Mittwoch, 20. Juli 2022

Walko, Der wilde Räuber Donnerpups – verpupst und zugeschneit (Band 6)

Walko, Der wilde Räuber Donnerpups – verpupst und zugeschneit (Band 6), CoppenrathVerlag

Von Dr. Verena Krenberger

Nachdem Band 5 der Donnerpups-Sage noch „Verhext und zugenäht“ hieß, darf die Hexe Simsibim diesmal wieder auftreten und zwar im ersten Winterbuch für die wilde Räuberbande: „verpupst und zugeschneit“. Dieser Band ist in meinen Augen ein klares Zeichen in Richtung „Normalisierung“ der Geschichten. Denn es geht diesmal so gar nicht um wilde und wagemutige Erlebnisse und Attitüden des Räuberhauptmanns und seines bunt gemischten Haufens, sondern es ist eine Geschichte mit klaren Meta-Themen, kindgerechten Problemen und Lösungsansätzen und einem netten Ende. Das hätte so also theoretisch jeder beliebigen Gruppierung widerfahren können. Das ist beileibe nichts Schlechtes, aber wenn man von jedem Donnerpups-Band krawallige und kuriose Räuberplots erwartet, könnte diese Story vielleicht ein wenig zu sanft sein. Immerhin ist es keine Pseudo-Räuber-Weihnachtsgeschichte, sondern das Buch nimmt einfach nur den Winter als Thema auf.

Worum geht es konkret? Die Räuberbande bestehend aus Donnerpups und weiteren fünf Mitgliedern erwacht morgens in schönster Schneelandschaft und liefert sich erst einmal eine zünftige Schneeballschlacht. Bald haben sie Hunger auf ein ordentliches Frühstück und erhoffen sich Plätzchen bei der Hexe Simsibim. Die ist jedoch gar nicht zuhause und den inzwischen reichlich unleserlichen Zettel an ihrer Tür vermögen sie nicht recht zu entziffern, nur irgendetwas mit „Donner“ ist zu lesen. Also schlussfolgern sie, dass die Hexe Kräuter sammeln gegangen ist und nun verständlicherweise im Tiefschnee in Not geraten sein muss, sodass die wilden Räuber zu viert auf eine Rettungsmission aufbrechen – nur Muliboy und Robin werden ins Lager zurückgeschickt. Es kommt, wie es kommen muss: die Räuber verlaufen sich im Schnee und finden die alte Jagdhütte zuerst nicht, sondern der Zufall führt sie letzten Endes dorthin – was Donnerpups so aber nie zugeben würde. In der Hütte wartet allerdings nicht die Hexe, sondern eine ungute Überraschung, derer sich die vier Räuber nur durch die Spezialkompetenz ihres Anführers entledigen können. Das löst aber leider zugleich eine Lawine aus, vor der sie sich zwar in die nun leere Hütte retten können, aber dort sitzen sie erst einmal fest.

Unterdessen kommt die Hexe im Lager vorbei, sodass Robin und Muliboy merken, dass die Rettungsaktion wohl schiefgegangen sein muss. Sie machen sich mit der Hexe auf zur Rettung der Retter und – siehe da – die Hexe kann doch ein bisschen zaubern und schafft es, die Hütte ein wenig von Schnee und Eis zu befreien. Nach einer verschnarchten Nacht ist am nächsten Morgen das Hallo groß und nach ein wenig Geplänkel ist die Rückkehr ins Lager noch eine besonders schöne und rasante Angelegenheit, wo am Lagerfeuer darüber räsoniert wird, wie gut es doch ist, Freunde zu haben, die das Herz am rechten Fleck tragen.

Dass in den wilden Räubern so manch guter Charakterzug steckt, haben schon die vorherigen Bände gezeigt. Dass dies aber auch so ganz ohne Räubereien auskommt, macht das Buch und die Charaktere vielseitiger. Denn für Kinder sind solche Abenteuer, in denen man seinen Freunden aus der Patsche hilft und auch mal eigene Fehler eingestehen darf, wichtige Lektüre. Auch dank der wie immer liebenswerten Illustrationen ist dieser neue Band eine echte Empfehlung zum Vorlesen und Selbstlesen für Vorschulkinder und die ersten Grundschuljahre.

 

Verlagsangaben zum Buch:

  • Erscheinungstag: 15.08.2022
  • Seitenanzahl: 40
  • Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
  • ISBN/Artikelnummer: 978-3649640172