Sonntag, 19. Juni 2022

Dagmar Mueller, Der kleine Raubdrache Band 1

Dagmar Mueller, Der kleine Raubdrache (Bd.1) - Das vorschriftsmäßige Rauben von Prinzessinnen, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Trotz schöner Illustrationen und bunten Schriftelementen zwischendurch muss eine Geschichte von fast 180 Seiten erst einmal bewältigt werden. Und schon da fragt man sich: für welche Leserschaft soll das Buch denn geschrieben sein? Die Altersempfehlung des Verlages lautet „ab 5 Jahre“. Das halte ich gelinde gesagt für verfehlt. Die Geschichte vom kleinen Raubdrachen ist nämlich neben dem schieren Umfang auch noch zu anspruchsvoll, als dass Vorschüler mit ihr thematisch und stilistisch zurechtkommen würden. Das heißt nicht, dass es eine schlechte Geschichte wäre, keineswegs. Aber es ist ein Buch für leseerfahrene Grundschülerinnen und Grundschüler, die ihren bisherigen Lesehorizont mit viel Ironie – sofern sie denn dazu fähig sind – gegen die Geschichte abgrenzen und so den im Buch enthaltenen Witz entdecken können.

Denn der kleine Raubdrache ist etwas Besonderes: er hat keine Lust, Prinzessinnen zu rauben und sich dann später vom rettenden Prinzen vermöbeln zu lassen. Dennoch muss er sich an die uralten überlieferten Regeln halten, nach welchen Drachen so etwas nun einmal zu tun haben. So fügt er sich zunächst maulend in sein Schicksal und der Drachenlehrer gibt ausgerechnet ihm die Aufgabe, die nächste Prinzessin zu rauben. Die allerdings ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was man sich im Drachenland unter einer Prinzessin so vorstellt. Denn Caramella benimmt sich nicht wie eine Prinzessin, kleidet sich nicht so, hat vor nichts Angst und sieht das Ganze als großes Ferienabenteuer. Die parallel zu ihr in einer weiteren Höhle gefangene, ihres Prinzen harrende Prinzessin Poppy lässt sich rasch von Caramellas Unkonventionalität anstecken. Das allein bringt das Gedankengefüge des alten Drachenlehrers durcheinander und auch der für Poppy ausersehene Prinz Harik lässt auf sich warten. Für Caramella kommt erst gar kein Prinz. Also müssen die Drachen überlegen, wie sie die Prinzessinnen ohne Gesichtsverlust wieder loswerden. Die Spielregeln sind also nicht nur auf den Kopf gestellt, es scheint eine Zeitenwende eingetreten zu sein, an die sich alle erst einmal gewöhnen müssen. Der kleine Raubdrache hat damit weniger Schwierigkeiten, da er sowieso schon Zweifel am System hatte.

Im weiteren Verlauf der Geschichte zeigen sich viele schöne Elemente: wie der kleine Raubdrache in die Verbesserung der Müllfressanlage eingespannt wird und auch da überkommene Vorstellungen überwindet; wie er Prinz Harik Mut macht und dieser über sich hinauswächst; wie Caramellas Eltern vollstes Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Tochter haben und ihr zum Leidwesen des Drachenlehrers schöne Ferien bei den Drachen wünschen. All das sind Themen, über die man nachdenken und lachen kann. Aber man muss sie kognitiv erfassen. Man muss sowohl den klassischen Prinzessinnen-Plot kennen als auch die hier gebotenen Abweichungen erkennen, um in der Divergenz das Vergnügen zu finden. Das aber schaffen Vorschulkinder nicht. Zudem ist das Buch eher auf Selbstlesen ausgelegt und als Vorlesebuch fast zu schade.

Mich persönlich hat noch zu Beginn etwas gestört, das das Lektorat vielleicht hätte bemerken müssen: ich habe wenig Lust, in einem nicht ausdrücklich regional gefärbten Kinderbuch Wörter nachschlagen zu müssen. Die Gebräuchlichkeit des Adjektivs „muksch“, das gleich mehrfach verwendet wird, ist nicht so allgemein, als dass man ernsthaft davon ausgehen könnte, dass kleine Leser das Wort kennen, wenn sie nicht gerade am Deich aufgewachsen sind.

Das Ende bietet einen kleinen Cliffhanger, sodass man auf die Fortsetzung der Geschichte in Band 2 gespannt sein darf. Wenn der kleine Raubdrache schon kein solcher mehr sein will, wird es interessant zu erfahren sein, wie er denn fortan sein Leben mit Inhalten füllen möchte.

Das Fazit ist klar: es ist ein sehr schönes Kinderbuch mit vielen lehrreichen Elementen, geeignet für Kinder ab 8 Jahren mit Leseerfahrung und Verständnis für Witz und Ironie. Jüngere Kinder dürften von den vielen Anspielungen und Transferleistungen überfordert sein.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 02.06.2022
  • Seitenanzahl: 176
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-649-63612-0

Link zum Buch:

https://www.spiegelburg-shop.de/der-kleine-raubdrache-bd.1-das-vorschriftsmaessige-rauben-von-prinzessinnen/63612

Samstag, 18. Juni 2022

Martin Walker, Tête-à-Tête

Martin Walker, Tête-à-Tête. Der vierzehnte Fall für Bruno, Chef de police, Diogenes Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Der vierzehnte Fall für Bruno, den sympathischen Chef de police im Perigord kommt gemächlich und wohlbekannt daher. Vertraute Leser treffen altbekannte Protagonisten wieder und können sich daran erfreuen, dass in der französischen Provinz alles beim Alten geblieben ist. Es ist ein besonderes Zeichen seiner Kunst, dass es Martin Walker auch diesmal wieder gelingt, die typische Stimmung seiner Geschichte aufkommen zu lassen, obwohl jedes Mal ein anderer Fall behandelt wird. Die bekannten Charaktere bleiben in ihrem Muster und wirken dadurch wie Freunde, die man ab und zu im Urlaub besucht. Die Beschreibung des Tagesablaufs, der Landschaft, der freundschaftlichen Zusammenkünfte und beruflichen Abläufe gleichen sich und sind doch jedes Mal ein wenig abgewandelt, so dass der Leser die fortschreitende Zeit wie Realität vorkommt.

Bruno ist weiterhin der Junggeselle, der mit Pferd und Hund und vielen Freunden pflichtbewusst seiner Arbeit als Dorfpolizist nachkommt. Ausgewogene und gesunde französische Küche wird wieder vorgestellt, ebenso werden kleine Exkurse in die französische Geschichte oder Weinkunde gegeben. Dies alles bildet den sicheren Boden dieser erfolgreichen Reihe, auf dem jeder neue Fall basiert.

In diesem aktuellen Fall startet Bruno zunächst weit in der Vergangenheit, als er eine Ausstellung im Prähistorischen Museum besucht. Dort wird der mit modernsten wissenschaftlichen Methoden hergestellte Schädel eines Frühmenschen ausgestellt, der Bruno auf die Idee bringt, diese Methode bei der Rekonstruktion eines Todesopfers aus einem lange zurückliegenden Fall anzuwenden. Auch diesmal steckt hinter dem zunächst eher banalen Mordfall in der Provinz ein übergeordneter nationaler Sonderfall, der bis zu den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland reicht. Bruno agiert wieder diplomatisch zwischen seinen teils übereifrigen Kollegen, den verschiedensten Interessen und einbezogenen militärischen Diensten.

Es schimmert diesmal allerdings etwas Traurigkeit und Nachdenklichkeit in Brunos Gedankenwelt durch, die ein neues Stilmittel ist: Bruno haderte schon in früheren Fällen mit seinem Junggesellendasein, doch diesmal befällt ihn auch beruflich an mancher Stelle eine gewisse Schwere, da die Ermittlungen in lange ruhenden Fällen alte Wunden wieder aufreißen und mehreren Familien ein schweres Schicksal auferlegt.

An zwei Stellen unterlaufen dem Autor kleinere verzeihliche Fehler, wenn z.B. der Monat April als der des Sternzeichens Fische bezeichnet wird (S.104, eigentlich Widder) oder wenn eine Abkürzung verwendet wird, die vorher nicht erklärt wird (AIS, S.291). Etwas befremdlich ist die Beschreibung einer versuchten Vergewaltigung, die Bruno unterbrechen kann. Die junge Frau springt trotz einiger leichter Verletzungen durch diese traumatische Erfahrung kurze Zeit später fröhlich in Brunos Auto, zieht sich um und nimmt an einem Abendessen mit seinen Bekannten teil, besucht eine Ausstellung und hat offensichtlich binnen Minuten keinerlei Beeinträchtigungen mehr. Auch wenn es jeder Frau zu wünschen ist, dass sie sich nicht als Opfer fühlt, sondern eine solche Tat psychisch unbeschadet übersteht, wirkt es doch ein wenig zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Eigentlich hätte es diese Szene auch nicht gebraucht: Bruno ist schon ein unbestrittener Held, eine weitere Heldentat wäre nicht nötig gewesen und eine solch drastische Szene quasi verpuffen zu lassen, dadurch, dass zwei Seiten später alles wieder gut ist, ist doch ein recht aufwühlendes Stilmittel ohne großen Beitrag zum Handlungsstrang. Das hehre Ziel, Chauvinismus und Machotum im französischen Polizeiapparat anzuprangern, wäre auch anders möglich gewesen.

Ansonsten ist auf den Autor und seinen Helden Verlass – auch diesmal handelt es sich wieder um eine warme, einlullende, sympathische Geschichte, die einige wohl recherchierte historische Einschübe bietet und den Leser im beruhigenden Gefühl belässt, dass im Perigord die Welt weiterhin in Ordnung ist.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 27.04.2022
  • Seitenanzahl: 400
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3-257-07199-3

Link zum Buch:

https://www.diogenes.ch/microsites/martin-walker.html

Sonntag, 5. Juni 2022

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere. Endlich Ferien 7: Max und Muriel

Margit Auer, Die Schule der magischen Tiere. Endlich Ferien 7: Max und Muriel, Carlsen Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Das Spin-Off „Endlich Ferien“ erlaubt der Autorin der Erfolgsreihe „Die Schule der magischen Tiere“, ihre Charaktere und deren Beziehung zu ihrem magischen Tier noch weiter auszubauen. Das ist für die jungen Leserinnen und Leser sehr schön, denn auf diese Weise können sich die in der Hauptreihe teilweise etwas stereotypen Figuren positiv weiterentwickeln und ihre dort vor allem zur Schau gestellten Haupteigenschaften ergänzen, teilweise überwinden und dennoch zugleich ihre Kernkompetenzen Gewinn bringend einsetzen. Zugleich sorgt diese Vereinzelung des Blickwinkels auf nur ein Kind-Tier-Pärchen, dass auch Brüche mit den Maximen der Hauptreihe entstehen und zwar insoweit, dass die Existenz der Tiere als lebendige Begleiter wesentlich schwerer zu negieren ist, als wenn die große Klassentruppe mit einem Haufen von vermeintlichen Plüschtieren aufschlägt. So ist es auch hier: Muriel kann ihre Existenz als lebendiges Tier nicht lange verheimlichen, aber Max hat eine geeignete Erklärung parat, mit der alle zufrieden sind. Muriel als Eule ist dafür natürlich auch geeigneter als z.B. ein Leopard oder ein Krokodil…

In Band sieben der Ferien-Reihe darf nun Max mit seiner Eule Muriel ein eigenes Abenteuer erleben. Die Klasse von Mary Cornfield ist ja recht zeitlos unterwegs und verharrt trotz inzwischen 12 Büchern immer noch im Grundschulalter. Auch die Ferien-Bücher sind insoweit zeitlich „unrealistisch“, dass es da immer mal wieder zum einen recht kurze Ferien gibt, in denen zum anderen der Blick nur auf je eines der Kinder geworfen wird. Das alles ist nur eine Nebenbeobachtung, aber es fällt natürlich auf.

Max steht nun wie die anderen 23 Kinder vor einer Ferienwoche und alle Kinder spekulieren darauf, dass der „Professor“, wie Max ob seiner Intelligenz und seines meist belehrenden Auftretens genannt wird, nach Ägypten reisen wird. Denn er leiht sich passende Bücher aus der erstaunlich gut sortierten Schulbibliothek aus und verspricht einigen Kindern, passende Souvenirs und natürlich Urlaubsbilder mitzubringen. Dabei fährt Max nur eine Woche zu seiner großen Schwester, die in einer etwas entfernt gelegenen Stadt studiert und dort in einer WG wohnt, in die Max für die Zeit mit einziehen darf. Max‘ Eltern sind nicht wirklich sensibel dafür, dass der kluge Bücherwurm Max vielleicht im Alltag ein wenig mehr Hilfe bräuchte, und setzen ihn einfach in den Zug. Am Bahnhof ist natürlich seine Schwester Leslie noch nicht da, sodass Max erst einmal etwas verzweifelt ist. Später, endlich in der Wohnung angekommen, erlebt Max den nächsten Kulturschock, denn die Mitbewohnerinnen, so freundlich sie auch alle sind, teilen mit seiner Schwester nahezu alles und eine Zimmertür gibt es erst einmal auch nicht. Immerhin arbeitet Charlie, eine Mitbewohnerin, im Museumsshop des Ägyptischen Museums und Max darf sie begleiten. Ab dann beginnen seine Ferien grandios zu werden. Denn er darf vor Ort seinen Wissensschatz testen und erweitern, darf im Shop mithelfen und bekommt sogar die Gelegenheit, bei einer im Museum aufgezeichneten Fernsehshow mit Kinderwissensquiz dabei zu sein. Dass Leo und Ellie, Neffe und Nichte der stellvertretenden Museumsleiterin, in den Ferien auch noch da sind und seiner Ansicht nach etwas zu wild sind und nicht den nötigen Respekt vor den ägyptischen Kostbarkeiten zeigen, ignoriert er anfangs erfolgreich. Bei den Proben fällt ihm aber sofort auf, dass da viel Klamauk veranstaltet wird, dass das Wissen der Moderatoren zu gering ist und er eigentlich viel präzisere Informationen zum alten Ägypten parat hätte. So wird er durch einen glücklichen Zufall zum Kinder-Co-Moderator ernannt, muss in dieser Rolle aber dennoch seltsame Tätigkeiten ausführen. Schlimm wird es jedoch dann, als der echte Moderator für die Proben erscheint: Karsten Markoni, an den Max noch schlimme Erinnerungen aus der letzten Fernsehsendung hat, an der er mit seiner Klasse teilnehmen durfte. Doch auch Markoni erkennt Max bald wieder und hat genauso schlimme Erinnerungen, da seine Karriere nach der verunglückten Sendung damals ins Stocken kam und er diese Sendung als neues Sprungbrett braucht. Da passt ihm Max‘ Kritik natürlich gar nicht und er will ihn so schnell es geht entfernen. Dafür greift er sogar zu einem fiesen Mittel, was Max an den Rand der Verzweiflung bringt. Doch Max erhält unerwartet Hilfe von Flo und Ellie, erfährt ebenso unerwartet Unterstützung von allen anderen beteiligten Kindern und kann auf diese Weise vom nerdigen „Professor“ zu einem echten abenteuerlustigen und liebenswerten Kind werden. Der Showdown der drei Kinder und natürlich Muriel ist reihentypisch: spannend, aber kindgerecht, soll aber der Eigenlektüre vorbehalten bleiben. Auch nach der Sendung zeigt Max noch neue Qualitäten, was auch seiner älteren Schwester positiv auffällt. Diese Entwicklung ist sehr positiv und entspricht damit dem Ansatz der gesamten Reihe, nämlich das Beste in Kindern hervorzubringen.

Geübte Leserinnen und Leser – das Buch ist zutreffend für Kinder ab 8 Jahren vorgeschlagen – werden das Buch an einem (längeren) Abend verschlingen, andere brauchen vielleicht einen Abend länger. Die Story ist in sich schlüssig und liest sich flott, die emotionalen und auch sachlichen Rahmenbedingungen sind stimmig und die enthaltenen Aufreger und Wendungen sind altersgerecht verarbeitet. Das Buch ist unabhängig von den bisherigen Bänden lesbar und auch die Kenntnis der Hauptreihe ist nicht zwingend nötig, jedoch förderlich, gerade wegen des Rückbezugs zur damaligen Fernsehsendung. Aus meiner Sicht eine klare Empfehlung und eine tolle Fortsetzung der Reihe.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 27.05.2022
  • Seitenanzahl: 256
  • Altersempfehlung: Ab 8 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3551653376

Link zum Buch:

https://www.carlsen.de/hardcover/die-schule-der-magischen-tiere-endlich-ferien-7-max-und-muriel/978-3-551-65337-6

Donnerstag, 2. Juni 2022

Reina Ollivier / Karel Claes, Krachmacher: Erstaunlich laute Tiere

Reina Ollivier / Karel Claes, Krachmacher: Erstaunlich laute Tiere, Coppenrath Verlag

Von Dr. Verena Krenberger

Großformatige, reich bebilderte Sachbücher für kleine Leserinnen und Leser sind ein echtes Markenzeichen des Coppenrath Verlages. Insbesondere die „Lebensgroß“-Reihe hat diesbezüglich schon Maßstäbe gesetzt. Nun erscheint mit den „Krachmachern“ ein weiteres Sachbilderbuch. Darin vorgestellt werden Tiere, die auf ihre Art sehr laut sind und mit diesen Geräuschen teilweise Besonderes bewirken. Erfasst sind nun neun Lebewesen, deren Laute so bedeutsam sind, dass es sich lohnt sie vorzustellen. Nicht dabei sind z.B. Wale mit ihren Gesängen oder Fledermäuse mit Ultraschalllauten, sondern eher greifbare Phänomene. Zu finden sind mithin der afrikanische Löwe, der Hahn, die Singzikade, der Esel, der Teichfrosch, der schwarze Brüllaffe, der Grünspecht, der Knallkrebs und der Waldkauz. Die Auswahl der Tiere ist also für Kinder mit ihrem Wissens- und Erfahrungshorizont begreifbar und nicht allzu exotisch: es besteht die Möglichkeit, dass man diese Tiere schon einmal in der heimischen Natur gesehen oder gehört hat, dass man ihnen im Zoo begegnet ist oder sie in einer Tierdokusendung entdecken konnte. Natürlich ist die Auswahl damit ein wenig regional eingeengt, aber das Buch soll das einheimische kleine Zielpublikum ja auch abholen und für weiteres Wissen begeistern. Denn davon gibt es reichlich.

Jedem der Tiere sind drei Doppelseiten gewidmet, davon zwei mit großformatiger Bebilderung. Die mittlere Doppelseite ist den vielen Informationen vorbehalten, die rund um das jeweilige Tier existieren. Diese sind überwiegend in der Ich-Form gehalten, sodass der klassische professorale Duktus wegfällt und sich die kleinen Leserinnen und Leser besser in das Tier hineinversetzen können. Dies ist vor allem bei den Themen „Nahrung“ und „Feinde“ der Fall, die mit Piktogrammen und Illustrationen prominent neben Details zu Körperbau, Lebensraum oder Sinn und Zweck der jeweiligen Lautäußerungen der Tiere platziert wurden. Auch die Angabe von Dezibel-Werten mit Vergleichsangeboten schärft das Verständnis für die Dimension des Brüllens oder Klapperns. Besonders interessant empfanden ausgewählte kleine Testleser die Informationen über die Zusammenhänge zwischen Lautstärke bzw. Lautäußerung und Rangstellung.

Was ich bedauerlich finde, ist dass das Buch hinsichtlich der echten Laute nur auf die reine Imagination beschränkt ist. Denn auf der Buchrückseite entsteht mit dem Appell „Na dann: Ohren auf!“ eigentlich der Eindruck, man würde die Stimmen auch präsentiert bekommen. Dem ist aber nicht so. Natürlich hätte ich mir hier keine Umsetzung mit Plastikkasten und Drucktasten gewünscht wie bei den Mini-Musikern - aber eine Verknüpfung mit einer App und mit jeweils bei den Tieren zu scannenden QR-Codes, das wäre echt innovativ gewesen.

Ebenfalls erfreulich wäre es gewesen, wenn mehr praktische Umsetzung so erfolgt wäre, wie sie beim Esel angeboten wurde: wie kann ich den konkreten Tierlaut nachahmen? Das bleibt leider singulär.

Dennoch: Das Werk kommt bei der Zielgruppe prima an, man kann die Texte gut und lebendig vorlesen, die Sachinformationen sind abwechslungsreich. Ein gelungenes Buch.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 01.07.2022
  • Seitenanzahl: 64
  • Altersempfehlung: Ab 5 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649643418