Sonntag, 13. Februar 2022

Jory John & Lane Smith, Kleine, große Motzemieze

Jory John & Lane Smith, Kleine, große Motzemieze, Carlsen Verlag

Bilderbücher für Kinder zum Thema schlechte Laune gibt es zuhauf. Mit der „Motzemieze“ sollen nun erneut Kinder ab 4 Jahren zum Thema angesprochen werden. Mit großflächigen, leicht groben Illustrationen wird der Alltag einer Hauskatze abgebildet, die katzentypisch notorisch nörgelig, mies gelaunt, launisch, gemein, verfressen und unzufrieden ist. Das alles kennt man von Garfield zur Genüge, jeder Katzenbesitzer kann sich in dieser Weise über sein Haustier äußern und auch wenn man in den „Twitterperlen“ Tweets zum Thema Katzen sucht und findet, wird man exakt auf diese negativen Eigenschaften von Katzen zuhauf stoßen.

Das an sich wäre also ein amüsanter Ansatz, aber nicht für Kinder. Denn die Erkenntnis über den schwierigen Charakter von Katzen hat man als Erwachsener, der mit einem breiten Erfahrungsspektrum das Verhalten von Katzen mit anderen Haustieren, aber auch Mitmenschen vergleichen kann. Kinder, gerade im angesprochenen Alter, können das nicht, da fehlt einfach der Wissenshorizont für die entsprechende Transferleistung. Die im Buch abgebildeten Verhaltensweisen sind auch katzentypisch, aber eben nicht, wie es in anderen Büchern der Fall und fabelähnlich aufgemacht ist, kindertypisch. Beispiel: Die Katze verdrängt ihren Katzenhausgenossen mehrfach von dessen Liegeplatz, weil es angeblich „ihr“ Platz ist. Sie mäkelt über das Futter, über die Futtermenge, über die Futterqualität. Aber die Sprache dazu ist absolut unpassend für Kinder, Beispiel: „Zu gütig, Leute! Wäre ein kleines bisschen Napfservice zu viel verlangt?“. Klar, das passt charakterlich zu einer Katze. Aber kein Kleinkind versteht diesen Transfer, kein Kind kann sich selbst in so einem Verhalten wiederfinden und in der Sprache schon gar nicht. Genauso später beim Pfotensäubern: „Ein bisschen mehr Privatsphäre, wenn ich bitten darf!“. Welches Kind spricht so?

Höhepunkt ist dann die Konfrontation mit einem Eichhörnchen, dessen Freiheit die Katze ihm neidet. Das Eichhörnchen schlägt in einem wütenden Monolog zurück, mit wievielen Hindernissen diese Freiheit bestückt ist und dass es eine Frechheit ist, dass die verwöhnte, satte, sichere Katze ihm seine Lebenssituation ernsthaft neidet. Auch das: alles richtig, aber weder vom Thema her noch von der Sprache her für Kleinkinder geeignet.

Weiterer Tiefpunkt sind zwei Seiten, auf denen die Katze gelangweilt / hungrig / genervt andauernd miaut. Die Seiten bestehen aus nichts anderem als der Wiederholung des Worts „Miau“. Auch hier: Wiedererkennungseffekt für Katzenbesitzer, für Kinder unverständlich und unpassend.

Was bleibt als Fazit? Das ist kein Kinderbuch, vor allem kein gutes, und die Umsetzung ist eine klare Themaverfehlung. Ich würde es jedoch als Spaßgeschenk für erwachsene Katzenbesitzer empfehlen.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 27.01.2022
  • Seitenanzahl: 48
  • Altersempfehlung: Ab 4 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-551-52182-8

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/kleine-grosse-motzemieze/978-3-551-52182-8