Tobias Klostermann (Autor) / claire Lenkova (Illustrationen), Wie werde ich reicher als meine Eltern?, Hanser Verlag
Ein provokanter Titel und lebendige
Illustrationen sind schon einmal gute Voraussetzungen, um das Interesse von
Teenagern, auf die das Buch zugeschnitten ist, zu wecken. Auch wenn die Lektüre
von Büchern während der Pubertät bei den meisten Kindern nicht mehr zu den
primären Hobbies zählen dürfte, sind Werke wie dieses, die die Leserinnen und
Leser bei einem konkreten Interesse abzuholen vermögen, eine belastbare
Empfehlung. Warum komme ich zu dieser Einschätzung?
Zum ersten ist es das Thema selbst: Geld
ist für Jugendliche stets ein Thema und oft mit Sorgen behaftet: Habe ich
derzeit ausreichend Geld zur Verfügung? Wie wird es später einmal aussehen? Wie
funktioniert Geld überhaupt, denn das bringt uns die Schule nicht bei? Muss ich
so werden, wie die Poser auf YouTube und Instagram? Rund um das Thema der
Schaffung von Reichtum werden zwar einige historische, psychologische,
technische und wissenschaftliche Grundlagen angeschnitten, aber nie
überfrachtet, sodass man von Anfang bis Ende schön durch die Materie geführt
wird. Und das nicht reißerisch oder altklug, sondern mit klarer Struktur,
deutlichen Warnhinweisen auf die Realität und der nötigen Portion bewusster
Selbstwahrnehmung, die im Zuge der Geldvermehrung nie untergehen darf.
Der nächste positive Aspekt ist die
Sprache des Werks: Klostermann schafft es, die Thematik des Geldverdienens und
der Reichtumsanbahnung auf nachvollziehbare Ansätze in klarer Sprache
herunterzubrechen. Bisweilen verwendet er Vokabular, das für die Zielgruppe ein
wenig zu fortgeschritten erscheint bzw. zeitlich unpassend ist (Alkoholkonsum,
Autofahrten, etc. – das ist für Teenager ab 12 Jahren, für die das Buch
verlagsseits empfohlen wird noch weit weg…). Aber das sind Kleinigkeiten im
Vergleich zur lebendigen Darstellung, die auch unangenehme Wahrheiten nicht
verhehlt und auf die Unplanbarkeit des Vermögenszuwachses nicht nur einmal
verweist. Nach der Lektüre das Gefühl dafür zu bekommen, es letzten Endes mit
einem Risiko zu tun zu haben, dessen Ausschläge man durch kluge Anlagen
minimieren möchte und es keinen sicheren und legalen Weg zu schnellem Reichtum
gibt, ist ein großer Verdienst des Autors.
Schließlich ist es inhaltlich ein weiterer
lobenswerter Ansatz, dass Klostermann konsequent Dinge ins Spiel bringt, die
Investitionen beeinflussen können, aber nicht müssen: Wie nachhaltig sollen die
Unternehmen sein, an denen ich mich beteiligen möchte? Wie viel Verzicht
„gönne“ ich mir jetzt, um für eine verzichtärmere Zukunft vorzuarbeiten? Die
Selbststrukturierung der eigenen Vorstellungen und Wünsche ist für Teenager
eine beachtliche gedankliche Herausforderung. Mit den prägnant formulierten
Empfehlungen von Klostermann kann man wenigstens in Finanzsachen für sich
selbst einen guten Weg finden.
Man könnte am Ende ein wenig irritiert
fragen, wieso die Eltern gerade die Vergleichsgruppe sein sollen. Vielleicht
geht es denen ja finanziell schon gut. Doch Klostermann macht frühzeitig klar:
es geht um den Informationsvorsprung, den diese Generation dank Internet und
mobilen Endgeräten hat und den die vorigen Generationen nicht hatten. So kann
man sich das nötige Detailwissen barrierefrei zusammentragen, um seine eigenen
Investitionen zu tätigen. Ist man dann mit dem Grundhandwerkszeug konsequent,
kann tatsächlich eine entsprechende Zuwachskurve generiert werden. Muss aber
nicht. Auch darauf weist Klostermann hin. Geld allein macht nicht zwingend
glücklich. Ein sehr lesenswertes Buch und ein guter Ratgeber für Jugendliche,
die eine erste Orientierung in Geld- und Finanzfragen suchen.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 24.10.2022
- Seitenanzahl: 160
- Altersempfehlung: Ab 12 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-27497-6
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