Martin Walker, Französisches Roulette, Diogenes Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Routiniert
stellt Martin Walker den dreizehnten Fall für Bruno vor, den sympathischen Chef
de police aus dem Périgord. Seit Jahren wartet die treue Leserschaft darauf,
dass Bruno eine Familie gründet und sein Junggesellendasein hinter sich lässt,
doch auch in diesem Band darf sich nur der treue Basset Balzac fortpflanzen.
Dieser dreizehnte Fall schlägt wieder einmal einen großen Bogen von den kleinen
Geschehnissen im verschlafenen Weiler St. Denis zur großen Weltbühne – diesmal
auf den Majdan-Platz in Kiew und russische Einmischung in ukrainische Politik.
Die Geschichte
startet mit dem Tod eines eher einsam lebenden Schafbauers in St. Denis, der
zunächst nicht außergewöhnlich erscheint, da der Verstorbene an Herzproblemen
litt. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass er kurz vor seinem Tod Drogen und
Viagra zu sich nahm und seine Kinder enterbte, um sich in einer extravaganten
Seniorenresidenz einzumieten. Bruno nimmt Ermittlungen auf, die ihn über Umwege
zu zwiespältigen Versicherungsmaklern führen. Parallel dazu verläuft die
Geschichte eines Rockstars, der nach jahrzehntelangem Domizil in St. Denis sein
Schloss verkaufen wird, da er sich von seiner Frau scheiden lässt. Als sein
Sohn mit neu gewonnenen Freunden und vor allem einer ukrainischen Millionärstochter
samt Bodyguard auftaucht, entwickeln sich die Nachforschungen von Bruno immer
mehr in Richtung größerer Zusammenhänge. Ein amouröses Wiedertreffen mit seiner
Nicht-mehr-oder-doch-noch-Freundin Isabelle, die inzwischen bei der
Terrorabwehr in Paris arbeitet, fördert Verbindungen der beiden Fälle bis in
höchste russische Kreise zu Tage. Bruno wird wie in einigen Fällen zuvor von
seinem regulären Dienst entbunden und der obersten Polizeibehörde direkt
unterstellt, so dass er mehr Handlungsfreiheit hat und schlussendlich eine
Geiselnahme glimpflich abwenden kann. Zum Ende der Geschichte gibt es zwar
mehrere Tote, doch der Frieden in St. Denis ist wieder hergestellt und die
großen Fische schwimmen weiter unbehelligt durch das weltgeschichtliche Meer.
Etwas ungewohnt
und weniger rund als man es von Walkers sonstiger Feder gewöhnt ist, haben die
verschiedenen Handlungsstränge nur marginal miteinander zu tun. Die Verbindung
zwischen den Bösewichten verbleibt eher abstrakt und auf wenige, nur schwach
beleuchtete Figuren beschränkt. Der Wechsel der Dramatik hin zu einer
Geiselnahme und zu streng geheimen Gesprächen mit russischen Oligarchen erfolgt
abrupt und wenig ausgebaut.
Wie man es von
Walker gewöhnt ist, sind leckere Rezepte und schöne Landschaftsbeschreibungen
eingestreut, die dem Leser das Périgord nahe bringen. Dazu versäumt es Walker
auch diesmal nicht, einen ausgefeilten historischen Exkurs einzustreuen,
diesmal über die ukrainische Unabhängigkeitsbewegung und die Proteste auf dem
Majdan. Obwohl inzwischen die „Produktion“ der Bruno-Fälle dem Nachwort
entnehmbar zu einem Familienunternehmen geworden ist, hat sich diesmal ein
Fehler eingeschlichen, wenn der Mord an der Malteser Journalistin Galizia auf
S. 385 in den Oktober 2016 und auf S. 389 in den Oktober 2017 gestellt wird.
Summa summarum
ist auch der dreizehnte Fall von Bruno eine willkommen Abwechslung im
Lesesommer, routiniert werden der treuen Leserschaft die vertrauten Personen
präsentiert, so dass man sich entspannt einem erneuten Treffen mit guten
Bekannten hingeben kann, doch bleibt der Fall diesmal etwas unklar und
unvollständig gelöst.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 28.04.2021
- Seitenanzahl: 400
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07118-4
Link zum Buch:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-walker/franzoesisches-roulette-9783257071184.html
