Donnerstag, 19. Oktober 2023

Zuzanna Kisielewska, Von Carpe Diem bis Post Scriptum

Zuzanna Kisielewska, Von Carpe Diem bis Post Scriptum - 100 (gar nicht so) antike Redewendungen und ihre Geschichten, Hanser Verlag

Im gymnasialen und akademischen Sprachgebrauch sind Redewendungen lateinischen Ursprungs immer noch zu finden und teilweise üblich, je nach konkretem Wissenschaftszweig. Nachdem gleichzeitig aber die breite Ausbildung an den Schulen in der lateinischen Sprache rückläufig ist und gegenüber den modernen romanischen Sprachen inzwischen ein Nischendasein fristet, ist es umso wichtiger, dass Kindern und Jugendlichen das, was wir im Alltag an lateinischen Versatzstücken immer wieder sehen, lesen oder hören können, verständlich erklärt wird. Zuzanna Kisielwska gibt eingangs einen Einblick dazu, wie sie die lateinische Sprache kennen und lieben gelernt hat und sich auch heute noch damit befasst. Dieses Wissen und auch ein wenig die Euphorie dahinter weiterzugeben und zwar in Form von zusammengefassten, leicht verständlichen aber dennoch präzisen Beschreibungen von lateinischen Ausdrücken, Sätzen oder Redewendungen mitsamt der dahinter stehenden Personen, Szenen oder historischen Zusammenhänge, ist ein gewaltiges, aber lohnenswertes Stück Arbeit. Und es ist ihr gelungen!

Nach dem Vorgeplänkel mit einigen wenigen Ausdrücken folgen insgesamt neun thematisch sortierte Kapitel, beginnend mit berühmten Zitaten, u.a. des Caesar (Veni, vidi, vici) oder des Archimedes (Noli turbare circulos meos). Sodann dürfen Mottos und Devisen, Gebäude, Lebenswahrheiten oder Gute Ratschläge ganze Abschnitte füllen und den jeweiligen Worten Leben einflößen. Weiter geht es mit den Oberthemen Geld, Medizin, Zeit und – natürlich abschließend – dem Tod. So wird z.B. vorgestellt, wie sich Staaten oder Organisationen mit lateinischen Phrasen schmücken, um gewünschte Werte oder Ziele auszudrücken (Semper fidelis). Ebenfalls werden Inschriften an Gebäuden präsentiert, die zum Inhalt der Gebäude passen, aber eben auch die Bevölkerung unterrichten sollten (pacta sunt servanda; dura lex sed lex). Die Lebensweisheiten sind von ihrer inhaltlichen Güte natürlich unterschiedlich und umfassen Philosophisches, Trinksprüche oder Allgemeinplätze. Viele Protagonisten der lateinischen Sprache werden erwähnt und kurz skizziert, so etwa Cicero, Seneca, Vergil oder Plautus. Ebenfalls erwähnt werden einige Griechen, was insofern berechtigt ist, dass römische Autoren über sie geschrieben oder deren Texte ins Lateinische transferiert haben.

Insgesamt ergibt sich ein schöner Gesamteindruck, viel Wissen wird vermittelt, die Nebeninformationen und Einschätzungen der Autorin sorgen für die nötige Abrundung zum reinen Grundtext. Das Einzige, was mich ein wenig rätseln lässt, ist die Eignung als Kinderbuch. Erwachsene mit lateinischer Vorbildung und Freude an Literatur werden das Buch wertschätzen, aber werden sie ein Kinderbuch kaufen? Besonders wissbegierige Gymnasiasten werden es ihnen sicherlich gleichtun und das Buch mit Freude lesen - aber wohl eher nur, wenn sie einen altsprachlichen Zweig besuchen. Die verlagsseits getroffene Einschätzung, dass das Buch für Kinder ab 10 Jahren zu empfehlen ist, dürfte deshalb voll zutreffen. Für jüngere Kinder ist das Buch nur bei entsprechender privater Neigung oder Vorbildung zu verstehen.

Dennoch: das Buch ist toll gemacht und eine echte sprachliche Bereicherung, damit man auch weiß, wovon man spricht, wenn man lateinische Redewendungen im Alltag nutzt.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 23.10.2023
  • Seitenanzahl: 112
  • Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-27725-0

Link zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/von-carpe-diem-bis-post-scriptum/978-3-446-27725-0/