Walko, Der wilde Räuber Donnerpups – verpupst und zugeschneit (Band 6), CoppenrathVerlag
Von Dr. Verena Krenberger
Nachdem Band 5
der Donnerpups-Sage noch „Verhext und zugenäht“ hieß, darf die Hexe Simsibim
diesmal wieder auftreten und zwar im ersten Winterbuch für die wilde
Räuberbande: „verpupst und zugeschneit“. Dieser Band ist in meinen Augen ein
klares Zeichen in Richtung „Normalisierung“ der Geschichten. Denn es geht
diesmal so gar nicht um wilde und wagemutige Erlebnisse und Attitüden des
Räuberhauptmanns und seines bunt gemischten Haufens, sondern es ist eine
Geschichte mit klaren Meta-Themen, kindgerechten Problemen und Lösungsansätzen
und einem netten Ende. Das hätte so also theoretisch jeder beliebigen
Gruppierung widerfahren können. Das ist beileibe nichts Schlechtes, aber wenn
man von jedem Donnerpups-Band krawallige und kuriose Räuberplots erwartet,
könnte diese Story vielleicht ein wenig zu sanft sein. Immerhin ist es keine
Pseudo-Räuber-Weihnachtsgeschichte, sondern das Buch nimmt einfach nur den
Winter als Thema auf.
Worum geht es
konkret? Die Räuberbande bestehend aus Donnerpups und weiteren fünf Mitgliedern
erwacht morgens in schönster Schneelandschaft und liefert sich erst einmal eine
zünftige Schneeballschlacht. Bald haben sie Hunger auf ein ordentliches
Frühstück und erhoffen sich Plätzchen bei der Hexe Simsibim. Die ist jedoch gar
nicht zuhause und den inzwischen reichlich unleserlichen Zettel an ihrer Tür
vermögen sie nicht recht zu entziffern, nur irgendetwas mit „Donner“ ist zu
lesen. Also schlussfolgern sie, dass die Hexe Kräuter sammeln gegangen ist und
nun verständlicherweise im Tiefschnee in Not geraten sein muss, sodass die
wilden Räuber zu viert auf eine Rettungsmission aufbrechen – nur Muliboy und
Robin werden ins Lager zurückgeschickt. Es kommt, wie es kommen muss: die
Räuber verlaufen sich im Schnee und finden die alte Jagdhütte zuerst nicht,
sondern der Zufall führt sie letzten Endes dorthin – was Donnerpups so aber nie
zugeben würde. In der Hütte wartet allerdings nicht die Hexe, sondern eine
ungute Überraschung, derer sich die vier Räuber nur durch die Spezialkompetenz
ihres Anführers entledigen können. Das löst aber leider zugleich eine Lawine
aus, vor der sie sich zwar in die nun leere Hütte retten können, aber dort
sitzen sie erst einmal fest.
Unterdessen
kommt die Hexe im Lager vorbei, sodass Robin und Muliboy merken, dass die
Rettungsaktion wohl schiefgegangen sein muss. Sie machen sich mit der Hexe auf
zur Rettung der Retter und – siehe da – die Hexe kann doch ein bisschen zaubern
und schafft es, die Hütte ein wenig von Schnee und Eis zu befreien. Nach einer
verschnarchten Nacht ist am nächsten Morgen das Hallo groß und nach ein wenig
Geplänkel ist die Rückkehr ins Lager noch eine besonders schöne und rasante
Angelegenheit, wo am Lagerfeuer darüber räsoniert wird, wie gut es doch ist,
Freunde zu haben, die das Herz am rechten Fleck tragen.
Dass in den
wilden Räubern so manch guter Charakterzug steckt, haben schon die vorherigen
Bände gezeigt. Dass dies aber auch so ganz ohne Räubereien auskommt, macht das
Buch und die Charaktere vielseitiger. Denn für Kinder sind solche Abenteuer, in
denen man seinen Freunden aus der Patsche hilft und auch mal eigene Fehler
eingestehen darf, wichtige Lektüre. Auch dank der wie immer liebenswerten
Illustrationen ist dieser neue Band eine echte Empfehlung zum Vorlesen und
Selbstlesen für Vorschulkinder und die ersten Grundschuljahre.
Verlagsangaben
zum Buch:
- Erscheinungstag: 15.08.2022
- Seitenanzahl: 40
- Altersempfehlung: Ab 3 Jahre
- ISBN/Artikelnummer: 978-3649640172
