Deborah Marcero, Freunde, Adrian & Wimmelbuch Verlag
Von Dr. Verena Krenberger
Es ist immer
wieder erstaunlich, warum und vor allem in welcher Form Originaltitel verändert
und verfremdet werden, obwohl er auch in deutscher Übersetzung zutreffend
gewesen wäre. Das nun in deutscher Übersetzung vorliegende Kinderbuch /
Bilderbuch erschien 2020 unter dem Titel „In a jar“ und erfasst auf den Punkt,
worum es in dem Buch geht: alles Mögliche und Unmögliche wird in Gläsern
gesammelt und aufbewahrt, zur Erhaltung und Erinnerung, zur Begründung und
Wahrung der Freundschaft. Die Freundschaft ist also (nur) das Metathema. Das
erkennen selbst die kleinsten Leserinnen und Leser ohne einen plakativen Titel.
Zudem gibt es unter diesem Titel schon zahlreiche Kinderbücher, allen voran von
Helme Heine. Wie dem auch sei. Jedoch wurden offenbar auch die Hauptfiguren
umbenannt. Denn in der Amazon-Beschreibung des Titels lauten die Namen der
Kaninchen Llewellyn und Evelyn, in der nun vorliegenden Übersetzung aber
Leander und Leni. Das klingt natürlich eingängiger, aber so ganz geschickt ist
das von der Marketing-Abteilung des Verlages nicht.
Genug der
Formalia, direkt zum Buch: es ist ein wunderschönes, gefühlvolles und liebevoll
illustriertes Kinderbuch, das Kindern ab drei Jahren anspricht und ihnen das
Metathema Freundschaft mitsamt ihren möglichen Hindernissen in Wort und Bild
nahebringt. Vorgestellt wird das Kaninchen Leander, das wie oben beschrieben
eine Sammelleidenschaft hat. Er kann schöne Dinge so nicht nur bewahren und
immer wieder ansehen, sondern auch die Erinnerungen aufrecht erhalten, die er
im Zusammenhang mit der gesammelten Sache erworben hat. Dies können auch die
vorlesenden Erwachsenen bestätigen: wer Erinnerungen mit visuellen Aspekten
verknüpfen kann, dem wird das Behalten und Wiederabrufen deutlich leichter
fallen als ohne diese Stütze. Beim Sammeln von Gegenständen bleibt es aber
nicht: Leander möchte eines Abends sogar das kirschrote Licht des
Sonnenuntergangs in Gläser sammeln. Am Strand trifft er Leni und er sammelt
auch für sie ein Glas kirschroten Himmel. Zuhause bei Leni leuchtete das Glas
mit dem eingesammelten Licht die ganze Nacht. Es dürfte kaum eine schönere
Metapher für eine beginnende Freundschaft geben. Die beiden sammeln nun
gemeinsam Dinge, die sie schön finden und die man eigentlich gar nicht sammeln
kann. Auch dies umschreibt wunderbar, woraus sich Freundschaft speist: aus dem
gemeinsam Erlebten, dem Gefundenen, dem Unsagbaren. In vielen schönen Bildern
wird diese Freundschaft und das Sammeln nun ausgemalt und der Kontrapunkt folgt
prompt: Leni zieht in eine andere Stadt, der Abschied fällt schwer und dürfte
auch manche kleine Zuhörer erschüttern. Das dann folgende Bild erst recht.
Wieder eine großartige Leistung der Autorin, sowohl von der Komposition als
auch von der Illustration her. Leander hat aber eine Idee, wie er den Kontakt
zu Leni erhalten kann.
Der Schlusspunkt
des Buches ist ebenfalls nett, aber ein wenig irreführend: Leander sammelt
wieder Herbstblätter, diesmal für Leni. Und im Wald trifft er ein neues
Kaninchen, Max. Er hat „zum Glück“ ein zweites Glas vorbei. Die kleinen Leser
fragten da zu Recht: ist Leni jetzt abgeschrieben und wird durch Max ersetzt?
Oder bekommt Max nur gezeigt, wie man Freunde findet? Oder wird Max neben Leni
zum neuen Freund, weil man eben auch Freunde vor Ort braucht? Da hätte die
Autorin vielleicht den einen oder anderen Gedanken darauf verwenden können.
Dies ändert aber
nichts daran, dass es ein tolles Kinderbuch ist, das ein schönes Thema
einfallsreich und kindgerecht transportiert. Eine klare Empfehlung meinerseits.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 04.02.2022
- Seitenanzahl: 40
- Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3985850525
Link zum Buch:
nicht vorhanden