Jory John & Lane Smith, Kleine, große Motzemieze, Carlsen Verlag
Bilderbücher für
Kinder zum Thema schlechte Laune gibt es zuhauf. Mit der „Motzemieze“ sollen
nun erneut Kinder ab 4 Jahren zum Thema angesprochen werden. Mit großflächigen,
leicht groben Illustrationen wird der Alltag einer Hauskatze abgebildet, die
katzentypisch notorisch nörgelig, mies gelaunt, launisch, gemein, verfressen
und unzufrieden ist. Das alles kennt man von Garfield zur Genüge, jeder
Katzenbesitzer kann sich in dieser Weise über sein Haustier äußern und auch
wenn man in den „Twitterperlen“ Tweets zum Thema Katzen sucht und findet, wird
man exakt auf diese negativen Eigenschaften von Katzen zuhauf stoßen.
Das an sich wäre
also ein amüsanter Ansatz, aber nicht für Kinder. Denn die Erkenntnis über den
schwierigen Charakter von Katzen hat man als Erwachsener, der mit einem breiten
Erfahrungsspektrum das Verhalten von Katzen mit anderen Haustieren, aber auch
Mitmenschen vergleichen kann. Kinder, gerade im angesprochenen Alter, können
das nicht, da fehlt einfach der Wissenshorizont für die entsprechende
Transferleistung. Die im Buch abgebildeten Verhaltensweisen sind auch
katzentypisch, aber eben nicht, wie es in anderen Büchern der Fall und
fabelähnlich aufgemacht ist, kindertypisch. Beispiel: Die Katze verdrängt ihren
Katzenhausgenossen mehrfach von dessen Liegeplatz, weil es angeblich „ihr“
Platz ist. Sie mäkelt über das Futter, über die Futtermenge, über die
Futterqualität. Aber die Sprache dazu ist absolut unpassend für Kinder,
Beispiel: „Zu gütig, Leute! Wäre ein kleines bisschen Napfservice zu viel
verlangt?“. Klar, das passt charakterlich zu einer Katze. Aber kein Kleinkind
versteht diesen Transfer, kein Kind kann sich selbst in so einem Verhalten
wiederfinden und in der Sprache schon gar nicht. Genauso später beim
Pfotensäubern: „Ein bisschen mehr Privatsphäre, wenn ich bitten darf!“. Welches
Kind spricht so?
Höhepunkt ist
dann die Konfrontation mit einem Eichhörnchen, dessen Freiheit die Katze ihm
neidet. Das Eichhörnchen schlägt in einem wütenden Monolog zurück, mit
wievielen Hindernissen diese Freiheit bestückt ist und dass es eine Frechheit
ist, dass die verwöhnte, satte, sichere Katze ihm seine Lebenssituation
ernsthaft neidet. Auch das: alles richtig, aber weder vom Thema her noch von
der Sprache her für Kleinkinder geeignet.
Weiterer Tiefpunkt
sind zwei Seiten, auf denen die Katze gelangweilt / hungrig / genervt andauernd
miaut. Die Seiten bestehen aus nichts anderem als der Wiederholung des Worts
„Miau“. Auch hier: Wiedererkennungseffekt für Katzenbesitzer, für Kinder
unverständlich und unpassend.
Was bleibt als
Fazit? Das ist kein Kinderbuch, vor allem kein gutes, und die Umsetzung ist
eine klare Themaverfehlung. Ich würde es jedoch als Spaßgeschenk für erwachsene
Katzenbesitzer empfehlen.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 27.01.2022
- Seitenanzahl: 48
- Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-52182-8
Link zum Buch:
https://www.carlsen.de/hardcover/kleine-grosse-motzemieze/978-3-551-52182-8