Sonntag, 20. Oktober 2024

Mick Herron, Slough House

Mick Herron, Slough House, Diogenes Verlag

Wer hätte gedacht, dass es den Slow horses noch schlechter ergehen kann als bisher? Nicht nur, dass sie alle aus dem aktiven Dienst des MI5 ausgemustert wurden und im Slough House unter Jackson Lamb in einer Art Resterampe für nutzlose Ex-Agenten vor sich hinarbeiten müssen. Nein, die „Arbeit“, mit der Jackson Lamb seine Untergebenen beschäftigt, ist nach wie vor sinnlos im Vergleich zu dem, was man als echter Agent für sein Land tun könnte. Aber eine Karriere als echter Agent ist unerreichbar, das haben sich ja alle auf ihre ganz eigene Weise versperrt. Doch dass die aktiven und ehemaligen Mitglieder des Slough house neuerdings sogar zur Zielscheibe von echten Agenten werden könnten, damit hatte keiner gerechnet, am allerwenigsten Jackson Lamb, sodass sich seine schlechte Laune in echte Wut potenziert. Nicht nur, dass alle Dateien über die rausgeworfenen Agenten im System des MI5 gelöscht worden sind – als ob es das Team und Slough house nie gegeben hätte, sondern die einzelnen Mitglieder werden auch noch beschattet. Quasi als Trainingsziel für echte MI5-Agenten, die über die eigentliche Zugehörigkeit der Slow horses zum MI5 nicht Bescheid wissen, mangels vorhandener Daten auch nicht wissen können. Jackson Lamb macht seinem Unmut über solche Aktionen auf seine ganz eigene Weise Luft, was ihm eine entsprechende Unterredung mit der Generaldirektorin Diana Taverner einbringt. Jedoch kommt zu diesen lästigen Katz-und-Maus-Spielchen noch eine echte Gefahr hinzu: ehemalige Slow horses – ja selbst solche gibt es, nicht einmal Jackson Lamb behält jeden MI5-Versager – werden tatsächlich umgebracht! Doch von wem? Auch vom MI5? Oder von anderen Mächten? Immerhin haben die Slow horses in den vergangenen Bänden schon so manchem auf die Füße getreten. Das herauszufinden ist nicht ganz einfach, ist folglich der Kern dieser Geschichte. Und die führt natürlich wieder einmal über Peter Judd und seine klandestinen Umtriebe. Diesmal versucht er über private Investoren vorgeblich dem MI5 besondere Geldmittel für „inoffizielle“ Operationen zu verschaffen, mit denen vornehmlich die Landessicherheit geschützt werden soll. Dass dabei natürlich auch Abhängigkeitsverhältnisse und Erpressungspotential entstehen, erkennt Jackson Lamb deutlich genauer als Diana Taverner, sodass die beiden eine unfreiwillige Zusammenarbeit gegen Judd und seine Machenschaften beginnen. Dabei geraten die Slow horses in etliche brenzlige Situationen, die allerdings nur teilweise aufgelöst werden. Insbesondere am Ende bleiben etliche Fragen offen. Die Aufnahme von aktuellen Ereignissen in den Plot (demonstrierende Gelbwesten; Rechtsruck der Realpolitik; Einsatz des taktilen Giftstoffs Nowitschok) gelingt meiner Ansicht nach nur bedingt. Denn die Ereignisse stehen neben den eigentlichen Einsätzen der Slow horses und verbinden sich nicht mit diesen.

Das Buch ist diesmal weniger von den drastischen Dialogen und Wortspitzen Jackson Lambs geprägt als von der Story rund um Judd und Taverner. Das ist in einer lang angelegten Reihe sicherlich auch einmal nötig, um alle Charaktere weiterzuentwickeln, aber der Charme der Geschichten rund um Slough house lebt eben doch von deren Insassen. Der siebte Band ist insoweit eine schöne und teilweise spannende Ergänzung der Serie, aber beileibe nicht der beste.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 21.08.2024
  • Seitenanzahl: 432
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-30111-3

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/mick-herron/slough-house-9783257301113.html