Zuzanna Kisielewska, Von Carpe Diem bis Post Scriptum - 100 (gar nicht so) antike Redewendungen und ihre Geschichten, Hanser Verlag
Im gymnasialen und akademischen
Sprachgebrauch sind Redewendungen lateinischen Ursprungs immer noch zu finden
und teilweise üblich, je nach konkretem Wissenschaftszweig. Nachdem
gleichzeitig aber die breite Ausbildung an den Schulen in der lateinischen Sprache
rückläufig ist und gegenüber den modernen romanischen Sprachen inzwischen ein
Nischendasein fristet, ist es umso wichtiger, dass Kindern und Jugendlichen
das, was wir im Alltag an lateinischen Versatzstücken immer wieder sehen, lesen
oder hören können, verständlich erklärt wird. Zuzanna Kisielwska gibt eingangs
einen Einblick dazu, wie sie die lateinische Sprache kennen und lieben gelernt
hat und sich auch heute noch damit befasst. Dieses Wissen und auch ein wenig
die Euphorie dahinter weiterzugeben und zwar in Form von zusammengefassten,
leicht verständlichen aber dennoch präzisen Beschreibungen von lateinischen
Ausdrücken, Sätzen oder Redewendungen mitsamt der dahinter stehenden Personen,
Szenen oder historischen Zusammenhänge, ist ein gewaltiges, aber lohnenswertes
Stück Arbeit. Und es ist ihr gelungen!
Nach dem Vorgeplänkel mit einigen wenigen
Ausdrücken folgen insgesamt neun thematisch sortierte Kapitel, beginnend mit
berühmten Zitaten, u.a. des Caesar (Veni, vidi, vici) oder des Archimedes (Noli
turbare circulos meos). Sodann dürfen Mottos und Devisen, Gebäude,
Lebenswahrheiten oder Gute Ratschläge ganze Abschnitte füllen und den
jeweiligen Worten Leben einflößen. Weiter geht es mit den Oberthemen Geld,
Medizin, Zeit und – natürlich abschließend – dem Tod. So wird z.B. vorgestellt,
wie sich Staaten oder Organisationen mit lateinischen Phrasen schmücken, um
gewünschte Werte oder Ziele auszudrücken (Semper fidelis). Ebenfalls werden
Inschriften an Gebäuden präsentiert, die zum Inhalt der Gebäude passen, aber
eben auch die Bevölkerung unterrichten sollten (pacta sunt servanda; dura lex
sed lex). Die Lebensweisheiten sind von ihrer inhaltlichen Güte natürlich
unterschiedlich und umfassen Philosophisches, Trinksprüche oder
Allgemeinplätze. Viele Protagonisten der lateinischen Sprache werden erwähnt
und kurz skizziert, so etwa Cicero, Seneca, Vergil oder Plautus. Ebenfalls
erwähnt werden einige Griechen, was insofern berechtigt ist, dass römische
Autoren über sie geschrieben oder deren Texte ins Lateinische transferiert
haben.
Insgesamt ergibt sich ein schöner
Gesamteindruck, viel Wissen wird vermittelt, die Nebeninformationen und
Einschätzungen der Autorin sorgen für die nötige Abrundung zum reinen
Grundtext. Das Einzige, was mich ein wenig rätseln lässt, ist die Eignung als
Kinderbuch. Erwachsene mit lateinischer Vorbildung und Freude an Literatur
werden das Buch wertschätzen, aber werden sie ein Kinderbuch kaufen? Besonders
wissbegierige Gymnasiasten werden es ihnen sicherlich gleichtun und das Buch
mit Freude lesen - aber wohl eher nur, wenn sie einen altsprachlichen Zweig
besuchen. Die verlagsseits getroffene Einschätzung, dass das Buch für Kinder ab
10 Jahren zu empfehlen ist, dürfte deshalb voll zutreffen. Für jüngere Kinder
ist das Buch nur bei entsprechender privater Neigung oder Vorbildung zu
verstehen.
Dennoch: das Buch ist toll gemacht und
eine echte sprachliche Bereicherung, damit man auch weiß, wovon man spricht,
wenn man lateinische Redewendungen im Alltag nutzt.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 23.10.2023
- Seitenanzahl: 112
- Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-27725-0
Link zum Buch:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/von-carpe-diem-bis-post-scriptum/978-3-446-27725-0/
