Maya Leonard (Autorin) / Sam Sedgeman (Autor) / Elisa Paganelli (Illustratorin), Abenteuer Express (Band 1) – Juwelendiebe im Highland Express, Karibu Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Der Auftakt dieser neuen Reihe im
Karibu-Verlag ist absolut unterhaltsam und lesenswert: Nicht nur Fans von Zügen
kommen hier auf ihre Kosten. Der erste Band handelt von dem zehnjährigen Henry,
der von seinem Onkel eingeladen wird, an der letzten Fahrt des Highland Express
teilzunehmen. Onkel Nat ist Reiseschriftsteller und ausgewählt worden, über
diese viertägige Reise rund um die britische Insel zu berichten, an der auch
der Prinz und die Prinzessin teilnehmen werden. Zunächst hat Henry keine große
Lust auf diese Reise, da er zum einen nicht an Eisenbahnen interessiert ist und
zum anderen den Eindruck hat, von seinen Eltern abgeschoben zu werden. Seine
Mutter erwartet nämlich ein Baby und er hat das Gefühl, dass seine Eltern ihn
aus dem Weg haben wollen, bis das Baby da ist. Entsprechend missmutig geht er
zunächst auf diese Reise. Recht schnell passieren aber spannende Dinge:
Zunächst liest er in der Zeitung von einem spektakulären Juwelendiebstahl, dann
wird im Zug tatsächlich einer der mitreisenden Gäste bestohlen. Als Henry dann
feststellt, dass ein blinder Passagier an Bord ist, ist seine Neugier endgültig
geweckt. Seine reine Neugier schlägt jedoch bald in echte detektivische Energie
um, da er selbst verdächtigt wird, der Dieb zu sein. Als dann noch ein weiterer
Diebstahl unglaublichen Ausmaßes geschieht, wird es eng für Henry: Die Polizei
ermittelt an Bord und er persönlich ist der Hauptverdächtige. Onkel Nat
unterstützt ihn nach Kräften und Henry findet auch Verbündete im Zugpersonal –
die schlussendlich aber ebenfalls in den Fokus der Polizei rücken. Nun liegt es
in Henrys Händen, seine und die Unschuld seiner Freunde zu beweisen. Mit einem
raffinierten Plan, der sogar kleine James-Bond-Einlagen beinhaltet, und unter
Mithilfe seiner Freunde, schafft er es am Ende natürlich, das Geheimnis zu
lüften und die wahren Diebe zu entlarven.
Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und
gibt ihren handelnden Personen viel Raum, ihren Charakter zu entfalten. Die
überschaubare Anzahl an Gästen dieser illustren Reise gibt den Autoren die
Möglichkeit, verschiedene Typen auftreten zu lassen und ihre
Persönlichkeitsmerkmale greifbar darzustellen. Die kleinen Hobbydetektive, die
das Buch lesen, werden dabei geschickt auf allerlei falsche Fährten gelenkt, da
jeder Fahrgast seine kleinen Geheimnisse hat, die nach und nach ans Licht
kommen. Die zahlreichen Illustrationen verdeutlichen die Geschichte gut und
lockern den Lesefluss an den richtigen Stellen auf. Kleine Unstimmigkeiten, die
dem Lektorat entgangen sind, (wie z.B. der Namensfehler auf S. 16 „Onkel
Henry“), werden der sympathischen Geschichte verziehen. Die Karte der Route des
Highland Express ganz vorne im Buch ist exzellent und bietet gleich ein wenig
geografisches Wissen zum Mitnehmen an. Schade ist nur, dass in der Geschichte
selbst nur ein paar wenige der Sehenswürdigkeiten erwähnt werden (wie z.B.
Balmoral Castle in Ballater oder die Forth Bridge), die Städte selbst aber nur
selten, sonst hätte man den Verlauf der Geschichte immer mal wieder mit der
Route abgleichen können.
Henry ist in dieser Geschichte ein Held,
mit dem sich kleine Leser leicht identifizieren können: Er findet manche
Erwachsenendinge langweilig, er hat familiäre Sorgen und er ist manchmal
schüchtern, hat auch in manchen Situation Angst und traut sich etwas nicht.
Seine Begabung besonders gut zeichnen zu können, ist ihm im Verlauf seiner
Detektivarbeit äußerst hilfreich. Seine neue Freundin Lenny ist die mutigere
und waghalsigere von beiden und sie ergänzen sich gut. Das Zusammenspiel der
beiden, das Wachsen ihrer Freundschaft, ist sehr schön dargestellt. Ein
erfreulicher Charakter ist Onkel Nat, der im Gegensatz zu den Erwachsenen in so
vielen Kinderbüchern tatsächlich aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit zu
seinem Neffen ist. Er nimmt ihn ernst, unterstützt ihn und gibt ihm die
Freiheit, diesen spannenden Fall auf eigene Faust - mit seiner Rückendeckung in
entscheidenden Situationen - zu lösen. Ein wertschätzender Erwachsener, den
sich manch vorlesendes Elternteil gerne zum Vorbild nehmen könnte.
Insgesamt begeistert das Buch beim
Vorlesen, aber auch Erstleser im späteren Grundschulalter sowie 10–12-Jährige
dürften ihre Freude an dem Buch haben, da die Detektivgeschichte
spannungsgeladen und mitreißend erzählt wird. Die Vorfreude auf Band 2, der am
Ende des ersten Bandes mit einer Leseprobe angekündigt wird, ist auf jeden Fall
geweckt!
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 03.02.2024
- Seitenanzahl: 304
- Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 9783961293896
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