Fabcaro (Szenerist) / Didier Conrad (Zeichner), Asterix Nr. 40: Die Weiße Iris, Egmont Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Sobald ein neuer Asterix-Band erscheint,
der zur regulären Reihe gehört, ist der Hype darum so groß und sind die
entsprechenden Verkaufszahlen so hoch, dass es eigentlich keiner weiteren
Rezeption des Werks in Form einer kritischen Besprechung bedarf. Nachdem in der
Vergangenheit die Fortführung der Bände von Uderzo und Goscinny nicht immer
gelungen war, kann diesmal jedoch ausdrücklich konstatiert werden, dass ein
echtes neues Meisterwerk im Sinne der Schöpfer des Asterix geschaffen wurde:
die Figuren wurden stilsicher und ohne Neuerungsansätze illustriert, sodass
sich kein Verfremdungseffekt für bisherige Leser einstellt. Und die Geschichte
ist genau die Mischung aus althergebrachten Szenarien und modernen
Einsprengseln, für die die Gallier so berühmt und auch zeitlos geworden sind.
Worum geht es diesmal? Caesar hat die
Gallier immer noch nicht zur Gänze unterworfen und ist neuen Ideen gegenüber
aufgeschlossen. Sein Berater Visusversus möchte sowohl die eigenen Legionen aus
ihrer depressiven Verstimmung befreien als auch die aufmüpfigen Gallier von
ihrer Streitlust abbringen. Dies alles soll mit einer mentalen Umkehr
geschehen, die durch positiv formulierte Gedanken, Sprachbilder und
Kommunikation untereinander errungen werden soll. Wie alles Neue und leicht
Esoterische greift der Reiz seiner Methode rasch auf die einfachen Gemüter
über. Als Visusversus zum ersten Mal das gallische Dorf für Einkäufe besucht,
kann er nicht nur Verleihnix davon überzeugen, frischen Fisch zu verkaufen,
sondern bringt auch die stets mit ihrem Los unzufriedene Gutemine auf seine
Seite. Der Bann seiner Worte und Ideen wird immer stärker und gipfelt darin,
dass nichts mehr so ist wie es war. Gutemine folgt Visusversus sogar nach
Lutetia, wo er mit ihr ein besonders perfides Finale für Caesar vorbereiten
möchte. Doch er hat die Rechnung ohne den wachsamen Verstand von Asterix und
Methusalix gemacht, die dem Spuk ein Ende setzen möchten. Das kommt auch Obelix
zupass, der unter dem neuen Leben mehr als alle anderen leidet: Wildschwein
schlecht für die Arterien? Keine streitlustigen Römer mehr? Wildschweine, die
zum Kuscheln kommen und nicht mehr Reißaus nehmen? So kann es nicht weitergehen
und die leicht beschwerliche Reise nach Lutetia führt – wie könnte es anders
sein – zu einer Wiederherstellung der alten Ordnung.
In die Geschichte werden viele aktuelle
Themen eingewoben, darunter Klimakleber auf der Straße nach Lutetia, Fluch und
Segen des schnellen Zugverkehrs, gesunde moderne Ernährung und die unsäglich
minimalistische Nouvelle Cuisine, die Diskrepanz zwischen städtischer Arroganz
und ländlicher Verlässlichkeit und natürlich der Hokuspokus moderner Selbstfindungslehren.
Zwar sind die Methoden der Gallier brachial wie immer, aber die gesunde Portion
Selbstironie bleibt nicht aus, sodass am Ende alle kritischen Geister versöhnt
sind. Ein toller neuer Band.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 26.10.2023
- Seitenanzahl: 48
- Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-7704-2440-5
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