, die Stücke sind kurz aber prägnant und die Handhabung ist einfach und bedienfreundlich. Daher eine absolute Kaufempfehlung für dieses Buch.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 26.09.2022
  • Seitenanzahl: 112
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3446274358

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/hoert-sich-gut-an/978-3-446-27435-8/

Montag, 6. Februar 2023

Tobias Klostermann (Autor) / claire Lenkova (Illustrationen), Wie werde ich reicher als meine Eltern?

Tobias Klostermann (Autor) / claire Lenkova (Illustrationen), Wie werde ich reicher als meine Eltern?, Hanser Verlag

Ein provokanter Titel und lebendige Illustrationen sind schon einmal gute Voraussetzungen, um das Interesse von Teenagern, auf die das Buch zugeschnitten ist, zu wecken. Auch wenn die Lektüre von Büchern während der Pubertät bei den meisten Kindern nicht mehr zu den primären Hobbies zählen dürfte, sind Werke wie dieses, die die Leserinnen und Leser bei einem konkreten Interesse abzuholen vermögen, eine belastbare Empfehlung. Warum komme ich zu dieser Einschätzung?

Zum ersten ist es das Thema selbst: Geld ist für Jugendliche stets ein Thema und oft mit Sorgen behaftet: Habe ich derzeit ausreichend Geld zur Verfügung? Wie wird es später einmal aussehen? Wie funktioniert Geld überhaupt, denn das bringt uns die Schule nicht bei? Muss ich so werden, wie die Poser auf YouTube und Instagram? Rund um das Thema der Schaffung von Reichtum werden zwar einige historische, psychologische, technische und wissenschaftliche Grundlagen angeschnitten, aber nie überfrachtet, sodass man von Anfang bis Ende schön durch die Materie geführt wird. Und das nicht reißerisch oder altklug, sondern mit klarer Struktur, deutlichen Warnhinweisen auf die Realität und der nötigen Portion bewusster Selbstwahrnehmung, die im Zuge der Geldvermehrung nie untergehen darf.

Der nächste positive Aspekt ist die Sprache des Werks: Klostermann schafft es, die Thematik des Geldverdienens und der Reichtumsanbahnung auf nachvollziehbare Ansätze in klarer Sprache herunterzubrechen. Bisweilen verwendet er Vokabular, das für die Zielgruppe ein wenig zu fortgeschritten erscheint bzw. zeitlich unpassend ist (Alkoholkonsum, Autofahrten, etc. – das ist für Teenager ab 12 Jahren, für die das Buch verlagsseits empfohlen wird noch weit weg…). Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zur lebendigen Darstellung, die auch unangenehme Wahrheiten nicht verhehlt und auf die Unplanbarkeit des Vermögenszuwachses nicht nur einmal verweist. Nach der Lektüre das Gefühl dafür zu bekommen, es letzten Endes mit einem Risiko zu tun zu haben, dessen Ausschläge man durch kluge Anlagen minimieren möchte und es keinen sicheren und legalen Weg zu schnellem Reichtum gibt, ist ein großer Verdienst des Autors.

Schließlich ist es inhaltlich ein weiterer lobenswerter Ansatz, dass Klostermann konsequent Dinge ins Spiel bringt, die Investitionen beeinflussen können, aber nicht müssen: Wie nachhaltig sollen die Unternehmen sein, an denen ich mich beteiligen möchte? Wie viel Verzicht „gönne“ ich mir jetzt, um für eine verzichtärmere Zukunft vorzuarbeiten? Die Selbststrukturierung der eigenen Vorstellungen und Wünsche ist für Teenager eine beachtliche gedankliche Herausforderung. Mit den prägnant formulierten Empfehlungen von Klostermann kann man wenigstens in Finanzsachen für sich selbst einen guten Weg finden.

Man könnte am Ende ein wenig irritiert fragen, wieso die Eltern gerade die Vergleichsgruppe sein sollen. Vielleicht geht es denen ja finanziell schon gut. Doch Klostermann macht frühzeitig klar: es geht um den Informationsvorsprung, den diese Generation dank Internet und mobilen Endgeräten hat und den die vorigen Generationen nicht hatten. So kann man sich das nötige Detailwissen barrierefrei zusammentragen, um seine eigenen Investitionen zu tätigen. Ist man dann mit dem Grundhandwerkszeug konsequent, kann tatsächlich eine entsprechende Zuwachskurve generiert werden. Muss aber nicht. Auch darauf weist Klostermann hin. Geld allein macht nicht zwingend glücklich. Ein sehr lesenswertes Buch und ein guter Ratgeber für Jugendliche, die eine erste Orientierung in Geld- und Finanzfragen suchen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 24.10.2022
  • Seitenanzahl: 160
  • Altersempfehlung: Ab 12 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-27497-6

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/wie-werde-ich-reicher-als-meine-eltern/978-3-446-27497-6/