Freitag, 18. Juli 2025

Oliver Maria Schmitt, KomaSee

Oliver Maria Schmitt, KomaSee, Rowohlt Verlag

Es ist immer ein bisschen gefährlich, wenn Bücher als besonders lustig beworben und mit zahlreichen Vorablobhudeleien aus Feuilletonformaten unterlegt werden. Denn trotz einiger Lacher, sprachlich aufblitzender Kunstfertigkeit und einem phasenweise durch gezielte Übertreibung und Überfrachtung amüsanten Plot zieht sich die Geschichte um Elena Barone nutzlos in die Länge und man ist nach über 300 Seiten doch froh, dass das Ganze endlich zum Schlusspunkt gekommen ist.

Die genannte Elena ist eine preisgekrönte Fotografin, die am Comer See das ultimative Paparrazo-Foto anstrebt: ein Bild des Villenanrainers George Clooney, am besten, wie die Gerüchteküche kolportiert, mit neuer Geliebter. Doch weder von der stickigen Dachwohnung noch vom gemieteten Boot aus kann Elena ihres Ziels habhaft werden: George zeigt sich einfach nicht und bleibt ein Mythos. Auch ansonsten geht für Elena vieles bergab: ihr Liebes- und Beziehungsleben schwankt zwischen ungeordnet und nicht existent, ihre Verdienstmöglichkeiten schrumpfen mit der Instagram- und KI-Konkurrenz, sodass auch ihre berufliche Existenz auf der Kippe steht. Zu allem Überfluss kündigt sich auch noch ihre Mutter mit zum Roman passenden Nervpotential an, sodass die Kalamitäten kulminiert werden.

Die Beschreibungen des Sees, der umliegenden Gemeinden, ihrer Historie und Grandezza, des Verkehrschaos und der Schrullen der lokalen Bewohner nehmen beinahe ebensoviel Raum ein wie die eigentliche Geschichte und das macht den Lektürefortschritt ein wenig zäh. Die kleinen humoristischen Leuchtfeuer, an denen vor allem der Sidekick Faustino beteiligt ist, kämpfen daher unnötig um Aufmerksamkeit. Sehr amüsant ist vor allem der Privatauftrag für Elena, eine Delegation der (offensichtlich erkennbar umschriebenen) CDU um Friedrich Merz fotografisch bei ihrer Zusammenkunft im früher von Adenauer bewohnten Prachtbau oberhalb des Comer Sees fotografisch festzuhalten – was natürlich grandios scheitern muss. Sehr schade ist, dass Nebenarme der Erzählung wie das Schicksal von Elenas Vater oder das angespannte Mutter-Tochter-Verhältnis nur so karg angesprochen bzw. ausgeleuchtet werden. Der Roman sucht bewusst das Seichte und Zwanghumoristische, hätte aber Potential für eine spannendere Story mit interessanten Hintergründen gehabt. Nicht einmal die Verballhornung des Sees im Buchtitel ist dabei eine präsente Größe, sondern kommt nur an einer Stelle zum Tragen, auch das ist bedauerlich.

Wie dem auch sei: man ist trotz des Umfangs recht rasch mit dem Buch durch, hat dabei einige Lacher, manche Schmunzler, aber auch viele Augenroller und manche Querleseseiten vor sich. Der Wendepunkt für Elena wirkt sehr gewollt, dessen Ausarbeitung erfolgt kaum, sondern bleibt ein plakatives Ereignis en passant, aber man kann sich zum Schluss immerhin an einem eigentümlichen Happy End erfreuen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 13.05.2025
  • Seitenanzahl: 320
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-95939-223-5

Link zum Buch:

https://www.rowohlt.de/buch/oliver-maria-schmitt-komasee-9783737102070