Montag, 1. März 2021

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Eingeschneit!

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere: Eingeschneit! Ein Winterabenteuer, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Ein neues Abenteuer der Schule der magischen Tiere steht in den Regalen bereit und viele Fans haben sehnsüchtig darauf gewartet. Passend zum Wintergeschäft ist es ein Abenteuer mit viel Schnee und Weihnachtsstimmung geworden. Das Erstaunlichste sollte aber gleich vorneweg erzählt werden: Kein Schüler hat ein neues magisches Tier bekommen! Mag es daran liegen, dass dadurch mehr Stoff übrig bleibt für weitere Bände? Es hat die jungen Testleser auf jeden Fall ein wenig enttäuscht. Jeder mag die Tiere, die noch bei Mortimer Morrison in der magischen Tierhandlung leben und man wünscht auch ihnen einen Gefährten für ihr weiteres Leben. Diesmal steht insbesondere Murphy, der freundliche Eisbär im Vordergrund und es wäre eine schöne Vorstellung gewesen, wenn er bei einem Schüler eingezogen wäre. Vor allem das Versteinern der magischen Tiere, das sie in Anwesenheit Fremder sofort praktizieren, würde wohl den lustigen Effekt haben, dass der Gefährte von Murphy einen riesigen Plüsch-Eisbär durch die Gegend schleppen müsste… Wie dem auch sei – das Konzept der Schule der magischen Tiere trägt augenscheinlich auch über eine Geschichte ohne neue Schüler-Tier-Konstellation hinweg. Die bereits eingeführten Charaktere sind derart sympathisch und unterschiedlich, dass man sie gerne weiter begleitet.

Diesmal sind die Schüler der Wintersteinschule an einem Samstag in der Schule, um mit ihrer Lehrerin, der Schwester von Mortimer Morrison, Plätzchen für das Seniorenheim zu backen. Mit dabei sind die magischen Tiere, die schon einen Schüler als Gefährten gefunden haben. Nur fünf Kinder der Klasse sind noch ohne magisches Tier und haben das volle Mitleid der jungen Testleser. Denn das Buch platzt fast vor Harmonie zwischen den Schülern und ihren Tieren.

Das Abenteuer nimmt seinen Lauf, als das Backen beendet wird und alle nach Hause gehen wollen, sich die Tür aber nicht öffnen lässt, da es einen Jahrhundert-Schneesturm gab. Ein wenig Grusel, ein wenig Feeling von Pyjamaparty und Halloweenfeier und am Ende finden die Schüler am nächsten Tag einen Weg nach draußen. Der grummelige Hausmeister ist ihnen dabei keine Hilfe und die einzige Person, die ein wenig Negatives in das Buch bringt. Der kleine Zwist zwischen der auf Gemeinsinn ausgerichteten Ida und der ein wenig selbstsüchtigen Helene, die bei der Gemeinschaftsaktion, durch die hohen Schneemassen einen Ausgang zu buddeln, eigener Wege geht, ist nach nur zwei Buchseiten schon wieder beigelegt und Helene kehrt reumütig zur Gruppe zurück.

Das Buch liest sich daher flott herunter und die Illustrationen von Nina Dulleck sind wieder wunderbar herzerwärmend. Auch dieser Band reiht sich ein in das beste derzeit auf dem Markt befindliche Konzept für die Altersgruppe Ende der Grundschule bis etwa 6./7. Klasse. Die Testleser hätten sich allerdings etwas mehr Spannung, Aufregung und – natürlich – ein weiteres magisches Tier in der Runde gewünscht. Oder einem der vorhandenen Tiere ein neues Zuhause gegönnt. Vielleicht ist es das nächste Mal eines der Erdmännchen, das einem der fünf verbliebenen Schüler ein Gefährte sein darf? Da am Ende der sonst übliche Ausblick auf die nächste Reise des Mr. Morrison ebenfalls fehlte, bleibt nur die Hoffnung, dass der folgende Band ein neues magisches Tier herbeizaubert. Verpasst wird der nächste Band auf keinen Fall!

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 05.10.2019
  • Seitenanzahl: 256
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-65046-7

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/die-schule-der-magischen-tiere-eingeschneit-ein-winterabenteuer/978-3-551-65046-7


Andrea Russo, Green Witch

Andrea Russo, Green Witch, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Ein neues Buch auf dem Markt der Hexenbücher für Mädchen. Das Buch der erfahrenen Autorin Andrea Russo ist derart vielgestaltig angelegt, dass sicher einige Fortsetzungsbände zu erwarten sind. Es handelt von der Junghexe Lizzy, die zu ihrem zwölften Geburtstag nach alter Hexentradition einer älteren Hexe zur Ausbildung zugeteilt werden soll. Welche Art der Hexenkunst sie dabei erlernen soll, entscheiden die älteren Hexen gemeinsam mit einem magischen Hexenbuch, das in der jeweiligen Farbe der jeweiligen Hexenkunst erstrahlt: grün für die Kräuterhexen, blau für die Wasserhexen und viele mehr. Lizzy selbst kann sich nicht festlegen, hätte aber auch kein Mitspracherecht. Sie kennt die versammelten älteren Hexen großteils nicht, ist aber sofort begeistert von einer Wasserhexe namens Ava. Stattdessen aber entscheidet sich das Buch zunächst für Camilla, eine in Lizzys Augen gänzlich langweilige Kräuterhexe. Dann wechselt jedoch die Farbe des Buches und es erstrahlt in grün und blau zugleich. Die älteren Hexen sind in heller Aufregung, es wird aber entschieden, dass Lizzy zu Camilla in die Ausbildung gehen soll. Begleitet von ihrer besten Freundin Stina fährt sie zu Camilla in die Herbstferien. Dort wartet ein ausgewachsenes Abenteuer, das selbst eine erfahrene Althexe in Schwierigkeiten gebracht hätte. Camilla kann dabei nicht helfen, da sie selbst angegriffen und in eine Pflanze verhext wurde, die sich innerhalb weniger Tage in Schleim auflösen wird. Lizzy, Stina und Tim, ein gestaltwandelnder Nachbarsjunge schaffen es am Ende gemeinsam, Camilla zu retten und das Rätsel zu lösen.

Das Buch ist locker und leicht lesbar geschrieben und fesselte die Testleser sofort. Der Gruselfaktor ist durchaus vorhanden, aber trotz der eigentlich lebensbedrohlichen Situation gibt es zwischendurch immer wieder lustige Einschübe, die gut auflockern. Ein paar Illustrationen hätten dem Buch gut getan und das schöne Cover hätte durchaus im Buch Wiederholung finden können.

Etwas störend empfanden die Testleser die erzwungen wirkende Jugendsprache, die zwischendurch mit seltsamen Ausdrücken verwendet wird. So ist eine Treppe „wirklich fratze“ (S. 177) und eine bunte Haarsträhne ist „Krasser Shit“ (S. 244). Die Hauptperson Lizzy zeigt sich zudem erstaunlich bockig und tatsächlich wie ein Teenager, doch ist man es nicht gewohnt, solch motziges Verhalten in einem Buch zu lesen. Zu erklären ist es nur damit, dass das Buch in der Innenperspektive der Heldin geschrieben ist.

Die Moral der Geschichte aber wurde in eine ansprechende Geschichte verpackt und trifft den Nerv der Viert- bis Siebtklässler(innen). Dass Lizzy anders ist als die anderen Hexen und dies – nach anfänglichen Schwierigkeiten – von den erwachsenen Hexen nicht nur akzeptiert sondern auch noch gefördert wird, ist ein schöner und aufmunternder Appell.

Auch die Nebengeschichte der zweiten Hauptfigur Stina ist pädagogisch wertvoll. Die Freundin von Lizzy ist im Gegenteil zu dieser tatsächlich botanisch begabt und wird am Ende auf Entscheid des Hexenrates in die Ausbildung zur Kräuterhexe aufgenommen, eine Ehre, die normalerweise nur gebürtigen Hexen zuteilwird.

Insgesamt ein nettes Buch für Fans von Hexenbüchern, das auf eine Fortsetzung nur so wartet!

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 02.09.2019
  • Seitenanzahl: 272
  • Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-67039-1

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/produkt//67039/green-witch/


Rebecca Wait, Das Vermächtnis unserer Väter

Rebecca Wait, Das Vermächtnis unserer Väter, Kein&Aber Verlag

Der Roman von Rebecca Wait greift gleich mehrere höchst spannende Themenkomplexe heraus, die sich gut dazu eignen, menschlichen Abgründen auf die Spur zu kommen: zunächst die biologische bzw. pädagogische Determination von Kindern: wieviel Einfluss haben die Gene, wieviel die äußeren Einflüsse auf den Charakter eines Kindes? Wird es automatisch zum Ebenbild seiner Eltern, mglw. nur eines Elternteils oder ist sein Charakter anderweitig prägbar? Diese Problematik kommt schon im (deutschen) Titel des Romans zum Tragen, der vom „Vermächtnis unserer Väter“ spricht. Darüber hinaus geht es aber auch um den Umgang mit familiären Schicksalsschlägen und einem Verbrechen, um den Umgang mit (gefühlter) Schuld, ebenso aber um die Fähigkeit seine Leben im manchmal unlösbaren Konflikt zwischen Empfindungen und Erstarrung im Pflichtenkorsett zu führen und Auswege zu suchen.

Dadurch dass Wait die Szenerie auf eine nur minimal besiedelte Insel der schottischen Hebriden verlegt, haben die Protagonisten tatsächlich nur wenige Veränderungsmöglichkeiten: jeder kennt jeden, man will aber keinen Ärger, sodass das zentrale Ereignis des Romans, die Auslöschung einer Familie durch den Vater, der nur der Protagonist Tommy entkommt, von den Inselbewohnern als völlig überraschend wahrgenommen und so erfolgreich verdrängt wird. Dies hindert auch die durchaus unangenehme Selbstbefragung, ob man nicht Anzeichen des psychopathisch kontrollwütigen Vaters früher hätte wahrnehmen und Mutter und Kindern hätte helfen müssen. Dass diese Fragen alle wieder an die Oberfläche gespült werden, liegt daran, dass Tommy nach Jahren wieder wie aus dem Nichts auf der Insel erscheint, bei seinem Onkel Malcolm Quartier bezieht und alle Inselbewohner hochgradig verwirrt sind, was der Junge hier will. Tommy weiß es offenbar selbst nicht so richtig, aber das Ereignis hat sein Leben komplett aus den Fugen geraten lassen, sodass er trotz Beziehung, Studiums und Job nie ganz von den schrecklichen Erinnerungen losgekommen ist. Er bemerkt aber sukzessive, dass die Vorwürfe, die er sich stets gemacht hat, nämlich den Mord des Vaters ausgelöst und dazu seinen Bruder Nicky nicht gerettet zu haben, nicht mit den realen Ereignissen zeitlich in Übereinstimmung zu bringen sind.

Was mich an dem Roman langweilt, ist die Langatmigkeit, das Abgleiten auf Nebenkriegsschauplätze und die zu offene Schlusserzählung. Die Charaktere zeichnen sich alle so sehr durch Vermeiden und Nicht-Aktivitäten aus, dass man sie irgendwann schütteln möchte. Das Verharren im ungeliebten Ist ohne nennenswerten Versuch auszubrechen oder das Wesentliche endlich einmal auf den Tisch zu bringen, ist zwar allzu menschlich, macht aber einen Roman von immerhin 334 Seiten ein wenig blutleer. Weder werden alle Details des Mordes aufgeklärt noch ergeben die vielen Rückblenden auf die Beziehung von Tommys Eltern zu ihren eigenen Eltern wirklich Sinn für den Gesamtkontext des Romans. Und Tommys Entscheidung am Ende lässt den Leser eher ratlos zurück.

Der Eindruck bleibt am Ende also ein wenig schal, man hätte mehr aus der Story machen können. Trotzdem liest sich der Roman angenehm, die Figuren sind in sich glaubwürdig und einige sprachliche Leckerbissen warten in den Kapiteln, starke Ausdrücke, die schön im Kopf widerhallen und die Lektüre kurz innehalten lassen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 10.09.2019
  • Seitenanzahl: 336
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-0369-5808-8

Link zum Buch:

https://keinundaber.ch/de/autoren-regal/rebecca-wait/das-vermachtnis-unsrer-vater/1083


Ian McEwan, Maschinen wie ich

Ian McEwan, Maschinen wie ich, Diogenes Verlag

Im neuen Roman von Ian McEwan, die derzeit Schlag auf Schlag veröffentlicht werden, widmet er sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Dabei belässt er die politische Lage der 80er Jahre, in welchen der Roman spielt, wie sie war, verändert aber die Fortschrittskomponente, indem er unterstellt, die Erkenntnisse und Entwicklungen des Enigma-Knackers Alan Turing hätten für bahnbrechende Fortschritte gesorgt, sodass schon in dieser Zeit hochleistungsfähige Computer, selbstfahrende Autos und KI-Entwicklungen wie menschliche Roboter als Begleiter im menschlichen Haushalt existierten. Einen solchen, Adam genannt, hat Charlie erworben. Für einen Batzen Geld, den man durchaus auch anders hätte investieren können. Zuerst ist Charlie nur neugierig auf sein menschengleiches Pendant im Haushalt, aber das ändert sich schnell, als Adam seine Persönlichkeit entwickelt, sich sogar ganz untechnisch in Charlies neue Freundin Miranda verliebt und Charlie das Handgelenk bricht, als dieser versucht, den Roboter zu deaktivieren.

Das Zusammenleben der drei normalisiert sich langsam, Adam sorgt sogar für die Aufbesserung der Haushaltskasse, indem er Charlies Trading-Aktivitäten übernimmt. Jedoch steht Mirandas Vergangenheit bald im Zentrum des Interesses, da sie aus Rache für eine Freundin eine Straftat begangen hat, deren Aufarbeitung nun unausweichlich auf das Trio zukommt. Außerdem beschließen Miranda und Charlie einen kleinen Jungen zu adoptieren, was sich im Hinblick auf die kommenden Ereignisse auch als schwierig herausstellen wird. Hinzu kommt, dass Adam dann doch an seine Grenzen stößt, da er im Gegensatz zu seinen humanoiden Besitzern an bestimmte (ethische) Grundprinzipien gebunden ist und von diesen nicht abweichen kann.

Der Roman greift, wie so oft bei McEwan ein aktuelles Thema literarisch spannend auf. Die Rahmenbedingungen haben mich aber diesmal nicht überzeugt und auch die Geschichte war mir zu langatmig. Die technisch fortgeschrittene Entwicklung in das England der 80er Jahre zu versetzen hat sich – für mich – weder als Gewinn bringend noch als überzeugend erwiesen: wer führt einen Falkland-Krieg, wenn er computertechnisch auf dem Stand der Zeit heute ist? Wer sollte bei einer solchen potentiellen Wirtschaftsleistung jemals Thatcher wählen? Das passt alles nicht so ganz und bringt die Geschichte auch nicht voran. Das Gleiche könnte man noch für andere Nebenstränge der Geschichte sagen.

Insgesamt also ein solider Roman, ein interessantes Thema, aber ein wenig kürzer hätte auch gut getan.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 22.05.2019
  • Seitenanzahl: 416
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07068-2

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/maschinen-wie-ich-9783257070682.html

Philipp Tingler, Rate, wer zum Essen bleibt

Philipp Tingler, Rate, wer zum Essen bleibt, Kein&Aber Verlag

Der neue Roman von Philipp Tingler liest sich rasant, so viel kann vorweggenommen werden. Die Dialoge sind kleine Feuerwerke an Anspielungen, Schattenfechtereien und Bösartigkeiten, die die Protagonisten sich wechselseitig an die Köpfe werden. Die reinen Textpassagen hingegen, die sich dummerweise zwischen die zahlreichen Dialoge begeben haben, können mit der Finesse der gesprochenen Szenerien nicht ganz mithalten, sondern erschöpfen sich mitunter ein wenig im selbstgefälligen Duktus. Das ist durchaus auch amüsant, aber an mancher Stelle – und leider auch am Schluss – ist es eher nervig als noch unterhaltsam und man beginnt querzulesen.

Im Fokus der Geschichte steht Franziska, die sich anschickt eine Stiftungsprofessur für Soziologie zu ergattern. Dies soll auch dadurch klappen, dass sie den Dekan der Fakultät samt Frau zum Essen zu sich nach Hause einlädt und angesichts ihrer Angespanntheit und des Erfolgsdrucks der auf diesem Event lastet, weiß man schon von Beginn an: das wird nix. Oder jedenfalls nicht das, was Franziska sich erhofft. Ihr Gatte, der Schriftsteller Felix, der ein wenig als schöngeistiger Bonvivant durchs Buch mäandert, sorgt mittelbar dafür, dass die ohnehin anstrengende Situation eskaliert. Denn wie aus dem nichts klingelt eine alte Freundin von Felix, Conni, und bringt fortan Leben in die Bude. Sie bildet einen krassen Kontrastpunkt zu Franziska, indem sie ungeniert alles direkt an- und ausspricht und dabei vermeintliche Tabus der Etikette konsequent verletzt. Das ist ungemein komisch und mutiert mitunter zum Slapstick, der aber durch die geschliffen guten Dialoge locker kompensiert wird. Auch die ergänzenden Charaktere des Buches (Dekan und Frau, Franziskas Bruder, später der Stiftungspräsident samt Frau als nächste Essensgäste, diverse Statisten) sorgen für ein variantenreiches Spektakel, wenngleich man sich bei manchen Konstellationen mehr Aufklärung gewünscht hätte, etwa hinsichtlich der familiären Verhältnisse von Franziska. Als sich am Ende alles irgendwie in ganz andere Richtungen wendet als Franziska dies geahnt oder gar gewünscht hätte, beginnt die Phase der Einsicht und Selbsterkenntnis, aus der man aber nicht so recht schlau wird, auch weil die voluminöse Sprache diesen geistigen Wandlungsprozess des eher nüchtern angelegten Charakters nicht trägt.

Man kann sich das Buch hervorragend auf einer Bühne oder als kammerspielartige Verfilmung vorstellen, denn die Lektüre besonders der Dialoge sorgt für eine Plastizität im Kopf, für die dem Autor hohes Lob zu zollen ist. Nachdem schon auf dem Buchumschlag damit „geworben“ wird, dass Tingler keinen nüchternen Schreibstil zeitigt, muss man diesen Umstand als Leser einfach hinnehmen, auch wenn dadurch die die Geschichte voranbringenden Textpassagen mitunter wie oben beschrieben ein wenig zu aufgeplustert wirken. Insgesamt bietet das Werk aber eine vergnügliche Lektüre für zwei bis drei Stunden, in denen man nicht selten laut auflachen wird.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 08.10.2019
  • Seitenanzahl: 208
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-0369-5814-9

Link zum Buch:

https://keinundaber.ch/de/autoren-regal/philipp-tingler/rate-wer-zum-essen-bleibt/1085

Anna Ruhe, Die Duftapotheke (3) – Das falsche Spiel der Meisterin

Anna Ruhe, Die Duftapotheke (3) – Das falsche Spiel der Meisterin, Arena Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der dritte wieder sehr aufwändig gestaltete Band der Duftapotheke steht den vorherigen Bänden in nichts nach. Erneut ist das Cover wunderschön gestaltet und die Geschichte ist dicht, mitreißend und spannend. Die 13jährige Hauptperson Luzie ist Erbin der Duftapotheke und mit ihr Hüterin eines Geheimnisses. Sie hat Kenntnis von unzähligen Düften, die die Menschen beeinflussen – zum Guten wie zum Bösen. Ihre Mitstreiter sind ihr Freund Mats und ihr kleiner Bruder Benno, aber auch der schweigsame Bronsky, der schon dem Gründer der Duftapotheke diente. Ihre Gegenspieler sind die Ewigen, eine Gruppe von Adligen, die einen Duft nutzen, der sie nicht altern lässt.

In diesem Band nun, erhält Luzie einen nahezu identischen Konterpart: Elodie, die Tochter des Anführers der Ewigen, die ebenfalls eine „Sentifleur“ ist, wie sie selbst. Allerdings teilt sie die dunklen Pläne ihres Vaters, mittels eines Dufts alle Menschen gefügig zu machen und so die Weltherrschaft an sich zu reißen. Luzie und Mats brechen nun auf, um die Machenschaften der Ewigen aufzudecken und zu verhindern.

Dies klingt natürlich nach sehr viel Größenwahn, doch ist es die Stärke dieser Reihe, den fantastischen Hintergrund der Kraft der Düfte geschickt mit der realen Lebenswelt 13jähriger moderner Kinder zu verweben. Wie Mats und Luzie ihre Eltern austricksen, das Geld auftreiben um nach Paris zu fahren und dort durch die Straßen zur Residenz der Ewigen zu irren, klingt absolut plausibel und nachvollziehbar. Mit der Figur der Elodie ist der Autorin ein guter Schachzug gelungen, ihre jungen Leser auf mehreren Ebenen zu fesseln: Ein wunderschönes, hochbegabtes Mädchen, das aber im Gegensatz zu Luzie aus bösen Motiven handelt, fordert Luzie nicht nur auf dem Gebiet der Düfte heraus, sondern auch in der Liebe. Sie setzt Mats einem Duft aus, der dazu führt, dass er ihr willenlos ausgeliefert ist, und die aufkeimende Verliebtheit zwischen Luzie und Mats wird auf eine harte Probe gestellt. Am Ende geht – wie in einem guten Märchen üblich – natürlich alles gut aus. Doch bis zum Happy End, in dem etliche der offenen Fragen aus den vorherigen zwei Bänden beantwortet werden, durchleben Luzie und ihre Freunde eine wilde Achterbahnfahrt gefährlicher Situationen.

Schön an diesem Buch ist diesmal, dass bisherige Nebencharaktere eine bedeutendere Rolle erhalten: Luzies kleiner Bruder Benno und Mats großer Bruder Leon verbünden sich und unterstützen die beiden nach ihren Kräften. Der schweigsame Bronsky entwickelt sich zu ihrem Leibwächter, unterstützt von der tatkräftigen Sekretärin Camille, die von der bösen Seite zu ihnen überwechselt. Gemeinsam im Team entwickelt jeder seine Stärken und trägt wie nebenbei zur Rettung der Welt bei.

Mehrmals werden im Buch widerstreitende Gefühle nachvollziehbar dargestellt: das Hin- und Hergerissensein zwischen den Verlockungen, die eigenen Kräfte gemeinsam mit Elodie voll zu entfalten oder weiterhin dem Guten zu dienen, stellt Luzie ebenso auf eine harte Probe wie die Zweifel daran, ob Mats wirklich nur wegen des verabreichten Dufts so kalt und abweisend verhalten hat. Ähnliche – wenngleich weniger weltengefährdende – Gedanken hat wohl jede 10-13 jährige Leserin bereits gehabt und findet sich hier gut wieder. Natürlich ist die Duftapotheken-Reihe nicht ausschließlich für Mädchen, wenngleich das schön gestaltete Poster wohl eher zauberhafte Naturen anspricht.

Als Fazit ist festzuhalten, dass auch der 3. Band dieser Reihe das Genre des fantastischen Detektivromans würdig fortsetzt!

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 18.06.2019
  • Seitenanzahl: 296
  • Altersempfehlung: Ab 10 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-401-60403-9

Link zum Buch:

https://www.arena-verlag.de/artikel/die-duftapotheke-3-das-falsche-spiel-der-meisterin-978-3-401-60403-9