Freitag, 12. Februar 2021

Annette Roeder, Das schwarze Schaf und das Rätsel von Baskeltorp

Annette Roeder, Das schwarze Schaf und das Rätsel von Baskeltorp, Edel Kids Books Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Schafkrimis sind ja ein immer wiederkehrender Trend (vgl. Glennkill vor einigen Jahren) und auch „Das Rätsel von Baskeltorp“ reiht sich in diese Gattung ein. Sympathisch norddeutsch kommen die Charaktere daher und gewinnen gleich die Herzen der jungen Leserinnen und Leser. Die beiden Hauptpersonen Texel, das klügste und zudem äußerlich zwar weiße, charakterlich aber schwarze Schaf von Baskeltorp ist Hobby-Detektiv und trifft auf Dr. W. Winnewurp den Maulwurf, der ein großes Geheimnis um seinen Vornamen macht. Texel hat sich vorgenommen, das Verschwinden des Hofhundes Gutti aufzuklären, da sein Freund der Wolf verdächtigt wird und insofern das abendliche „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ ausfällt. Die beiden bilden kurzerhand ein unschlagbares Team bei der Ermittlungsarbeit. Äußerst menschlich überzeichnete Charaktere müssen befragt und in lückenloser Beweiskette der Fall gelöst werden. Verliebte Schafsmädchen, hellseherische Schweine, chillende Wölfe und angeberische Hütehunde werden akribisch in Augenschein genommen. Schlussendlich wird aus der Zweckgemeinschaft echte Zuneigung und Freundschaft und ein dramatischer Höhepunkt, bei dem es um Leben und Tod geht, fehlt in diesem Schafskrimi natürlich auch nicht. Das Ende ist so überraschend wie grotesk, doch es geht wie immer, wenn es menschelt, auch bei den Tieren um mangelnde Wertschätzung und verletzte Eitelkeit. Der Täter ist am Ende gestellt, der verschwundene Hund gerettet und die heile Welt in Baskeltorp wieder hergestellt.

Das gesamte Buch lässt sich mit dem Begriff „nett“ umschreiben: Nette Charaktere, man schmunzelt über den Wortwitz und den Klamauk der Situationen und man hält ein bisschen den Atem an, wenn es brenzlig wird. Etwas aufgesetzt wirkt das Ganze, wenn schießwütige Jäger den Wolf gleich abknallen wollen und Texel über die Wiederansiedlung von Raubtieren sinniert. Oder wenn Sherlock Holmes adaptiert wird, indem Texel über die Methode der Deduktion referiert (S.59), die er bei seiner Ermittlung anwenden möchte und die wortgleich vom großen Meister überliefert ist.

Offen bleibt allerdings, wer die Zielgruppe dieses Schafskrimis ist. Für junge Leser(innen) unter 10 Jahren sind die Wortwahl und der Umfang zu anspruchsvoll, bei Leser(inne)n über 10 Jahren fehlt wohl das Interesse, sich mit eher uncool daher kommenden Maulwürfen und Schafen auseinanderzusetzen. Bleibt der junggebliebene erwachsene Leser, für den es etwas mehr Finten und kompliziertere Verwicklungen hätte geben dürfen.

Daher bleibt als Fazit, dass dieses nette Buch ebenso als leichte Sommer- (oder Herbst-)Lektüre gelesen werden kann, wie auch von leseverrückten älteren Kindern. Es ist eine schöne Geschichte, mit der die Leser ihrem Alltag entfliehen können, indem sie sich mit dem Rätsel von Baskeltorp und den Wirrungen auf der Schafsweide auseinandersetzen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2020
  • Seitenanzahl: 224
  • Alter: ab 10 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-96129-167-0

Link zum Buch:

https://www.edelkidsbooks.de/