Sebastian Barry, Tage ohne Ende, Steidl Verlag
Auch in seinem
neuen Roman bleibt Sebastian Barry den Kriegswirren treu, diesmal aber im 19.
Jahrhundert und in den Vereinigen Staaten. Protagonist ist Thomas McNulty, der
zusammen mit seiner Zufallsbekanntschaft John Cole lange Jahre in der Armee
verbringt und dabei von einem Konflikt in den nächsten geschickt wird: zuerst wird
er in die Zivilisationskämpfe gegen die Ureinwohner verstrickt, später folgt der
Sezessionskrieg gegen die Südstaaten.
Obwohl sich die
beiden Jungs mitten im Nirgendwo in einer Notsituation begegnen, sind sie
füreinander geschaffen: nicht nur als Freunde, sondern auch als Liebende. Barry
thematisiert den Umgang mit der Homosexualität gänzlich unbefangen, gerade was
die späteren Kasernensituation betrifft, aber weist auch deutlich auf die
Grenzen der Akzeptanz hin, alles in dem von ihm gewohnten perlenden, bisweilen
lakonischen Erzählstil, der den Leser von Beginn an abholt und mitnimmt. Thomas
und John verdingen sich zuerst im jugendlichen Alter als Tänzerinnen für
Bergleute, bevor sie dann bei der Armee anheuern. Eine bessere Zukunft haben
sie ohne Familie, Schulausbildung oder sonstige Kenntnisse sowieso nicht. Die
Konfrontation mit der körperlichen Mühsal des Soldatenlebens ist für die beiden
nicht so dramatisch, aber dafür das Kennenlernen der menschlichen Abgründe,
sowohl bei sich als auch bei den Kameraden, gerade wenn wie im Blutrausch
Indianer abgeschlachtet werden. Die dabei entstehenden Verstrickungen aus
Schlägen, Gegenschlägen, Racheakten und Vergeltungsaktionen beschäftigen die
beiden über Jahre hinweg, schweißen die Männer aber auch für ein Leben lang
zusammen, sodass Thomas und John am Ende ihrer Dienstzeit sogar mit einem
ehemaligen Kameraden auf dessen Farm leben.
Das Buch ist aus
der Sicht von Thomas geschrieben und entbehrt, bei aller Weisheit und
philosophischen Weitsicht, die Barry in die Gedanken von Thomas McNulty legt,
nie einer gründlichen Portion Naivität und Genügsamkeit mit dem Leben wie es
eben so vor sich geht. Dies ergibt eine gesunde Mischung, die den Erzählstil am
Leben erhält und die Geschichte trägt, denn es ist schon ein gutes Stück
Lektüre, das Barry über den „wilden“ Westen des 19. Jahrhunderts verfasst hat.
Auch die Wendung gegen Ende des Romans, als Thomas endlich ein Lebensziel ins
Auge fasst und dieses auf Gedeih und Verderb verteidigt, dann aber am Ende zu
scheitern scheint, und überraschend doch „gerettet“ wird, ist sympathisch und
sorgt für ein versöhnliches Nachhallen der Erzählung, die nicht arm an
Grausamkeiten gewesen ist.
Wie auch in
seinen bisherigen Büchern – und das wie immer trotz der Übersetzung! – zieht
Barry den Leser nicht nur mit seinem Erzählstil, sondern auch mit Wendungen,
Beschreibungen, Sprachbildern und gekonnten Übergängen in den Bann, sodass man
stets geneigt ist, innezuhalten und sich manche sprachliche Leistung noch ein-
oder mehrfach durch den Kopf gehen zu lassen.
Insgesamt ein
lesenswerter Roman, nicht packend, aber auf seine Weise eindringlich.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: September 2018
- Seitenanzahl: 256 Seiten
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-95829-518-6
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