Montag, 13. November 2023

Fabcaro (Szenerist) / Didier Conrad (Zeichner), Asterix Nr. 40: Die Weiße Iris

Fabcaro (Szenerist) / Didier Conrad (Zeichner), Asterix Nr. 40: Die Weiße Iris, Egmont Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Sobald ein neuer Asterix-Band erscheint, der zur regulären Reihe gehört, ist der Hype darum so groß und sind die entsprechenden Verkaufszahlen so hoch, dass es eigentlich keiner weiteren Rezeption des Werks in Form einer kritischen Besprechung bedarf. Nachdem in der Vergangenheit die Fortführung der Bände von Uderzo und Goscinny nicht immer gelungen war, kann diesmal jedoch ausdrücklich konstatiert werden, dass ein echtes neues Meisterwerk im Sinne der Schöpfer des Asterix geschaffen wurde: die Figuren wurden stilsicher und ohne Neuerungsansätze illustriert, sodass sich kein Verfremdungseffekt für bisherige Leser einstellt. Und die Geschichte ist genau die Mischung aus althergebrachten Szenarien und modernen Einsprengseln, für die die Gallier so berühmt und auch zeitlos geworden sind.

Worum geht es diesmal? Caesar hat die Gallier immer noch nicht zur Gänze unterworfen und ist neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Sein Berater Visusversus möchte sowohl die eigenen Legionen aus ihrer depressiven Verstimmung befreien als auch die aufmüpfigen Gallier von ihrer Streitlust abbringen. Dies alles soll mit einer mentalen Umkehr geschehen, die durch positiv formulierte Gedanken, Sprachbilder und Kommunikation untereinander errungen werden soll. Wie alles Neue und leicht Esoterische greift der Reiz seiner Methode rasch auf die einfachen Gemüter über. Als Visusversus zum ersten Mal das gallische Dorf für Einkäufe besucht, kann er nicht nur Verleihnix davon überzeugen, frischen Fisch zu verkaufen, sondern bringt auch die stets mit ihrem Los unzufriedene Gutemine auf seine Seite. Der Bann seiner Worte und Ideen wird immer stärker und gipfelt darin, dass nichts mehr so ist wie es war. Gutemine folgt Visusversus sogar nach Lutetia, wo er mit ihr ein besonders perfides Finale für Caesar vorbereiten möchte. Doch er hat die Rechnung ohne den wachsamen Verstand von Asterix und Methusalix gemacht, die dem Spuk ein Ende setzen möchten. Das kommt auch Obelix zupass, der unter dem neuen Leben mehr als alle anderen leidet: Wildschwein schlecht für die Arterien? Keine streitlustigen Römer mehr? Wildschweine, die zum Kuscheln kommen und nicht mehr Reißaus nehmen? So kann es nicht weitergehen und die leicht beschwerliche Reise nach Lutetia führt – wie könnte es anders sein – zu einer Wiederherstellung der alten Ordnung.

In die Geschichte werden viele aktuelle Themen eingewoben, darunter Klimakleber auf der Straße nach Lutetia, Fluch und Segen des schnellen Zugverkehrs, gesunde moderne Ernährung und die unsäglich minimalistische Nouvelle Cuisine, die Diskrepanz zwischen städtischer Arroganz und ländlicher Verlässlichkeit und natürlich der Hokuspokus moderner Selbstfindungslehren. Zwar sind die Methoden der Gallier brachial wie immer, aber die gesunde Portion Selbstironie bleibt nicht aus, sodass am Ende alle kritischen Geister versöhnt sind. Ein toller neuer Band.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 26.10.2023
  • Seitenanzahl: 48
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-7704-2440-5

Link zum Buch:

https://www.egmont-shop.de/asterix-nr-40-gebundene-ausgabe/