Mathilda
Masters (Autorin) / Angelique Van Ombergen (Autorin) / Louize Perdieus
(Illustratorin), 321 superschlaue Dinge, die du über Wissenschaft wissen musst,
Hanser Verlag
Die Reihe über die „superschlauen Dinge“,
die man unbedingt wissen muss, begann bereits 2018 als allgemeiner Titel. Es
folgten Einzelbände zu Wissen über Tiere, zum Klima, zur Geschichte sowie
zuletzt zu Liebe und Sex. Der neueste Band widmet sich nun den Natur- und
Sozialwissenschaften und trägt 321 Umstände und Fakten zusammen, die zeigen
sollen wie abwechslungsreich die Welt der Wissenschaft sein kann.
Insgesamt zehn Kapitel unterteilen die
„Wissenschaft“ und führen zu Oberbegriffen wie „Alles Erde“, „Flora und Fauna“
oder „Der Mensch – ein seltsames Wesen“. Ein irgendwie geartetes
Inhaltsverzeichnis existiert nicht, sodass man sich die Thematik nur bedingt
über die Kapitelüberschriften erschließen kann. Ebenso wenig vorhanden sind ein
Stichwortverzeichnis oder ein Glossar. Das sorgt zwar einerseits für eine
gewisse Grundspannung, wenn man sich das ganze Buch auf einmal durchlesen
möchte. Andererseits zielt das Buch auf Kinder, die vom Alter her bereits eine
weiterführende Schule besuchen und die können durchaus Partikularinteressen
haben und möchten dann auch gerne gezielt Lektüre betreiben.
Pro Seite werden eine oder zwei
Informationen präsentiert, stets mit kurzem Text, mit wenigen farbig
hervorgehobenen Schlüsselbegriffen im Text, einem mehr oder weniger lustigen,
zum Thema passenden bzw. passend gemachten Bild samt launigem Untertitel. Auch
hier bin ich mir nicht sicher, ob der geistige Horizont der Zielgruppe mit
teilweise kindischen Wortspielen nicht deutlich unterlaufen wird. Jedenfalls
stehen vermeintlicher Bildwitz und die Ernsthaftigkeit der vermittelten
Sachinformationen doch in deutlichem Kontrast.
Was wird innerhalb der Kapitel geboten?
Einerseits gibt es bspw. im ersten Teil wichtige Fakten zu Gebirgen auf anderen
Planeten, Asteroiden oder zur durchaus gefährlichen kosmischen Strahlung.
Andererseits gibt es zwischendurch sinnloses Smalltalk-Wissen wie etwa den
Umstand, dass man im Weltraum besser nicht rülpsen sollte. Zum Glück sind
Kapitelchen wie das letztgenannte deutlich in der Minderheit. Im gesamten Buch
erfährt man Stück für Stück viele Wissensfragmente, die dann allerdings über
eine grobe thematische Gruppierung hinaus insgesamt wenig verknüpft sind (was
man z.B. durch Binnenverweise hätte erreichen können). Bspw. werden die
Schichten der Atmosphäre ebenso vorgestellt wie der Zwerginselstaat Nauru,
Definition und Eigenarten des Schalls ebenso wie das Auto als Faraday‘scher
Käfig, die faszinierenden Anpassungs-Eigenschaften von Motten oder auch das
Phänomen des Jetlags bei Pflanzen. Man findet kurze Passagen zur Cirspr-Methode
der DNA-Veränderung, zur Geschmacksrichtung Umami, zur Fibonacci-Reihe oder zu
Mischmethoden von Kartenspielen u.v.m.
Die einzelnen Texte schwanken hinsichtlich
Komplexität, Aktualität und Verständlichkeit erheblich. Manche sind so
fordernd, dass ich sie allenfalls Schülern der Oberstufe empfehlen würde.
Andere sind so banal, dass man sie schnell überliest. Erfreulich sind dann
hingegen wieder hochbrisante aktuelle Erkenntnisse wie der Umstand, dass
medizinische Forschung bislang vornehmlich an Männern ausgerichtet war und man
erst allmählich zu verstehen beginnt, dass geschlechtsspezifische
Differenzierungen für Symptome, Ursachen und Behandlungsmethoden von
Krankheiten geboten sind.
Mein Gesamteindruck zu diesem Werk ist
unentschieden. Auf der einen Seite ist die Verdichtung von so viel Wissen eine
Glanzleistung. Die graphische Umsetzung hält dem jedoch oft nicht Stand und der
bemühte Witz konterkariert den großartigen Ansatz des Buches. Mich stört
inhaltlich darüber hinaus die fehlende Verzahnung der Erkenntnisse und
Disziplinen: Wissenschaft fordert das Verknüpfen von Erkenntnissen und
daraufhin das Überschreiten von Denkgrenzen, nicht das Brillieren mit
singulären Fakten. Auch das Präsentieren berühmter Köpfe am Ende des Buches ist
Quizshow-Wissen und hebt sich negativ von den vorangehenden Kapiteln ab.
Wissbegierige Kinder werden das Buch sicherlich verschlingen. Es ist aber nach
meinem Empfinden nicht geeignet, Kinder für die Beschäftigung v.a. mit der
Naturwissenschaft zu begeistern. Zudem dient es nicht zum Nachschlagen, da man
die einzelnen Themen nicht gezielt auffinden kann.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 23.10.2023
- Seitenanzahl: 304
- Altersempfehlung: Ab 11 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-446-27724-3
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