Mick
Herron, Slough House, Diogenes Verlag
Wer hätte gedacht, dass es den Slow horses
noch schlechter ergehen kann als bisher? Nicht nur, dass sie alle aus dem
aktiven Dienst des MI5 ausgemustert wurden und im Slough House unter Jackson
Lamb in einer Art Resterampe für nutzlose Ex-Agenten vor sich hinarbeiten
müssen. Nein, die „Arbeit“, mit der Jackson Lamb seine Untergebenen
beschäftigt, ist nach wie vor sinnlos im Vergleich zu dem, was man als echter
Agent für sein Land tun könnte. Aber eine Karriere als echter Agent ist
unerreichbar, das haben sich ja alle auf ihre ganz eigene Weise versperrt. Doch
dass die aktiven und ehemaligen Mitglieder des Slough house neuerdings sogar
zur Zielscheibe von echten Agenten werden könnten, damit hatte keiner
gerechnet, am allerwenigsten Jackson Lamb, sodass sich seine schlechte Laune in
echte Wut potenziert. Nicht nur, dass alle Dateien über die rausgeworfenen
Agenten im System des MI5 gelöscht worden sind – als ob es das Team und Slough
house nie gegeben hätte, sondern die einzelnen Mitglieder werden auch noch beschattet.
Quasi als Trainingsziel für echte MI5-Agenten, die über die eigentliche
Zugehörigkeit der Slow horses zum MI5 nicht Bescheid wissen, mangels
vorhandener Daten auch nicht wissen können. Jackson Lamb macht seinem Unmut
über solche Aktionen auf seine ganz eigene Weise Luft, was ihm eine
entsprechende Unterredung mit der Generaldirektorin Diana Taverner einbringt.
Jedoch kommt zu diesen lästigen Katz-und-Maus-Spielchen noch eine echte Gefahr
hinzu: ehemalige Slow horses – ja selbst solche gibt es, nicht einmal Jackson
Lamb behält jeden MI5-Versager – werden tatsächlich umgebracht! Doch von wem?
Auch vom MI5? Oder von anderen Mächten? Immerhin haben die Slow horses in den
vergangenen Bänden schon so manchem auf die Füße getreten. Das herauszufinden
ist nicht ganz einfach, ist folglich der Kern dieser Geschichte. Und die führt
natürlich wieder einmal über Peter Judd und seine klandestinen Umtriebe.
Diesmal versucht er über private Investoren vorgeblich dem MI5 besondere
Geldmittel für „inoffizielle“ Operationen zu verschaffen, mit denen vornehmlich
die Landessicherheit geschützt werden soll. Dass dabei natürlich auch
Abhängigkeitsverhältnisse und Erpressungspotential entstehen, erkennt Jackson
Lamb deutlich genauer als Diana Taverner, sodass die beiden eine unfreiwillige
Zusammenarbeit gegen Judd und seine Machenschaften beginnen. Dabei geraten die
Slow horses in etliche brenzlige Situationen, die allerdings nur teilweise
aufgelöst werden. Insbesondere am Ende bleiben etliche Fragen offen. Die
Aufnahme von aktuellen Ereignissen in den Plot (demonstrierende Gelbwesten;
Rechtsruck der Realpolitik; Einsatz des taktilen Giftstoffs Nowitschok) gelingt
meiner Ansicht nach nur bedingt. Denn die Ereignisse stehen neben den
eigentlichen Einsätzen der Slow horses und verbinden sich nicht mit diesen.
Das Buch ist diesmal weniger von den
drastischen Dialogen und Wortspitzen Jackson Lambs geprägt als von der Story
rund um Judd und Taverner. Das ist in einer lang angelegten Reihe sicherlich
auch einmal nötig, um alle Charaktere weiterzuentwickeln, aber der Charme der
Geschichten rund um Slough house lebt eben doch von deren Insassen. Der siebte
Band ist insoweit eine schöne und teilweise spannende Ergänzung der Serie, aber
beileibe nicht der beste.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 21.08.2024
- Seitenanzahl: 432
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-30111-3
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/mick-herron/slough-house-9783257301113.html
