Annette Roeder, Das schwarze Schaf und das Rätsel von Baskeltorp, Edel Kids Books Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Schafkrimis sind
ja ein immer wiederkehrender Trend (vgl. Glennkill vor einigen Jahren) und auch
„Das Rätsel von Baskeltorp“ reiht sich in diese Gattung ein. Sympathisch
norddeutsch kommen die Charaktere daher und gewinnen gleich die Herzen der
jungen Leserinnen und Leser. Die beiden Hauptpersonen Texel, das klügste und
zudem äußerlich zwar weiße, charakterlich aber schwarze Schaf von Baskeltorp
ist Hobby-Detektiv und trifft auf Dr. W. Winnewurp den Maulwurf, der ein großes
Geheimnis um seinen Vornamen macht. Texel hat sich vorgenommen, das
Verschwinden des Hofhundes Gutti aufzuklären, da sein Freund der Wolf
verdächtigt wird und insofern das abendliche „Ich sehe was, was Du nicht siehst“
ausfällt. Die beiden bilden kurzerhand ein unschlagbares Team bei der
Ermittlungsarbeit. Äußerst menschlich überzeichnete Charaktere müssen befragt
und in lückenloser Beweiskette der Fall gelöst werden. Verliebte Schafsmädchen,
hellseherische Schweine, chillende Wölfe und angeberische Hütehunde werden
akribisch in Augenschein genommen. Schlussendlich wird aus der
Zweckgemeinschaft echte Zuneigung und Freundschaft und ein dramatischer
Höhepunkt, bei dem es um Leben und Tod geht, fehlt in diesem Schafskrimi
natürlich auch nicht. Das Ende ist so überraschend wie grotesk, doch es geht
wie immer, wenn es menschelt, auch bei den Tieren um mangelnde Wertschätzung
und verletzte Eitelkeit. Der Täter ist am Ende gestellt, der verschwundene Hund
gerettet und die heile Welt in Baskeltorp wieder hergestellt.
Das gesamte Buch
lässt sich mit dem Begriff „nett“ umschreiben: Nette Charaktere, man schmunzelt
über den Wortwitz und den Klamauk der Situationen und man hält ein bisschen den
Atem an, wenn es brenzlig wird. Etwas aufgesetzt wirkt das Ganze, wenn
schießwütige Jäger den Wolf gleich abknallen wollen und Texel über die
Wiederansiedlung von Raubtieren sinniert. Oder wenn Sherlock Holmes adaptiert
wird, indem Texel über die Methode der Deduktion referiert (S.59), die er bei
seiner Ermittlung anwenden möchte und die wortgleich vom großen Meister
überliefert ist.
Offen bleibt
allerdings, wer die Zielgruppe dieses Schafskrimis ist. Für junge Leser(innen)
unter 10 Jahren sind die Wortwahl und der Umfang zu anspruchsvoll, bei Leser(inne)n
über 10 Jahren fehlt wohl das Interesse, sich mit eher uncool daher kommenden
Maulwürfen und Schafen auseinanderzusetzen. Bleibt der junggebliebene
erwachsene Leser, für den es etwas mehr Finten und kompliziertere Verwicklungen
hätte geben dürfen.
Daher bleibt als
Fazit, dass dieses nette Buch ebenso als leichte Sommer- (oder Herbst-)Lektüre
gelesen werden kann, wie auch von leseverrückten älteren Kindern. Es ist eine
schöne Geschichte, mit der die Leser ihrem Alltag entfliehen können, indem sie
sich mit dem Rätsel von Baskeltorp und den Wirrungen auf der Schafsweide
auseinandersetzen.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungsdatum: 04.09.2020
- Seitenanzahl: 224
- Alter: ab 10 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-96129-167-0
Link zum Buch:
