Oliver Maria Schmitt, KomaSee, Rowohlt Verlag
Es ist immer ein bisschen gefährlich, wenn
Bücher als besonders lustig beworben und mit zahlreichen Vorablobhudeleien aus
Feuilletonformaten unterlegt werden. Denn trotz einiger Lacher, sprachlich
aufblitzender Kunstfertigkeit und einem phasenweise durch gezielte Übertreibung
und Überfrachtung amüsanten Plot zieht sich die Geschichte um Elena Barone
nutzlos in die Länge und man ist nach über 300 Seiten doch froh, dass das Ganze
endlich zum Schlusspunkt gekommen ist.
Die genannte Elena ist eine preisgekrönte
Fotografin, die am Comer See das ultimative Paparrazo-Foto anstrebt: ein Bild
des Villenanrainers George Clooney, am besten, wie die Gerüchteküche
kolportiert, mit neuer Geliebter. Doch weder von der stickigen Dachwohnung noch
vom gemieteten Boot aus kann Elena ihres Ziels habhaft werden: George zeigt
sich einfach nicht und bleibt ein Mythos. Auch ansonsten geht für Elena vieles
bergab: ihr Liebes- und Beziehungsleben schwankt zwischen ungeordnet und nicht
existent, ihre Verdienstmöglichkeiten schrumpfen mit der Instagram- und
KI-Konkurrenz, sodass auch ihre berufliche Existenz auf der Kippe steht. Zu
allem Überfluss kündigt sich auch noch ihre Mutter mit zum Roman passenden
Nervpotential an, sodass die Kalamitäten kulminiert werden.
Die Beschreibungen des Sees, der
umliegenden Gemeinden, ihrer Historie und Grandezza, des Verkehrschaos und der
Schrullen der lokalen Bewohner nehmen beinahe ebensoviel Raum ein wie die
eigentliche Geschichte und das macht den Lektürefortschritt ein wenig zäh. Die
kleinen humoristischen Leuchtfeuer, an denen vor allem der Sidekick Faustino
beteiligt ist, kämpfen daher unnötig um Aufmerksamkeit. Sehr amüsant ist vor
allem der Privatauftrag für Elena, eine Delegation der (offensichtlich
erkennbar umschriebenen) CDU um Friedrich Merz fotografisch bei ihrer
Zusammenkunft im früher von Adenauer bewohnten Prachtbau oberhalb des Comer
Sees fotografisch festzuhalten – was natürlich grandios scheitern muss. Sehr
schade ist, dass Nebenarme der Erzählung wie das Schicksal von Elenas Vater
oder das angespannte Mutter-Tochter-Verhältnis nur so karg angesprochen bzw.
ausgeleuchtet werden. Der Roman sucht bewusst das Seichte und
Zwanghumoristische, hätte aber Potential für eine spannendere Story mit
interessanten Hintergründen gehabt. Nicht einmal die Verballhornung des Sees im
Buchtitel ist dabei eine präsente Größe, sondern kommt nur an einer Stelle zum
Tragen, auch das ist bedauerlich.
Wie dem auch sei: man ist trotz des
Umfangs recht rasch mit dem Buch durch, hat dabei einige Lacher, manche
Schmunzler, aber auch viele Augenroller und manche Querleseseiten vor sich. Der
Wendepunkt für Elena wirkt sehr gewollt, dessen Ausarbeitung erfolgt kaum,
sondern bleibt ein plakatives Ereignis en passant, aber man kann sich zum
Schluss immerhin an einem eigentümlichen Happy End erfreuen.
Verlagsangaben zum Buch:
- Erscheinungstag: 13.05.2025
- Seitenanzahl: 320
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-95939-223-5
Link zum Buch:
https://www.rowohlt.de/buch/oliver-maria-schmitt-komasee-9783737102070
